September 2011

 

30. September 2011

 

Nach einem nicht einmal vierstündigen Arbeitstag habe ich mich wieder in der Wohnung eingefunden. Aber von vorne:

Mein Tag begann recht abwechslungsreich, da die Fahrt mit dem zweiten Wagen, dem Combi, zum lustigen Erlebnis wurde. Ich saß ganz vorne und direkt hinter mir hatte ein älterer Herr (über 60 Jahre alt) Platz genommen. Dieser wurde vom Geldeinsammler aufgefordert, auf der Bank bis zum Fenster durchzurücken, wogegen sich der Herr weigerte. (Verständlich, da man später auch wieder raus kommen muss und wenn man nicht gelenkig ist, kann das sehr unpraktisch sein. Andererseits wurde Platz für weitere Fahrgäste gebraucht.) Es entstand also eine Diskussion, in die letztlich der gesamte Bus, alle Fahrgäste, mit einstimmten. Genial fand ich den Spruch vom nicht rückenden Fahrgast: "Entschuldigen Sie Señor, aber Sie sind ja wie ein Diktator, Sie sind ja wie Hugo Chávez!" Wenn der venezolanische Präsident das gehört hätte, wäre er sicherlich nicht erfreut gewesen.

Wegen dieser Worte musste ich die weitere Fahrt ziemlich grinsen und später zugestiegene Fahrgäste müssen geglaubt haben, ich wäre eine Touristin, die auf Grund der Umgebung lächelt..und ein anderer Kerl, der mir irgendwann gegenüber saß und mir seine Handynummer zusteckte, dachte vermutlich, ich würde mich wegen seiner Nummer so freuen.

 

Mein Schultag war hingegen wenig berauschend.

Es gab nichts zu tun, auch das Tanzen konnte nicht stattfinden, da der Schulhof von einem anderen externen Tanzlehrer und seiner Musik sowie zeitweisen Sportveranstaltungen blockiert war. Der Plan ist nun, dass Montag unsere Gruppe tanzen kann. Die Praxis wird eventuell anders aussehen.

Auf Grund der Langeweile machten Eva und ich uns schon um 11.30 Uhr auf den Rückweg und in unser "Stammrestaurant" beim Pro, wo es als Vorspeise richtigen Salat gab! Mein erster richtiger peruanischer Salat! Und ich habe sogar die Rote Beete gegessen, die ich sonst eigentlich überhaupt nicht mag.. . ;)

 

29. September 2011

 

Kurz nach 10 Uhr kam "der hohe Besuch" und bevor Evas und mein Unterricht unter die Lupe genommen wurde sowie ein Wohnungsbesichtigungstermin auf dem Plan stand, wurde zunächst mit der Directora und Cesar geplaudert. Nur kurz waren Eva und ich Thema des Gesprächs, der größte Teil erinnerte mich eher an einen Geschäftstermin, da von der Finanzierung irgendwelcher Projekte zB die Schulinfrastruktur betreffend, die Rede war.

Mich hat das Gefühl beschlichen, die Schule (die Direktorin) hat eigentlich kaum Interesse an Eva und mir als Freiwilligen, sondern mehr and der Instandhaltung der Beziehungen zu meiner Entsendeorganisation und dementsprechend möglichen Geldern. Dies ist natürlich nur eine Vermutung und vielleicht tue ich ihr Unrecht, aber auch hier in Peru gilt: Geld regiert die Welt und die Direktorin war heute so freundlich und strahlend, wie ich sie nie zuvor gesehen habe. Zudem hat sie den Gast überall herum geführt und viel über die Schule erzählt - solch eine Führung haben Eva und ich nie bekommen. Für uns gab es nichtmal ein "Einführungsgespräch", welches wir uns gewünscht hätten und immer wieder anstoßen wollten. Jetzt weiß ich (korrekter: vermute ich!) woher der Wind bei diesem Projekt wirklich weht.

Meinen "peruanischen Personalausweis", die Tarjeta Verde oder Tarjeta Identidad, habe ich heute übrigens erhalten, ebenso wie meinen Reisepass mit dem Visum für das ganze Jahr, welches nur ein ganz unstylischer Stempel ist. Da lob ich mir das schöne US-Visum. ;)

Morgen wird mit den Kindern in der Schule wieder getanzt, abends wird in den Geburtstag meines Mitbewohners rein gefeiert. Als Location für diese Feier stand interessanterweise schon lange die Wohnung der Freiwilligen zwei Häuser weiter fest - nur sie selbst wusste bis vor zwei Tagen nichts von ihrem Glück, ihre Wohnung opfern zu müssen. Da sie vorgestern dann aber auch eingeladen wurde, war das kein Problm für sie.

 

28. September 2011

 

Heute habe ich eine neue Bananensorte probiert - Platanos Isla (die "normalen" Bananen sind Platanos sedas), deren Fruchtfleisch organglich ist und die tatsächlich etwas anders als die gewohnten Bananen schmecken, dafür aber auch teurer sind. Warum gibt es diese Bananen in Deutschland nicht zu kaufen, sie schmecken ziemlich gut?

Zudem hat Lucero mich spontan über facebook angeschrieben und kurzerhand haben wir uns getroffen.

Bei der Wäscherei war ich auch, die endlich mein Pulliband (Diese Kaputzenbänder, wisst ihr, was ich meine?) wieder gefunden haben. Ein nicht wirklich spannender, aber ganz entspannter und auch irgendwie schöner Tag.

Morgen kommt hoher Besuch im Projekt. Die Leute meiner Organisation, deren Name aus rechtlichen Gründen nicht näher erläutert wird, werden Eva und mich in der Schule besuchen, mit allen Beteiligten schnacken und anschließend unsere Unterkunft besichtigen. Eva und ich haben vor ihnen mitzuteilen, die Projektbeschreibung von "Interkultureller Einbeziehung" zu "Informatikunterricht" o.ä. zu ändern.

Und ganz bald ist schon wieder Wochenende. Ein Wochenende mit dem ein oder anderen Plan. Es wird berichtet werden. ;)

 

26. September 2011

 

Leider scheiterte mein Obstkauf auf dem Markt erneut an übertriebenen Preisen, morgen werde ich einen neuen Versuch wagen. Ein lustiges Bild bot Eva hingegen, die sich eine Coca Cola (nicht zu verwechseln mit der gelben Inca Kola) in einer normalen Flasche kaufte. Als wir weiter gehen wollten, wurden wir zurück gerufen - Eva durfte die Flasche nicht mitnehmen. Kurzerhand füllte die Verkäuferin die Cola in einen Plastikbeutel um, welcher ab diesem Moment als neues Trinkgefäß diente. So etwas habe ich noch nicht gesehen - und warum die Verkäuferin die Flasche haben wollte, weiß ich auch nicht. Ich bin immer davon ausgegangen, dass es hier kein Pfand auf Flaschen gibt... . Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen... . ;)

 

25. September 2011

 

