Oktober 2011

31. Oktober 2011

 

Heute ist Halloween und tatsächlich wird es auch von einigen Kindern/Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Peru (jedenfalls in Lima) gefeiert. Neben Weihnachtsdekoration fand man in letzter Zeit auch Halloween-Artikel im Supermarkt zu kaufen.

(Apropos Weihnachtsdekoration: Seit einer Woche ist der Metro-Supermarkt bereits mit Sternen geschmückt!)

Das abendliche Programm hätte heute eine Halloween-Party sein können, allerdings ist heute auch der Tag der Criolla (Musik). Somit möchte ich eher an diesem Event teilnehmen.

 

Die letzten zwei Tage verbrachte ich mit Birte und Eva in Lunahuaná. Am Freitag reisten wir los und stellten in Lunahuaná schnell fest, dass es dort kaum etwas zu unternehmen gab. Lunahuaná ist ein Ort in den Andenausläufen, umringt von den "Staubhügeln", am Rande eines Flusses und in der Umgebung von Weinanbau, Zuckerrohr und Feldern mit kleinen Äpfeln gelegen. Nur für den peruanischen Tourismus, für nach Ruhe suchenden Limenos oder solchen mit Kindern oder solche, die sich in Sportarten wie Klettern, Mountainbiking, Wasser-Rafting oder dem Fahren von Quads (Minimotos) ausprobieren wollen, geschaffen, versprach er zwar etwas Urlaubsfeeling, aber nicht mehr, sodass wir bereits einen Tag später zurück nach Lima fuhren.

Während unseres Aufenthaltes aber suchten wir uns eine von unzähligen Wasser-Rafting-Agenturen aus, handelten den Preis für eine Stunde etwas runter und erlebten eine ganz nette Rafting-Tour, die für meinen Geschmack aber etwas zu kurz war und durch mehr Stromschnellen hätte gekennzeichnet sein können.

Zudem machten wir kurz Bekanntschaft mit einer Gruppe Kolumbianer, die uns fragten, was "Cremolada" sei, welches wir bestellen wollten. Zunächst dachte ich, sie wollten sich einen Scherz auf Grund unseres schlechten Spanisch erlauben, doch schnell stellte sich heraus, dass sie das Wort "Cremolada" tatsächlich nicht in Kolumbien kannten. So viel zu den unterschiedlichen Spanischausprägungen in unterschiedlichen Ländern und Regionen.

(Cremolada ist übrigens gefrorener Fruchtsaft, eine Alternative zu Speiseeis oder gekühltem "Jugo" (Saft).)

Für die Nacht quatierten wir uns in einem Hostel ein, welches zunächst einen sauberen Eindruck machte, abends entdeckten wir allerdings Ohrenkneifer-Kakerlaken-Bettwanzen (genauer konnten die Tierchen nicht bestimmt werden) und Birte hatte am nächsten Morgen zwei merkwürdige Stiche/Bisse an ihren Beinen zu verzeichnen.

Das Kissen machte nachts übrigens den Eindruck eines Sandsackes, auch interessant.

Von den Insekten in Lunahuaná habe ich letztlich 23 gezählte Merkmale - Mückenstiche zurück nach Lima genommen. Ich freue mich schon auf die nächste geplante Wochenendtour im Dezember nach Pisco/Paracas und Ica.

 

28. Oktober 2011

 

Heute gab es ein relativ schweres Erdbeben (6.9 auf Skala) in der Region südlich von Ica. Auch in Lima habe ich während des Mittagessens bei einer Chifa (chinesisch-peruanisches Essen) ein leichtes Schaukeln/Ruckeln gemerkt. Eva schlug vor, raus zu laufen, aber da alle anderen Gäste im Restaurant einen sehr gelassenen Eindruck machten, keine Miene deutete daraufhin, dass sie das Beben überhaupt bemerkten, blieben auch wir entspannt sitzen.

Obwohl Ica in der Nähe von Lunahuaná liegt, wo ich die kommenden Tage verbringen werde, möchte ich euch bitten, euch keine Sorgen zu machen!

 

27. Oktober 2011

 

Falls euch die Reaktion der Schulleiterin bezüglich der Läuse interessiert: "Hier in der Schule haben alle Kinder Läuse" und "das ist die dritte Welt, Mädels" waren ihre Antworten. Dennoch war auch sie interessiert daran, das Kind zu identifizieren, um dessen Eltern Bescheid geben zu können.

Morgen werde ich übrigens doch nicht mit Phia im Heim helfen, sondern die Zeit anderweitig überbrücken. Mehr News gibt es bisher nicht.

 

26. Oktober 2011

 

Seitdem ich Läuse auf dem Kopf einer Schülerin entdeckt habe (Schildkröten sind nicht die einzigen Tierchen im Klassenzimmer), juckt es mich die ganze Zeit.. auch sonst wurde der Tag durch eher unerfreuliche Ereignisse geprägt. Obwohl mich meine Stimme seit gestern zeitweise auf Grund einer Erkältung komplett verlässt, musste ich mir heute die Kehle aus dem Hals schreien - sowohl vormittags, als auch nachmittags. Dabei wollte ich nie zu diesen rum schreienden, cholerischen Lehrer gehören! Dabei empfinde ich mich im Vergleich zu Eva und anderen Lehrern sogar noch sehr ruhig.

Eine äußerst interessante Methode, laute Kinder zum Schweigen zu bringen, scheint hier zu sein: Der Lehrer gibt ihnen ein Stück Brötchen und sie müssen es aufessen. Die Methode wirkt. Für wenige Sekunden. Danach sind alle wieder laut. Ich habe den Sinn also noch nicht ganz durch schaut und Brot als Strafe finde ich auch fragwürdig. Ich hätte mich über das Essen gefreut. ;)

Gestört hat mich auch, dass heute das Kind mit Down-Syndrom (glauben Eva und ich), das in der letzten Computacion-Stunde begonnen hat zu weinen, da es nicht wie die anderen ein Spiel spielen wollte, was es eigentlich hätte spielen können, gar nicht erst zum Unterricht erschienen ist und sich alleine auf dem Schulhof mit einem Ball beschäftigt hat. Diese Schule wird zwar gelobt, weil sie so besonders "inklusiv" wäre, allerdings sehe ich bisher nicht, in welcher Form die geistig behinderten Kinder tatsächlich integriert wären und gefördert würden. Sie werden "mitgeschleift" und wenn sie keine Lust haben, etwas zu tun (wozu sie in der Lage wären), haben die Lehrer auch keine Lust, sich damit auseinanderzusetzen und die Schüler dürfen tun und lassen was sie wollen. Dies führt folglich nicht dazu, dass sie sich zukünftig nach ihren Fähigkeiten anstrengen und mitarbeiten.

 

Wen interessiert meine Wochenendplanung? Mich. Euch auch? Dann weitergelesen..

..Freitag werde ich vermutlich bei Phia im Kinderheim helfen, zum einen aus reinem Interesse an ihrer Arbeit und dem Projekt, zum anderen da ich ein zweiwöchiges Praktikum für Ende Februar suche. Zu dieser Zeit hat die Schule nämlich geschlossen und ich möchte mir meinen Urlaub für Ende März/Anfang April aufheben.

Von Samstag bis Montag wird es mit Birte und Eva nach Lunahuaná zum Water-Rafting gehen und Dienstag mit Lucero auf einen Friedhof, um die Feiern mit den Toten zu Allerheiligen ("Dia de Todos los Santos") zu erleben.