Um 5.30 Uhr begann der heutige Sonntag für mich. Ein Tagesausflug mit ca. 10 weiteren Freiwilligen aus den Stadtteilen Miraflores, Barranco und Cieneguilla (sowie natürlich Eva und mich aus Comas) stand auf dem Programm und bereits um 6.05 Uhr machte ich mich mit Eva auf den Weg zum Plaza Norte, wo wir die anderen trafen und in den Bus nach Lomas de Lachay, einer "Wüstenoase", einstiegen. Jedenfalls glaubten wir, dass wir in Lomas ankommen würden. Im Endeffekt landeten wir viel weiter nördlich, in der Stadt Huacho und mussten mit einem Sammeltaxi zurück nach Lomas fahren, weil unser Bus schlichtweg nicht in Lomas hielt. Unser Taxifahrer wanderte 2.5 Stunden lang mit uns durch die grünen Wüstenberge und schaffte mit uns eine teilweise sehr steile Klettertour. Leider trug ich Schuhe mit nur wenig Profil, sodass ich mehrfach leicht wegrutschte und andere Wanderer hinter mir hätte umreißen können. Dies ist jedoch nicht geschehen - Gott sei Dank. Die Oase Lomas hat mich zunächst ziemlich überrascht. Naiv stellte ich sie mir vorher wie aus einem Bilderbuch vor. Wüstensand und eine Wasserstelle mit Gras und Palmen darum. Es kam ganz anders. Die Wüste war die Wüste, die ich schon kannte. Der feste Boden, der auch in Comas immer wieder unter Asphalt durchblitzt. In Lomas sah man ihn aber kaum - überall wuchs Gras, wuchsen Blumen, Baumstümpfe zeichneten sich gegen die vormittags vernebelten Berge ab, gegen Mittag als wir auf dem Gipfel wanderten, kam jedoch die Sonne durch und der Nebel legte sich. Ein schöner Ausblick erwartete uns.

Nach der, insbesondere auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit, anstrengenden Wandertour, aßen wir in Huacho zu Mittag und kamen abends wieder in Lima an.

Der Weg zwischen Lima und Lomas hat übrigens auch spannende Eindrücke zu bieten. Als erstes verändern sich die Häuser, die Wohngebiete werden ärmer und ärmer bis die Straße direkt an der Pazifiksteilküste vorbeiführt. Auf der einen Seite den Ozean gegen die Felsen klatschen zu sehen, auf der anderen Seite sich auftürmende Berge und vom Fall nur durch eine verbeulte Leitplanke, oder nur die weiße Markierung der Straße, bzw. einen vorsichtigen Fahrer getrennt, bieten sich atemberaubende Momente auf der Panamericana.

Jetzt ist es 21.40 Uhr, ich bin sehr müde, werde mich aber noch für die "Tagesschau" wach halten. Und ratet mal, wo ich mich dann aufhalten werde!? In meinem Bett zum Schlafen, morgen warten die ersten und eine zweite Klasse auf den Unterricht.

 

23. September 2011

 

Das Tanzen mit den Kindern hat heute gut geklappt, hoffentlich werden sie die einzelnen Schritte bis zum nächsten Freitag nicht vergessen haben.

Weiterhin gab es heute in der Pause eine Ansprache der Direktorin bezüglich des Frühlingsanfanges, der für den Anfang stehe und sämtliche Schüler erhielten kostenlose Getränke (warmen "Apfelsaft" - das Fruchtfleisch sah allerdings nicht nach Apfel aus!) sowie ein Minibrötchen. Eva und ich halfen zuvor fleißig beim Einfüllen der "Säfte" ("Fruchtiger Tee" wäre auch passend).

 

22. September 2011

 

Die heutigen Erfolgsmeldungen:

  Die selbserdachte Choreo von Eva und mir für das Schulfest in drei Wochen steht nach einer Stunde voller/mangelnder Kreativität halbwegs.

  Die Schulleiterin hat unsere Urlaubspläne so ziemlich bewilligt - möchte aber noch etwas "koordinieren". Dennoch hieß es, so glauben wir, "ja, ihr könnt die jeweilige Zeit frei nehmen"!

  Meine Obsteinkäufe werden immer günstiger! Heute habe ich bei einem "Warum wohnt jemand mit so wunderschönen Augen, wie du sie hast, in Comas?"-Marktverkäufer drei Bananen für 50 Céntimos und "den schönsten Apfel" für 10 Céntimos gekauft. Im Supermarkt hätte ich dreimal so viel zahlen können. Mein nächstes Ziel: Mindestens sieben Bananen für einen Sol zu erstehen. ;)

Ich habe übrigens begonnen, in Bananen zu rechnen! Für sechs Scheiben Käse kann man beispielsweise mehr als 4 Soles bezahlen (extremst überteuert) und das habe ich in Bananen umgerechnet. Sechs Scheiben Käse oder 20 Bananen?? Ich habe mich gegen jegliche Vernunft für den Käse entschieden.

Apropos Bananen. Heute habe ich mir in einer kleinen Seitenstraße in der Nachbarschaft (eigentlich in einem Hamburgerladen) ein Bananenmilchshake gekauft. Der im "Menü" vermerkte Preis waren 3.5 Soles. Als der Verkäufer Rückgeld für mich holen wollte, bekam ich mit, wie seine Frau versuchte ihn davon zu überzeugen, mir das/den Milchshake 50 Céntimos teurer zu verkaufen. Der Verkäufer wusste allerdings, dass ich die Karte gelesen hatte und bestens über den angegebenen Preis informiert war und gab mir das passende Geld zurück. Seine Frau ist mir nun unsympathisch und interessanter Weise gingen die beiden während ihrer Diskussion davon aus, ich würde kein Spanisch verstehen..dabei habe ich alles genau gehört und nachvollziehen können... .

  Ein letztes Erfolgserlebnis: Meine Brötchen werden in Zukunft ebenfalls günstiger. Ich habe eine kleine "Tienda" (kleiner Laden) in meiner Straße auf dem Weg zur "Lavandería" (Wäscherei) gefunden. Hier kosten die Brötchen nur hald so viel wie die von Metro. Also ihr merkt, so langsam beginne ich, mich in meiner Umgebung mehr und mehr zurecht zu finden und Preise einschätzen zu können. ;)

 

21. September 2011

 

In Sachen Urlaubsplanung/Urlaubsgenehmigung gibt es bisher keine Neuigkeiten zu berichten und auch ansonsten ist nicht viel passiert in den letzten zwei Tagen. Mein Tanzlehrer hat ein radikales Umstyling vorgenommen und ähnelt ab sofort mehr denn je einem netten Piraten..aber das sagt euch vermutlich nicht viel (oder lässt eurer Fantasie zu viel Spielraum). Ich sollte irgendwann mal in einer heimlichen Sekunde ein heimliches Foto von ihm machen, aber ich glaube, das wird so bald nicht gelingen. Zudem sei zu erwähnen, dass ich die heutige Pause fasziniert bis zu vier Fußballspiele von Schülern auf nur einem "Feld" (glatter, harter Boden, der durch den Staub noch rutschiger wird und auf dem in jedem Moment mindestens ein Schüler hingefallen ist, ohne Tore etc, -> der Schulhof) gesehen habe. Als Bälle wurden im Laufe der Zeit bis zu drei Flaschen, ein Haargummi und eine Kugel aus aneinander geklebten Plastikfolien verwendet. Hier ist wirklich fast alles in irgendeiner Art und Weise improvisiert.

Morgen möchte Marina mit mir zur deutschen Botschaft fahren, um ein Visum für eine Reise nach Deutschland zu bekommen, aber eigentlich habe ich schon andere Pläne..mal sehen.

 

19. September 2011

 

Leider war der heutige Arbeitstag wieder etwas demotivierend. Nur eine von drei Klassen ist regulär zur Computación erschienen und diese wurde von ihrem Klassenlehrer begleitet, der den Unterricht nicht sonderlich ernst nahm und gegen Ende, ohne Absprache mit Eva und/oder mir, zu einem Labyrinth-Wettkampf aufrief. ("Labyrinth" ist eines der installierten Spiele auf den Laptops.)

Zudem schien die Direktorin von unseren Urlaubsplänen im kommenden Jahr gar nicht begeistert zu sein und möchte sich zunächst mit den Lehrern absprechen, ob wir drei Wochen am Stück frei bekommen können.

Bitte drückt die Daumen, dass meiner Südtour im März/April/Mai (?) nichts im Wege stehen wird!

 

18. September 2011

 

Guten Morgen..sagt die Jana um ca. 15 Uhr Ortszeit. Eine zu Beginn lustige, später anstrengende Nacht liegt hinter mir. Zunächst erstand ich eine Metropolitano-Karte, mit der ich eine bestimmte Busverbindung nutzen kann, eine Verbindung mit Fahrplan! Beim Larcomar trafen wir uns wie geplant mit einer Marina, die schon etwas zu viel Wodka genossen hatte. Für sie war das ziemlich unangenehm, Eva und ich fanden sie aber irgendwie ziemlich lustig. Zunächst ging es in eine Bar, wo wir mit den anderen (Marinas Schwester hatte Geburtstag und Freunde im Schlepptau) aber nicht lange blieben und bald zu einer Disco in der Nähe weiter zogen. Die ganze Zeit über war ich, obwohl ich Miraflores schon kannte, "geschockt" wie anders die Leute dort im Vergleich zu denen in Comas aussehen. Sie sind so...hellhäutig..europäisch..gut gekleidet..wohlhabender..größer..selten sogar blond. Bei der Disco angekommen, standen unsere Namen auf der Gästeliste, da Marina den Chef der Disco persönlich kennt. Unsere Namen hätten auf der Gästeliste stehen müssen. Meiner war nicht darauf verzeichnet. Somit überzeugte Marina den Türsteher davon, dass ich die Schwester von Eva wäre und tatsächlich kam ich in die Disco rein (zu keinem Zeitpunkt wollte irgendjemand meinen Ausweis sehen). Ich kam in die Disco ohne High Heels und ohne Papageien-Look. Leider kamen nicht alle in die Disco. Ein weiterer Name fehlte auf der Gästeliste und leider handelte es sich bei dieser Person um einen normalen Peruaner. Er musste, im Gegensatz zu mir, draußen bleiben. Zwar habe ich tatsächlich von meinem Äußeren profitiert, finde das aber eigentlich ganz schön mies! In der Disco blieben wir auch nicht lange, da wir schließlich nicht vollständig waren. Somit ging es, nach einigen wütenden Handygesprächen zwischen Marina und dem Disco-Chef, zum nächsten Club. Glücklicherweise wurde nur sehr wenig Salsamusik gespielt, leider wurde trotzdem hauptsächlich in Paaren getanzt und ab diesem Zeitpunkt begann ich den Abend anstrengend zu finden. Dauernd irgendwelche Peruaner, die dich angrinsen und fünfmal die gleiche Frage in dein Ohr schreien und du sie danach immer noch nicht verstehst. Da hilft es auch nicht, wenn sie es auf Englisch (oder einmal sogar Deutsch!) probieren. Noch anstrengender wurde es, als ich mich mit Eva von den anderen verabschiedete. Wir hatten uns überlegt, dass es wenig Sinn machte, bei Marina wenige Stunden zu schlafen, um vormittags wieder nach Hause zu fahren, da Eva ein Skypetreffen mittags hatte. Somit warteten wir teilweise im Bembos, teilweise am Straßenrand auf den ersten Metropolitano. Ich weiß nicht mehr genau, wie lange..aber zwei oder drei Stunden waren es. Die Metropolitanofahrt verschlief ich fast komplett. Nach 7 Uhr morgens endlich zu Hause angekommen, bin ich nur noch ins Bett gefallen. Jetzt bin ich wach und muss noch putzen..Lucero kommt schließlich in ca. einer Stunde. Ich bin schon gespannt, ob ihr Milchreis wie der unsere schmecken wird!

Nachtrag:

Der Milchreis hat tatsächlich wie die mir bekannte Speise geschmeckt, allerdings war er auf Grund des vielen Zuckers und der "Leche condensada", die es anscheinend nicht in Deutschland zu kaufen gibt (?), noch süßer.

 

17. September 2011

 

Juchuu, ich habe eine Banane bei einem Markt für 20 Centimos erstehen können und wurde nicht total abgezockt! Die Miraflores-Freiwilligen Birte und Ariane übernachteten bei Eva und mir, nachdem wir gestern Abend "die besten Hamburger von Comas" gegessen haben und heute besuchten wir einen Markt (der nicht Unicachi heißt, wie zunächst angenommen), wo Obst eingekauft sowie zu Mittag gegessen wurde. Ich habe beispielsweise Pollo Empanadas (Hühnchenempanadas) probiert.

Nachher sind Eva und ich mit Marina im Larcomar verabredet. Irgendjemand feiert dort seinen Geburtstag. Dass man zu Geburtstagen keine Geschenke mitbringen muss (es sei denn, man ist sehr gut mit dem Geburtstagskind befreundet oder es handelt sich um einen besonderen Geburtstag (zb. 15. /50. ...)), erleichtert die Vorbereitung. Leider gilt es, um zum Larcomar zu kommen, eine recht weite Strecke zurück zu legen. Diese Entfernungen hier im riesigen Lima sind auf Dauer sehr nervig.. . Zudem hieß es zunächst, wir würden in einer Bar feiern. Das wäre kein Problem gewesen und ich hätte meine Schlafsachen (eine erneute Übernachtung bei Marina steht an) im Rucksack mitnehmen können. Leider heißt es nun, wir würden in Discos gehen. Also doch kein Rucksack, sondern nur die Zahnbürste.. .