 

24. Oktober 2011

 

Die Welt ist klein oder Von Schildkröten im Klassenzimmer

Am gestrigen Tag traf ich mich mit Mimi meines Abiturjahrgangs, denn sie unternimmt gerade mit einer Freundin eine Weltreise und befindet sich aktuell in Lima. Die Möglichkeit, uns auszutauschen, nahmen wir natürlich gerne war, wenn es auch bei näherem Nachdenken ein komisches Gefühl war, sich ausgerechnet am anderen Ende der Welt in einem Freizeitzentrum (LarComar) zu treffen und bei einem Saft ein Pläuschchen zu halten.

Nach dem Treffen spazierte ich mit Phia, die ebenfalls zum LarComar nach Miraflores fahren wollte, durch den Stadtteil Limas und schließlich zu einem Inca-Mercado (Inka-Markt), wo Souveniers angeboten werden. Als wir bereits auf dem Rückweg nach Comas waren, sämtliche Restaurants und Straßenstände nach Essen absuchend, sah ich in einem der kleinen Restaurants einen weiteren weltwärts-Freiwilligen meiner Entsendeorganisation, Juri, mit dem ich auch beispielsweise auf dem Vorbereitungsseminar in Deutschland und Peru war. Er hatte sich gerade ein Mittagessen gegönnt und wollte sich im Anschluss ebenfalls auf den Weg zum Markt machen. Welch Zufall, dass wir uns ausgerechnet in der Millionen-Metropole Lima über den Weg laufen! Bezüglich der Treffen mit Mimi und Juri kann wohl nur eines gesagt werden: "Die Welt ist klein"!

Während der Fahrt zurück nach Comas im Metropolitano gab es dann wieder einen eher störenden "Zwischenfall". Bei der Haltestelle im direkten Zentrum Limas meinte ein Fahrgast neben mir, ich müsste jetzt aussteigen. Das wäre das Zentrum. Ich meinte nur leicht verwirrt, dass ich wüsste, dass dies die zentrale Haltestelle war. Daraufhin schien er verwirrt und entschuldigte sich bei mir - er war davon ausgegangen, ich wollte ins Zentrum. Es ist auf dauer wirklich nervig, immer als Touristin abgestempelt zu werden. Ebenso nervig ist es, auf englisch angesprochen zu werden, weil niemand davon ausgeht, dass ich spanisch spreche. Dabei verstehe ich das Spanisch der meisten Peruaner wesentlich besser, als deren "Englisch". Abwertend finde ich auch Sprüche wie: "Barbie", "muñeca" (eigentlich "Puppe", aber auch "Süße") und Männer, die "Tz Tz Tz" oder "Sch Sch Sch" , etc machen, als ob sie dich wie ein Tier anlocken wollten. Gestern, als Phia und ich Obst für unsere späteren Bananen-Apfel-Pfannkuchen kaufen wollten, kamen wir an Männern vorbei, die sich auf der Straße liegend prügelten und beschimpften. Als wir an ihnen vorbei gehen wollten, taten sie dann so, als wäre nichts gewesen, machten dumme Sprüche, pfiffen uns hinterher und ich hätte wetten können, dass sie eine Sekunde später wieder auf der Straße lagen. Was den Obstkauf betraf, überkam mich übrigens etwas Schadenfreude, als wir den Preis für Bananen und Äpfel in einer Tienda erfragten, dieser uns zu hoch war und wir demnach zur nächsten Tienda gingen. Dort fiel der Preis etwas niedriger aus, sodass wir das dort angebotene Obst tatsächlich kaufen und als wir an der ersten Tienda vorbei gingen, sah ich wie der Blick der Verkäuferin geradewegs zu den Äpfeln in der Tüte meiner linken Hand wanderte. Es sollten nicht immer alle glauben, ich hätte keine Ahnung vom Leben hier. Ich habe zwar wirklich nicht viel Ahnung davon, aber ich lebe immerhin schon seit über zwei Monaten hier. Apropos: In neun Monaten werde ich bereits zurück in Deutschland sein! :)

 