Weiterhin finde ich es äußerst nervig, in einer SMS darauf hingewiesen worden zu sein, "Tennisschuhe" wären nicht erlaubt. Leider habe ich nur Praktisches (Sneaker) aus Deutschland mitgenommen. Nach einer Nachricht von meiner Seite, ich hätte nur Sneakers im Angebot, hieß es plötzlich: "Na gut, du bist immerhin blond, dann sind Sneaker sicherlich auch okay, aber du musst dich ganz doll und bunt schminken!" Ja, wenn das so einfach wäre. Wer mich kennt weiß, dass ich weder in Besitz von "Papageienschminke" bin, noch jemals in Besitz dieser sein möchte. Ehrlich gesagt, machen mir all diese Informationen den kommenden Abend sehr unsympathisch. Wie gut, dass ich blond bin. Vielleicht ist es dann okay, wenn ich weder mit High Heels, noch als Papagei erscheinen werde... .

Auf Morgen freue ich mich mehr! Dann wird mit Lucero bei Eva und mir in der Wohnung gekocht - Arroz con Leche. Milchreis!? ;)

 

16. September 2011

 

Der Sommer hat sich kurzfristig ueberlegt, doch noch nicht seine waermenden Strahlen ueber Comas auszubreiten und somit braucht es wieder einen dicken Pulli sowie Jacke um vor die Tuer zu gehen.

Weitere negative News: Der Churro-Stand (ich berichtete) war heute unauffindbar, ebenso wie mein "Metro-Wasser" nicht mehr im Angebot war (ich dachte, es waere im Dauerangebot), was mich beim Einkauf minimal teurer zu stehen kam.

Noch mehr Negatives? Das Internet hat den Vormittag ueber gar nicht funktioniert, inzwischen geht es wieder, allerdings nur mehr schlecht als recht. Sollte ich irgendwann von der Aussenwelt abgeschnitten sein, kann es an der mangelnden Internetverbindung liegen.

Endlich mal positive News? Eva und ich haben uns letztlich gegen Tokio Hotel und fuer ein Lied von "Wir sind Helden", welches auf einer zweiten CD von César war, entschieden. Ich wuerde zwar nicht sagen, dass es ein erheblicher Fortschritt ist, aber ein kleiner ist es auf jeden Fall. Nun widme ich mich meinen Mini-Schoko-Keksen und den Simpsons auf Spanisch. "Claro que si", ruft Homer in diesem Moment - ich habe es verstanden!! ;)

 

15. September 2011

 

Was ist noch schlimmer als Schnappi? Tokio Hotel. Was für Musik werden wir wahrscheinlich für das Schulfest nehmen? Musik von Tokio Hotel. Da Eva und ich keine CDs mit deutscher Musik hier haben und das Downloaden/Brennen auf eine CD (nicht im MP3-Format) hier schwieriger wäre als in Deutschland, haben wir die Lehrer der Schule gefragt, ob sie in Besitz deutscher Musik sind. Begeister hat sich ein Lehrer, César, zu Wort gemeldet und uns heute seine CD mitgebracht. Tokio Hotel. Er würde es sehr gut finden, wenn wir mit den Kindern dazu tanzen würden...was tut man nicht alles in diesem Land? Wie gut, dass mich längerfristig kaum einer kennt, niemand die Songtexte verstehen kann und überhaupt...ein Jahr "mal anders"..da kann man sich so etwas erlauben... .

 

14. September 2011

 

"What the hell are you waiting for?", dröhnte "Numb" von Linkin Park aus den MegaPlaza Lautsprechern, als ich wartete. "What the hell am I waiting for?", dachte ich mir ironischer Weise in diesem Moment. Die Antwort ist simpel. Ich wartete eine gefühlte Ewigkeit (eine Stunde dauerte es jedoch nicht) auf meinen Mitbewohner Percy, mit dem Eva und ich zum MegaPlaza, genauer gesagt zur Fluggesellschaft LAN fuhren, um einen Flug von Lima nach Chiclayo zu buchen. Da Percy nach Weihnachten und über Silvester seine Familie dort besuchen und uns Freiwillige gerne mitnehmen möchte, wollten wir einen großen Schritt auf dem Weg der Reisevorbereitung machen und den Flug festlegen. Leider kam es zu dem Problem, dass Eva und ich unsere "Tarjeta Verde", die uns den Status von peruanischen Residenten geben soll und uns vor überteuerten Touristenpreisen schützen kann, noch nicht geschickt bekommen hatten und somit keine Nummer für die Buchung parat hatten. Heute hätte es ein Angebot gegeben, ab morgen werden die Flüge wieder teurer sein. Insofern wird es wohl doch keinen Flug, sondern eine lange Busreise nach Chiclayo geben. Während Percy auf Grund seiner Arbeit bereits am 4. Januar zurück fahren muss, möchten Eva und ich die Gelegenheit nutzen, die östliche Gegend von Chiclayo zu erkunden. (Vom nördlicheren Piura wurde uns auf Grund der angeblichen Hässlichkeit der Stadt abgeraten.) Auf dem Plan steht somit eine Tour nach Cajamarca und von dort aus nach Chachapoyas. Wenn noch viel Zeit bleiben würde, könnten wir auch tiefer in den Regenwald, über Moyobamba nach Tarapoto fahren und von dort aus zurück nach Lima. Am 16. Januar sollen wir für die "Sommerschule" wieder im "Colegio" sein. Schüler mit Problemen in gewissen Fächern wie Englisch oder Mathematik finden dann während der Sommerferien zusätzliche Unterstützung und Nachhilfe z.B. durch uns.

Meine weitere Reiseplanung: Über Ostern in den Süden für den bekannten "Gringotrail" inklusive Cusco und Machu Pichu, sollte ich es bis Juni nicht richtig in den Regenwald geschafft haben, könnte sich gegen Ende meines Freiwilligendienstes und somit außerhalb der Regenzeit noch ein Flug nach Iquitos ergeben.

Begonnen hat mein Eintrag mit dem Warten. Was geschah danach? Nach einer insgesamt realtiv angenehmen Busfahrt ohne den Schwebezustand zwischen Nähe zum peruanischen Volk und dem Boden der Tatsachen, und auch ohne "Hexenschuss" in einem viel zu kleinen Combi, in dem man sich verrenken muss, um sich nicht die ganze Zeit den Kopf oder sonstiges zu stoßen, kam ich zurück in die Wohung und kurze Zeit später gesellte sich Phia zu mir. Phia ist gestern in "meiner alten Wohnung" angekommen und ebenfalls eine weltwärts-Freiwillige, jedoch einer anderen Organisation. Bereits zweimal habe ich sie übrigens zum Fitnessstudio geschleppt. Sie musste schließlich unbedingt Jorge (eigentlich "George") kennen lernen.

Gestern habe ich übrigens nicht nur Bekanntschaft mit Phia geschlossen, sondern auch mit einer Kakerlake. Genauer gesagt, ich habe sie gesehen und da ich diese Tierchen hier bisher nicht zu Gesicht bekommen habe, halte ich das Event für erwähnenswert. Ich vermute, dass sie ein kleines Sonnenbad genießen wollte, denn -liebe Leute- der Sommer kommt! Es wird stetig wärmer in Lima und die Sonne traut sich dann und wann, die dichte Wolkendecke zu durchbrechen!