Der heutige Schulvormittags zog sich wieder einmal in die Länge und mir kam einmal mehr der Gedanke, dass mir kostbare Lebenszeit verloren geht, alle mir begegneten Menschen (außer Eva und ich) schienen bester Laune zu sein und nachmittags wurde der Tag dann tatsächlich wieder spaßiger. Im neuen Englischunterricht ging es zeitweise darum, dass die Kinder, weniger als die Hälfte erschien tatsächlich, erste Sätze lernen sollten ("Wie heißt du?", "Wie alt bist du?", "Wo wohnst du?", ... samt Antworten). Als die Schulschildkröte sich aus ihrem Gärtchen vor dem Klassenzimmer wagte, wurde sie sofort von einer Schülerin geschnappt und sofort in unseren Unterricht einbezogen:

Die Kinder sollten der Schildkröte die neu erlernten Fragen stellen und ein Schüler antwortete an Stelle dieser. In diesem Rahmen stellte sich heraus, dass die Schildkröte nach dem Namensvetter der Schule benannt ist - Vigotski (Vygotsky) heißt sie.

So macht Schule doch gleich viel mehr Spaß - auch für die Lehrer. ;)

Nach dem Tanzen mit den Kindern ging es für mich wieder einmal Bananen kaufen und nun warte ich auf das nächste Tanzen heute Abend.

 

22. Oktober 2011

 

Gestern Abend gab es mal wieder einen Ausflug bzgl. der Geburtstage von Lucero und Eva nach Miraflores - wieder einmal fiel mir der Unterschied zwischen Comas und diesem Lima stark auf. Tatsächlich bekamen wir bei einer Disko, die normalerweise 100 Soles Eintritt kostet, einen "Pase libre" (freien Eintritt) vom Türsteher geschenkt. Angeblich wird er uns auch zukünftig an Freitagen und Samstagen umsonst rein lassen. Da war es ein Vorteil für Lucero, mit uns "Gringas" unterwegs zu sein. Im Bus mussten wir allerdings einen relativ hohen Fahrpreis zahlen und dies geschah angeblich wegen der späten Uhrzeit, Lucero vermutet aber, dass es erneut an unserem Gringa-Dasein liegt. Während der Hinfahrt ist übrigens eine weitere "Gringa" eingestiegen und es stellte sich heraus, dass es eine französische Austauschstudentin an der "Cátolica" (eine der besten limenischen Universitäten) war. Irgendwie fand ich es lustig, mich mit ihr, die eigentlich französisch spricht, während ich eigentlich deutsch spreche, auf spanisch zu unterhalten und das in Peru, obwohl Deutschland und Frankreich, sich so nah und doch momentan so weit entfernt sind.

 

20. Oktober 2011

 

Neuigkeiten aus dem Projekt:

Das Englischangebot war eine reine Katastrophe. Jedenfalls waren das die Englischkenntnisse der Schüler. Diese waren nämlich nach sechs Jahren Schulunterricht so gut wie nicht vorhanden und schnell merkten Eva und ich, dass wir mit den Kindern bei Null anfangen müssen. Wenn man mitbekommt, dass der Englischlehrer den Schülern Bücher auf Englisch vorliest, die Kinder kein Wort verstehen (sie können selbst Grundlagen wie "My name is.." nicht) und der Lehrer anschließend auf Spanisch erklärt, was in der Geschichte passiert, man selbst mit den gleichen Kindern in einem staubigen Computerraum sitzt und sie teilweise mit Spielen beschäftigt, fragt man sich wirklich, wo der Sinn zu finden ist. Der Englischlehrer scheint etwas falsch zu machen, oder um es vorsichtiger zu formulieren - ich würde etwas anders machen, als er es scheinbar tut - und ich empfinde den Englischunterricht als wesentlich wichtiger im Vergleich zu Computación, jedenfalls im Vergleich zu Spielen am Minilaptop. Somit hat sich für Eva und mich ergeben, dass wir einem zuständigen Lehrer von unserer Bestürztheit über die mangelnden Sprachkenntnisse erzählt haben und den alten Plan, nachmittags Baile und weiterführende Computación anzubieten, über den Haufen geworfen haben. Priorität hat Englisch. Somit geben wir nun allen Schülern der sechsten Klassen nachmittags zusätzlichen Englischunterricht, müssen ganz von vorne mit ihnen beginnen und als Belohnung gibt es, wenn sie eifrig mitgearbeitet haben, eine halbe Stunde Tanzen oder Aktivitäten am PC zur Belohnung. Hoffentlich können Eva und ich wenigstens etwas bewegen und die Kinder auf dem Gebiet weiter bringen. Auch wenn hier in Peru vieles nicht auf Anhieb zu klappen scheint - ich bin sehr optimistisch, dass die Kinder von uns lernen werden - schlechter als ihr aktuelles Englisch ist, kann es nicht mehr werden!