Ebenfalls erwähnenswert finde ich, dass es vor kurzem eine "Reunión" des Lehrerkollegiums in der Schule gab. Der offizielle Grund war der Geburtstag der Lehrerin Elizabeth. Ich weiß nicht, ob nur mir aufgefallen ist, dass so gut wie alle anwesend waren, abgesehen von Elizabeth... . Zudem gab es zwar ein gemeinsames Mittagsessen (wie so oft bestand es aus Suppe - ich finde es immer noch ein Unding, Spaghetti in ein Suppe zu tun, das verleitet zu sehr zum Schlürfen), jedoch wurde die ganze Zeit nur über das anstehende Schulfest im Oktober gesprochen und der Druck auf Eva und mich, eine Choreographie mit einigen Schülern vorzuführen, wurde deutlich erhöht.

Wenn ihr eine blendende Idee habt, welches deutsche Pop-Lied sich dafür eignet - immer her mit den Ratschlägen. Zur Not wird es "Schnappi" - also bitte bessere Vorschläge einreichen, nicht dass die Peruaner einen falschen Eindruck bekommen. ;)

Heute hat sich in einem Gespräch mit der "directora" heraus gestellt, dass Eva und ich den kommenden Freitag frei nehmen können, um Musik zu finden, diese abspiel tauglich zu machen und am Tanzen zu arbeiten. Danach wird allerdings hart geprobt, sodass unser "heimlicher" Plan, jeden Freitag frei zu haben, vorerst nicht in die Tat umgesetzt werden kann und wir uns dadurch sehr viel Zusatzarbeit aufgehalst haben. Kommt Zeit, kommt Rat... .

Ansonsten gibt es von der "Schul-Front" keine Neuigkeiten zu berichten. Ich fand es ziemlich lustig, als ein Schüler während des Fußballspiels in der Pause unfreiwillig seinen Schuh auf das Wellblechdach eines Klassenzimmers katapultierte. Er hat den Schuh natürlich wieder bekommen, sonst wäre es nicht zum Lachen gewesen.

Falls ihr euch fragt, ob ich es endlich "geschafft" habe, ins Kino zu gehen (einige Male habe ich von solchen Plänen geschrieben, jedoch nicht davon, dass sie in die Tat umgesetzt wurden) - Ja, noch am Sonntag, den 11. September haben Lucero, Eva und ich uns getroffen und haben den Film "Loco, Estúpido, Amor" auf Englisch mit spanischen Untertiteln gesehen. Viele Filme, auch die im Fernsehen, werden in englischer Sprache mit Untertiteln gezeigt. (Da wundert es mich etwas, dass das Englisch der meisten Peruaner so schwer zu verstehen ist, denn eigentlich müssten sie an das britische/US-amerikanische Englisch gewöhnt sein.)Spanischsprachige Filme gibt es jedoch auch.

 

11. September 2011

 

¡Viva el Perú...Carajo!

So drückte es mal eine gewisse bekannte Person aus, wer das war muss ich nochmal recherchieren, aber ich verstehe mehr und mehr, was hinter dieser Aussage steckt. Peru hat unglaublich viel zu bieten, mit jedem Tag gewöhne ich mich mehr an das Leben hier, einiges ist schon zur Routine geworden, anderes stellt für mich neue Herausforderungen dar und Verblüffungen bleiben nicht aus. Als ich z.B. heute mit dem Bus vom Megaplaza nach Hause fuhr, blieb der Bus irgendwann einfach auf der Straße stehen, der Busfahrer stieg aus, der Motor lief weiter, nach fünf Minuten kam der Fahrer schließlich zurück. Die Fahrt konnte weiter gehen, jedoch nur für kurze Zeit. Auf einmal flüchtete der Fahrer aus dem Bus (scheinbar vor der Polizei), bald ging es aber wieder weiter. All das verwirrte mich irgendwie. Zudem kamen wir an einer Baustelle vorbei, an der nur noch eine Spur vorbei führte - diese war sowohl für unsere Fahrtrichtung, als auch für den Gegenverkehr geöffnet, sodass die Fahrzeuge von vorher sechs Spuren auf eine einzige Spur geleitet wurden und selbstsändig managen sollten, wann wer fährt. In solchen Momenten kann man entweder genervt reagieren, da eine kurze Strecke sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, oder man reagiert mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Gedanken "Así es Perú" ("Das ist Peru"). Ich habe für mich heraus gefunden, dass das Lächeln die wesentlich bessere Variante ist und einem gleichzeitig nette Gespräche mit Peruanern bescheren kann, die das Lächeln sehen, erwiedern und unter Umständen genau das sagen: "Así es Perú." Allerdings funktioniert die Lächelvariante natürlich nur, wenn es einem grundsätzlich gut geht (man nicht durch fiese Krankheiten, Räuber oder sonstige böse Geister gestört wird). Aktuell geht es mir hier gut. Ich glaube, Peru war die richtige Wahl für mein weltwärts-Jahr und wenn ich heute schon zurück nach Deutschland fliegen müsste - ich würde Peru sicherlich bereits vermissen. Mein derzeitiges Gefühl ist: Mit jedem Tag geht es mir hier besser. In wenigen Momenten kann es wiederum passieren, dass ich dieses Land aus irgendwelchen Gründen und Unannehmlichkeiten verfluche - aber genau das bedeutet "Carajo". Peru ist super, Peru ist schwierig.

Einen Riesenfaktor hierzu stellen selbstverständlich die Peruaner dar. Vielleicht auch die Sprache. Als ich heute beim "Bembos" (peruanischer McDonald) Hamburger bestellen wollte, fragte mich die Kassiererin: "Nombre?" Ich wusste nicht, warum sie ausgerechnet meinen Namen wissen wollte, zögerte dadurch zunächst, sagte ihr aber schließlich: "Jana". Das wurde von ihr jedoch komplett übergangen und als hätte ich sie nicht verstanden meinte sie: "My name is.." . Vermutlich liegt es daran, dass mein Name so ungewohnt für die Peruaner ist. Bei der nächsten Bestellung werde ich mich anders nennen, eventuell "Diana" oder "María", damit wäre ich auf der sicheren Seite und welche Bembos-Kassiererin muss schon meinen richtigen Namen wissen? Hauptsache ich bekomme meine Hamburger. ;)

Auch könnte für euch interessant sein, dass ich gefühlte 10 Minuten auf eine Kugel Eis ("Coco Chip" - Stracciatella) warten musste, weil ich zunächst in der falschen Schlange anstand, dann zu einer nächsten Schlange geschickt wurde, um das Eis im Voraus zu bezahlen und letztlich wieder am Ausgangspunkt anstehen musste, um dann doch noch die Kugel Eis abzuholen.