Unter solchen Voraussetzungen, haben die Schüler dieser Schule doch überhaupt keine Möglichkeit, sich in einer globalisierten Welt zurecht zu finden. Da wundert es nicht, wenn mindestens 90 % von ihnen keinen Schulabschluss machen werden, insbesondere an keiner Universität studieren werden und stattdessen früh Kinder bekommen und sich Wasser und Brot als Mototaxifahrer oder Mercado-Stand-Besitzer verdienen (nicht, dass diese Jobs nicht wichtig wären, aber aus dieser "Schicht" scheint es schwer, auszubrechen).

 

Neuigkeiten aus dem Privat- und Sozialleben:

Heute ist Evas Geburtstag (Happy Birthday, Eva!) und für die vergangene Nacht habe ich mit drei anderen Freiwilligen eine kleine Überraschungsfeier organisiert. Verschiedene Bekannte von Eva wurden von uns eingeladen und haben sie um Mitternacht in unserer Wohnung überrascht. Mit Sekt wurde angestoßen, bei zwei "Schokokuchen" wurde sich unterhalten und nachdem die letzten Gäste 2.5 Stunden später wieder verschwunden oder bei uns in einem Bett untergekommen waren, konnten die restlichen vier Stunden Schlaf bis zum morgendlichen Aufstehen nachgeholt werden. Abends waren Eva, Phia und ich zur Feier des Tages "Hamburgesas" essen und morgen, nach morgendlichem Tanzen im Fitnessstudio (jedenfalls ist es geplant), werden wir Evas und Luceros vergangene Geburtstage feiern. Wie und wo ist die Frage. Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

19. Oktober 2011

 

Tatsächlich blieben Eva und ich heute zwei Stunden länger als üblich in der Schule und haben mit 16 Schülern der 6. Klassen getanzt. Das hat mir übrigens wesentlich mehr Spaß gemacht, als den PC-Unterricht vormittags zu überstehen, weil es interaktiver war.

Morgen werden wir Englisch anbieten.

 

18. Oktober 2011

 

Heute kamen endlich mal wieder alle Klassen zum Unterricht, nur die Nachmittagsaktivitäten fielen auf Grund von einem Fehler eines Lehreres aus, der die falschen Schüler (Baile statt Computación) zu uns schicken wollte. Da wir keine Musik dabei hatten, konnten wir für die Baile-Schüler kein Tanzen anbieten und die Eltern der anderen Schüler hätte sich Sorgen um ihre nicht nach Hause kommenden Kinder gemacht. Das übliche Chaos, aber man bleibt ja für die Zukunft (zb für den morgigen Tag) optimistisch.. . Zudem hätte ohnehin kein PC-Unterricht mit den richtigen Computern stattfinden können, da Eva und ich eine Fehlerquote von 75 % der Maschinen feststellen mussten. Mit nur drei funktionierenden Computern können kaum 12 Schüler ausreichend unterrichtet werden. Somit hätte es ein Alternativprogramm - English Conversation - gegeben.