Weiterhin gibt es eine Premiere zu verzeichnen: Ich bin zum ersten Mal zu spät zu einer Geburtstagsfeier erschienen, war trotzdem der erste Gast und bin nach einer halben Stunde wieder nach Hause gegangen, um erst später wieder dort zu erscheinen. Auf der Einladung stand, man sollte um exakt 9pm dort sein, um 21.20 Uhr war ich dort, gegen 21.50 Uhr verließ ich die "Party", um eine Stunde später fest zu stellen, dass noch immer nicht alle Gäste anwesend waren. Während der Party fand ich es amüsant, dass sich zwei Gäste darüber stritten, ob ich Rum trinken sollte, oder nicht. Wie gut, dass man mich selbst entscheiden lässt... . Weniger amüsant fand ich, dass das richtige Essen erst um 2.30 Uhr serviert wurde (ich war vorher schon hungrig) und noch weniger gefiel mir ein äußerst komischer, ca. 40 Jahre alter Typ, der mich mit seinem Tanzen sehr an das "Balzverhalten" (ich berichtete) erinnerte und der mich irgendwann zum Tanzen aufforderte. Einmal ging ich mit, als er mich nach gefühlten 10 Sekunden nach meiner Handynummer fragte, konnte ich das Ende des Liedes kaum erwarten und als er ein zweites Mal mit mir tanzen wollte, ließ ich ihn einfach abblitzen und meinte, ich müsste noch unbedingt in diesem Moment mein Erdbeercocktail austrinken. Netterweise bemerkten meine Tischnachbarn, dass ich partout nicht wieder mit ihm tanzen wollte und bestärkten mich darin, dass dieses Getränk unbedingt jetzt getrunken werden müsste.

Am Rande sei bemerkt, dass ich erfolglos nach nur einem einzigen nichtalkoholischen Getränk Ausschau gehalten habe!

Da wundert es nicht, wenn gleich zu Anfang (nach einem ordentlichen Alkoholmix) die Stimmung bei 80er Liedern (Abba, YMCA und Co) steigt, die Ansätze von Striptease in einem streng katholischen Land zu erkennen sind und eine Polonaise nach der anderen seine Bahnen macht. Auch der "Tanz aus Arequipa" gegen Ende meiner Zeit dort war sehr stimmungsvoll (zwei Personenkreise, die sich zur Mitte und wieder auseinander bewegen).

Weniger stimmungsvoll fand ich meinen Abgang. Eva und ich wollten auf jeden Fall zu Fuß nach Hause gehen, da wir keine 5 Minuten zur Wohnung gebraucht hätten und den Weg gut kannten. Alle anderen hielten das allerdings für eine schlechte Idee und riefen uns ein Taxi. Der kürzeste Weg zu Fuß wäre der über den "Boulevard" gewesen, der sich durch Discos, Bars, Restaurants und Betrunkene auszeichnet, den wir aber bereits zuvor im Dunkeln gut überqueren konnten. Das Gegenargument war die Gefährlichkeit dort. Also schlug ich vor, Eva und ich könnten auch eine von zwei anderen Straßen nehmen, die wir kannten. Das wäre noch schlimmer, meinte ein Peruaner. Diese Straßen wären wie ausgestorben um diese Uhrzeit. Somit ergab sich ein weiterer Rekord: Die kürzeste Strecke, die ich in einem Taxi zurück gelegt habe. Ich sage jetzt: "Gute Nacht", ihr sagt hoffentlich "guten Morgen". :)

P.S. Sofern ihr deutscher Staatsbürger seid, herzlichen Glückwunsch und passt bitte auf, dass ihr euch diese Staatsbürgerschaft niemals aberkennen lasst - unsere Vermieterin hat einmal ihre deutsche gegen die peruanische Nationalität getauscht und erst jetzt, nach jahrzehntelangem Streit, die deutsche Staatsbürgerschaft wieder anerkannt bekommen. Hier in Peru wird mir oft deutlich, welche Privilegien wir genießen, zum einen was die Einreise in andere Länder betrifft (es kann für einen Peruaner unglaublich schwierig sein, ein Visum für nur wenige Wochen in Deutschland zu erhalten), zum anderen was den Lebensstandard allgemein und beispielsweise Gehälter betrifft.

 

9. September

 

Gestern konnte ich endlich wieder Geld vom Automaten abheben und direkt danach wurde der Mietvertrag bis zum 10. August 2012 unterschrieben. (Ich bin schon seit einem Monat hier, in spätestens elf Monaten wieder zu Hause!)

Zudem wurde lecker (und etwas teurer) in einem Restaurant für nord-peruanische Speisen gegessen. So habe ich, neben frittierten Meeresfrüchten, die ich bereits kannte, zum ersten Mal Tacu-Tacu, Reis mit Bohnen/Linsen gemixt, gekostet.

Heute ging es dann nach drei Tagen Abwesenheit wieder in die Schule. Wie scheinbar jeden Freitag las ich die ersten zwei Stunden, anschließend gab es die Pause und daraufhin fand ich mich mit Eva im Büro der Direktorin wieder. Eigentlich wollten wir nur wissen, ob es ab Weihnachten Schulferien geben würde, da wir wahrscheinlich mit unserem Mitbewohner Percy seine Familie in der nördlicheren Stadt Chiclayo besuchen werden. Die Direktorin machte uns einen Mate de Coca (als sie mich das fünfte Taschentuch (bzw Toilettenpapier, da Taschentücher hier teuer sind) zücken sah) und mit ihr sowie dem Lehrer Christian besprachen wir schließlich auch, dass Eva und ich ab Oktober von Montag bis Donnerstag von 13.30 Uhr bis 15 Uhr im Wechsel Tanzen und Computación an den richtigen PCs für die älteren Schüler anbieten werden. Die "directora" war ganz begeistert von unserer Initiative und sofort Feuer und Flamme, dass alles schnell organisiert werden sollte und plante direkt eine Choreographie, die Eva und ich mit den Schülern einstudieren sollen, für ein Fest am 14. Oktober ein. Ob wir bis dahin etwas auf die Beine stellen werden, sehe ich als sehr fragwürdig, aber vielleicht kann es ja tatsächlich mit viel gutem Willen und dem der Kinder funktionieren.

Nach diesem Gespräch unterhielten wir uns noch ausgeprägt mit Christian über die peruanische und lateinamerikanische Tanzkultur und warum diese so ist, wie sie ist. Christian ist der Auffassung, dass sie dem Balzverhalten mancher Tiere ähnlich ist, einige Tänze ihre Wurzeln jedoch auch in der Inkahistorie haben oder der Arbeit einfacher Bauern. Deren Bewegungen bei Feldarbeiten zum Beispiel kann in manchen Tänzen wiedergefunden werden.

Zudem hat sich heraus gestellt, dass er ein Gegner von genmanipulierten Lebensmitteln ist. Der Lehrer macht auf mich einen sehr netten und aufgeschlossenen sowie informierten Eindruck. 

Nach der "Arbeit" wurde beim "Pro" in einem günstigen Stammrestaurant für 5 Soles gegessen. Die Vorspeise war köstlich! "Croquetas de Yuca" - sehr empfehlenswert, ungefähr so wie "Papa rellena". Bei den Croquetas hat es sich um einen Maniok-Käse-Mix gehandelt, der frittiert wurde und viel "weicher" als sonstiges Maniok geschmeckt hat.