 

Nachmittags haben Eva und ich uns auf in einen Park in Comas gemacht und kleine niedliche Baby Alpackas und Äffchen sowie viele Vogelarten in einem Mini-Zoo bewundert. Als wir weiter durch das staubige Grün schlenderten, entdeckten wir eine Menschengruppe und ein Kamerateam. Es stelle sich heraus, dass eine scheinbar recht bekannte Sängerin "Thaly Tapia" Filmaufnahmen von sich und zwei Tänzern machen ließ. Wir setzten uns für einige Minuten ins Gras, beobachteten das Treiben und Kinder, die sich Autogramme holten. Irgendwann kam dann ein Vater mit seiner Tochter im Alter von ein oder zwei Jahren auf uns zu, setzte sie neben mich (sie krabbelte mir halb auf den Schoß) und machte ein Foto von uns. Er fragte zwar zunöchst, ob das für uns in Ordnung wäre, unsere Antwort war "Warum??" und plötzlich gab es schon den Blitz der Kamera. So viel mal wieder zum Gringa-Dasein in diesem Land.

 

17. Oktober 2011

 

Ein gut gefülltes Wochenende liegt hinter mir. Im Strandhaus der Vermieter in Santa Rosa verbrachte ich einen entspannten Samstag mit gutem Essen, guten selbstgemachten Säften, kurzen Strandspaziergängen und einer abendlichen, etwas gefährlichen Klettertour auf einen der Wüstenhügel an der Küste, um von oben auf die Pazifikbrandung zu sehen und Vögel über den Weiten des Ozeanes und der Felsen zu beobachten. Während ich so auf einem Felsvorsprung saß, unter mir die wütenden Wellen und mein Blick den Horizont streifte, wurde mir bewusst, dass dies einer der Momente war, wegen der ich ein Jahr "weltwärts" gehen wollte.

Zum Schwimmen waren allerdings sowohl Wetter als auch Wasser zu kalt und an sich gehen die hiesigen Peruaner hauptsächlich zum "tomar el sol" ("Sonne trinken") an den Strand, die Furcht vor der Strömung des Humboldt-Stromes ist groß und das Meer wird auf Grund des letzten Tsunamis in Japan mit großem Respekt behandelt. Weiterhin gab es an dem Tag ein ganz leichtes Erdbeben, jedenfalls vermute ich, eines gespürt zu haben. Der Oktober soll hier übrigens "der" Monat der Erdbeben sein.

Am Sonntag fuhren wir in den nächsten Ort, nach Ancón, um dort an der Strandpromenade entlang zu spazieren und die unterschiedlichen Gebäude auf uns wirken zu lassen. Neben Hochhäusern mit Penthouse-Wohnungen finden sich dort auch "kleinere" Häuser (wie die in Santa Rosa) und einige im alten Kolonialstil, die mir am Besten gefallen haben. An sich ist Ancón eher exklusiv und teuer, die Oberschicht trifft sich im Sommer dort um am Strand zu liegen und überteurten Discos einen Besuch abzustatten. Sogar blonde Menschen habe ich dort zu Gesicht bekommen, was schon alles sagen sollte.. . Ein kurzzeitiges Andenken, einen leichten Sonnenbrand, habe ich zurück nach Lima gebracht und heute in der Schule haben mich viele Schüler gefragt, warum meine Haut so rot sei. Für sie ist dieser Anblick seltsam. Im gleichen Zug wurden Eva und ich dann auch gefragt, ob unsere Haarfarben eigentlich natürlich oder gefärbt sind. An sich war der Schultag wieder enttäuschend, da es niemanden zum Unterrichten gab. Morgen vielleicht??