Eine kleine Niederlage hat mein Tag leider aber doch noch zu verzeichnen gehabt:

Seit einiger Zeit hatte ich vor, eine Banane auf einem Markt zu kaufen (bisher habe ich fast ausschließlich beim Supermarkt "Metro" eingekauft). Mit dem Wissen, dass drei Bananen niemals mehr als 50 Centimos kosten sollten, habe ich mich an den ersten Stand begeben. Dort sollte eine Banane 30 Centimos kosten - überteuert also. Bei den nächsten Ständen wurden die Früchte aber überhaupt nicht als einzelne Stücke verkauft, sondern nur als ganze Staude. Das nächste Mal also doch wieder Metro... .

Interessiert euch meine Planung für das Wochenende?

Heute Abend hätte ich mal wieder zu einer Party in Miraflores fahren können, dazu hatte ich aber keine Lust und somit ist der nächste Termin eine Feier zum 50. Geburtstag einer Lehrerin der Schule. Diese findet morgen Abend statt, "pünktlich um 9pm" (also um 10pm?). Sonntag werde ich wohl mit Eva, Lucero aus dem Fitnessstudio und evt. weiteren Mädels ins Kino Pascana fahren. Mal sehen, ob der Plan aufgehen wird. ;)

 

7. September

 

Im Laufe der letzten Nacht ist der peruanische Mitbewohner Percy wieder von seiner Arbeit in der Nähe der Andenstadt Huaraz zurück gekommen und da ich noch immer krank bin und Eva heute ebenfalls nicht zur Arbeit gegangen ist, ist hier Full House, alle sind in der kleinen Wohnung anzutreffen.

Eine Beschreibung der neuen Wohnung: Sie liegt über dem "Kinderland", eine Institution für Kinder bis zum Alter von 3 Jahren, die hier insbesondere laut Lieder (deutsche Kinderlinder ins Spanische übersetzt) hören, dazu klatschen/trommeln etc. Dieses Geräusch beginnt ab ca. 8.30 Uhr. Von den Nachbarhäusern ist zweitweise Baustellenlärm zu hören (von meinem Fenster aus sehe ich auf Backsteinwände aus denen Stäbe nach oben zeigen, welche für das Bauen einer zusätzlichen Etage gedacht sind - ein sehr typisches Bild in Peru) und irgendwann vormittags klingt eine Schulpausenglocke und Kindergeschrei. Zudem bleibt zu erwähnen, dass die Wände sehr dünn sind und meine Zimmertür nur dem Sichtschutz, jedoch nicht der Verminderung von Geräuschen dient. Jedes Wort im Wohnzimmer kann ich klar und deutlich hören. Die Farbe meiner Zimmerwände erinnert übrigens erneut an Minnesota. Blau sind die Wände hier, blau waren die Wände meines Zimmers dort. Der Rest der Wohnung ist ebenfalls farbenfroh gestrichen - gelb, grün, pink, weiß - alles Farben der Wände. Der Boden erinnert mich an Beton/Stein und dämpft nicht gerade die Lautstärke in den Räumen. Das Bad ist wesentlich größer als die Bäder in der ersten Wohnung, Wohnzimmer/Küche etc. sind jedoch deutlich kleiner. Mit der Größe meines persönlichen Quartiers bin ich ganz zufrieden, ich habe zwar ein sehr viel kleineres Zimmer als Eva erwischt, aber dadurch wirkt es bereits bewohnbarer/heimeliger, jedenfalls meiner Meinung nach. Zudem brauche ich für meine eher wenigen Sachen gar nicht so viel Platz.

Ich weiß nun übrigens auch endlich die Adresse und die Postanschrift! Wenn sie euch interessieren, meldet euch bitte bei mir und ich werde sie euch zukommen lassen!

 

6. September

 

Der Umzug ist vollsteckt, Jana liegt im Bett. Das ist der aktuelle Status von mir. Bis auf eine Ausnahme, als ich mich zum Supermarkt schleppen musste, da ich nichts Essbares mehr in meinen Vorräten fand, habe ich das Haus heute nicht verlassen, weder für die Arbeit, noch für das Tanzen oder eine geplante Sightseeing-Tour im zentraleren Lima mit anderen Frewilligen. Selbst als ich mich hustend und schniefend über die Straßen gekämpft habe, mit Schlabberpulli und vermutlich sehr "fertig" aussehend (jedenfalls habe ich mich so gefühlt), wurde mir dauern hinterher gepfiffen. Das kann es doch wirklich nicht sein... . Zudem konnte ich mir noch immer keinen Tee kochen, da der Herd noch nicht angeschlossen war.

So langsam frage ich mich wirklich nach dem Sinn, dauernd krank im Bett zu liegen. Weder ich habe etwas davon, noch die Leute im Projekt, noch die Leute meiner Organisation und Steuergelder werden "zum Fenster raus geworfen". Irgendwie muss sich das bald ändern.. .

 

5. September

 

Langsam scheint mir, als waere ich hier oefter krank als gesund. Heiser auf Grund einer Erkaeltung macht das Unterrichten wirklich keinen Spass und ich merke, dass ich ungeduldiger mit den Schuelern bin. Eine Ueberraschung als ich von der Arbeit nach Hause kam: Saemtliche Lebensmittel aus dem Kuehlschrank lagen verstreut in der Kueche herum. Der Kuehlschrank fehlte. Als ich mir einen Tee kochen wollte, merkte ich dass der Herd fehlte. Als ich mir ein Broetchen schmieren wollte, merkte ich dass das Besteck fehlte. Ich glaube, der Umzug steht vor der Tuer!

 

4. September

 

Da im Verlaufe des Tages nicht viel geschehen ist, an dieser Stelle nur ein kurzer Eintrag:

Heute waren Eva und ich mit Lucero vom "Baile con Jorge" im Mega Plaza und Lucero hat uns saemtliches peruanisches Essen gezeigt und erklaert. Selbst probiert habe ich "Leche asada", mit Zucker und Vanille gemischte Milch, die im Ofen gebacken wird.

Zuvor war ich noch einkaufen und wollte eigentlich Geld abheben, aber der Automat ist defekt...mit 20 Soles (ca. 5 Euro) sollte ich aber noch einige Tage ueber die Runden kommen... . Zudem finde ich es interessant, dass ich seit gestern einen leichten Sonnenbrand im Gesicht spuere - da verzieht sich die Wolkendecke mal fuer wenige Stunden und schon bekomme ich die hohe UV-Strahlung zu spueren. Zeitgleich mit Halsschmerzen. Super Kombination. ;) 

 

3. September

 

Bisher scheint das Wochenende zu verfliegen, obwohl sich natuerlich der ein oder andere Plan kurzfristig geaendert hat. Die Party gestern fand nicht wie gedacht in Miraflores, sondern im Nachbarstadtteil Surquillo statt. Geschlafen haben Eva und ich dann auch nicht bei den anderen Freiwilligen in Miraflores, sondern sind nachts direkt zu Marina nach La Molina gefahren (dank eines anderen Partygaengers, der mit uns im Taxi in die gleiche Nachbarschaft gefahren ist, haben wir uns nicht verirrt - bis sich heraus stellte, dass die "Calle Cuba" nicht den zentralamerikanischen Strassennamen, sondern Namen wie "Buenos Aires" oder "Bogota" zugeordnet war, aber das ist ein anderes Thema) und haben uns mit ihr und einem Kueken, um welches sie sich zukuenftig kuemmern moechte, zu dritt (viert) ein Bett geteilt (ich freue mich darauf, in der kommenden Nacht wieder ausgestreckt schlafen zu koennen). Nach einem guten Fruehstueck sind wir zu ihrer Universitaet gefahren und haben ihr Team (die Leute ihres Jahrgangs ihres Studienfachs) bei einem Spass-Wettbewerb unter Studenten angefeuert. Nachdem wir ein Mittagessen bei ihr zu Hause einnahmen, besichtigten wir noch "Jockey Plaza" am "Javier Prado", einer langen Hauptverkehrsstrasse in Lima. Auch hier kann man fuer kurze Zeit vergessen, in einem Entwicklungsland zu sein, insbesondere als wir uns ploetzlich in einem Kosmetikladen wieder fanden. Eine Verkaeuferin bot uns eine Analyse unserer Haut und eine anschliessende Gesichtsmaske an, wozu Marina nicht "Nein" sagen konnte und Eva und ich uns schliesslich anschlossen. Den Rueckweg im "Chino" (ein bestimmter blauer Bus) empfand ich nicht als angenehm, da ein aufdringlicher Peruaner zunaechst mir auf die Nerven ging und als ich ihn abwimmeln konnte, Eva mit Fragen ausquetschte. Noch unangenehmer kam es aber im anschliessenden Bus - hier befand ich mich in der Schwebe zwischen einer unglaublichen Naehe zu den Peruanern und dem Boden der Tatsachen, wie Eva es ausdrueckte. Der Bus war voll. Voll ist kein Wort. Eigentlich passten keine Passagiere mehr hinein, irgendwie aber dann doch, sodass ich mich beim Fahren mitten in der Tuer befand. Das Schlechte: Die Masse im Bus drueckte mich nach aussen. Das Gute: Ich fiel nicht auf die Strasse, da hinter mir noch der Geldeinsammler stand und der mich wiederum in den Bus drueckte. Irgendwann waren wir am Ziel und heilfroh, zwischendurch nicht komplett auf dem Boden der Tatsachen, dem Asphalt/der Erde, angekommen zu sein.

 

Wenn es euch interessiert:

Ich habe ein Youtube-Video unter "Videos" (Rubrik "Fotos") verlinkt, welches ein Lied abspielt, dass ich hier dauernd rauf und runter hoere..viel Spass beim Teilen der musikalischen Toene...

Ebenfalls zum Thema Musik auf Partys:

Inzwischen erkenne ich das ein oder andere Lied wieder, welches waehrend Fiestas gespielt wird und beginne gut einschaetzen zu koennen, bei welchen Liedern man sich am Besten von saemtlichen moeglichen Tanzpartnern entfernen sollte, insbesondere beim Reguetón, da man ansonsten Gefahr laeuft, sich wie unter wild gewordenen Affen zu befinden..das war nicht nett ausgedrueckt, aber so sehe ich das manchmal tatsaechlich. Empfehlung: Es selbst erleben (oder eben besser nicht). ;)

 

Zum Schluss faellt mir noch etwas (meiner Meinung nach) Kurioses ein:

Als ich gestern im Bus in Comas sass, entdeckte ich unter den Schwarzschoepfen der ("meisten", keine Verallgemeinerungen..) Peruaner, einen rot-blonden Schopf. Ein junger Mann, gross und mit heller Haut, rosa Wangen und hellem Haar ueberquerte im Verkehrstumult die Strasse und ich dachte allen Ernstes: "Was will so jemand in Comas? Was macht der hier? Der sieht nicht so aus, als wuerde er hierher gehoeren!"

Und dann fiel mir erst ein, dass ich ja auch "so" aussehe und dass ich hier eine Aufgabe habe, in gewisser Weise also hierher gehoere. Jetzt weiss ich, was viele Peruaner (vor allem in Comas) denken muessen, wenn sie mich sehen...

...kurios.

 

2. September

 

Die Langeweile in der Schule ist zurück gekehrt, jedoch ließ sich der heutige Tag, der nur aus Freistunden bestand, mit einem Buch gut über die Runden bringen. Eva und ich planen, nach einiger Zeit eventuell mit der Direktorin zu vereinbaren, dass wir freitags gar nicht "arbeiten" müssen, dafür aber an zwei Tagen in der Woche länger in der Schule bleiben um nachmittags Angebote für die Schüler zu schaffen. Das wäre sicherlich sinnvoller, als nur seine Zeit abzusitzen.

Abgesehen vom Thema "Schule" gibt es wenig Neuigkeiten. Vielleicht interessiert euch die Kriminalität im Lande? Innerhalb der letzten zwei Wochen ist einer Mitbewohnerin von mir, ebenfalls weltwärts-Freiwillige, einmal ihr Handy aus der Hand geschlagen worden, gestern wurde ihr dann die ganze Tasche samt Geld und Kontokarte in unserer kleinen Pasaje, nicht weit vom Haus entfernt, gestohlen. Nach der Sperrung des Kontos musste sie zur Polizei um den Fall protokolieren zu lassen - bitte drückt mir die Daumen, dass mir eine solche Situation erspart bleiben wird!

Zum Schlüsselproblem von Eva und mir: Eva und ich teilen uns zur Zeit (maximal bis zum Umzug, der bereits in drei Tagen stattfinden soll) drei Schlüssel - einen für Tor, einen für Haustür und einen für die Zimmertür. Das ist an sich kein größeres Problem, abgesehen davon, dass wir recht abhängig von einander sind. Das Hauptproblem besteht darin, dass wir bereits zweimal unsere Vermieter aus dem Bett klingeln mussten, da der Riegel der Haustür von innen vorgeschoben war, sodass uns ein Schlüssel zum Reinkommen auch nicht nützte. Hoffentlich reicht es den Vermietern, zweimal durch uns geweckt worden zu sein und sie lassen es dieses Wochenende nicht auf ein drittes Mal ankommen, denn es stehen einige Pläne an.

Heute Abend wird wohl eine Party in Miraflores steigen, anschließend ist geplant, bei zwei Freiwilligen dort zu übernachten. Morgen soll es an eine Universität in La Molina, ebenfalls ein Stadtteil von Lima, gehen, da auch dort gefeiert wird und am Sonntag steht eine Verabredung mit drei Mädels aus dem Fitnessstudio an, vermutlich werden wir ins Kino gehen.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Achja, ich muss euch noch eine Entdeckung mitteilen: Zum Nachtisch des heutigen Mittagessens bei einem "Chifa" (chinesisches Essen) gab es einen Churro (er hat ausgesehen und geschmeckt wie ein langes, nicht rundes "Quarkbällchen" mit einer zimtigen, flüssigen Füllung) von einem Straßenhändler - umgerechnet weniger als zehn (€) ct und total lecker...ich werde Stammkundin!

Lima von oben
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