Gestern fand übrigens auch noch das Oktoberfest statt. Ich weiß jetzt, was ich in Deutschland bisher nicht verpasst habe - das Oktoberfest! Nach meinem USA-Jahr und den vielen US-Amerikanern, die Bayern mit Deutschland gleichsetzen, konnte mich das Oktoberfest nicht erschüttern, aber die Deutschland- und EU-Flaggen passten meiner Meinung nach nicht ganz zur Veranstaltung. Nur die Bayern-Fahne durch die Halle zu tragen, wäre sinnvoller gewesen und die meisten gespielten Lieder kannte ich nicht, bzw. habe die Texte (dauf "deutsch") nicht verstanden. Nur Eva hat eifrig mitgesungen, beim ständigen "Prosit" mitgemacht und auf der Bierbank gestanden. Percy hat letztlich auch mitgemacht, Phia und ich sind etwas früher zurück gefahren. Das Positive am Oktoberfest war der Apfelstrudel einer deutschen Bäckerei, den ich mir gegönnt habe.

 

Nachtrag am Abend des 17. Oktobers:

Zunächst möchte ich ein Interview von Claudio Pizarro mit euch teilen:

http://www.radiobremen.de/sport/fussball/sportpizarro108.html

Ich habe es spontan im Internet gefunden und finde es witzig, die "andere Seite" der Medaille, den Wechsel von Peru nach Deutschland zu erlesen. Besonders interessant das Zitat: "...Ich darf nicht sofort, wenn ich in Peru ankomme, die einheimische Küche essen. Das Essen dort ist viel gewürzter und dann geht es mir sofort schlecht (lacht)." Vielleicht liegt mein zeitweises Unwohlbefinden auch an den Gewürzen hier in Peru.

 

Nun zu meiner zukünftigen Karriere. Ich werde groß raus kommen! Als Model werde ich groß auf einem Plakat über einer Hauptverkehrsstraße in Comas zu sehen sein.

Naja, nicht so ganz. Aber Phia, Eva und ich wurden heute von einem "Administrativen Menschen" im Gimnasio nach dem Baile con (na, baile con wem wohl??) Jorge gefragt, ob wir bei einem Fotoshooting für das Fitnessstudio modeln wollen. Die Bilder würden dann vermutlich im Gimnasio ausgehängt und auf Flyern etc. veröffentlicht werden (und es gibt ein großes Plakat an der Universitaria, das eventuell durch unser Erscheinungsbild ersetzt werden könnte - jedenfalls in der Theorie). Ich finde die Idee ganz witzig, insbesondere da es für mich nichts zu verlieren gibt und ich dann hier noch Monate später "hängen" könnte, während ich bereits in Deutschland sein werde. Bisher haben wir dem Fitnessstudiomenschen aber nur gesagt, dass wir mal über den Vorschlag nachdenken würden. In diesem Moment stand Jorge gerade bei uns und lachte den Admin-Menschen aus und gab ihm einen Klaps gegen den Kopf. War mal wieder eine ganz ulkige Situation.

Es ist nur etwas bitter, dass wir als Gringas, die erst seit 2 Monaten dort sind, vor anderen gefragt werden, die seit längerer Zeit und härter trainieren und auch eher einen Waschbrettbauch vorweisen könnten als wir. ;)

 

14. Oktober 2011

 

Kochen musste ich heute nicht- es gab das "typisch peruanische" Pachamanca (Huhn, Schwein, "normale" Kartoffel, "andere" Kartoffel (außen lila, innen stark gelb und insgesamt süßer und geschmacksintensiver als eine normale Kartoffel) sowie den hier typischen helleren Mais) im Zuge des Aniversarios für die Lehrer und ausgewählte Gäste einer Universität in der Nähe im Anschluss an die Festlichkeiten für die Öffentlichkeit. Die Feier sollte um 9 Uhr beginnen, um 11 Uhr waren alle noch immer in die Vorbereitungen und den Aufbau vertieft. Ich half beim Basteln von "Pases Personales", Kärtchen, die ich danach nicht wieder gesehen habe, und beim Zubereiten des Essens. Meine Aufgabe bestand darin, ein Gemüse zu schneiden, dass wie Zwiebeln in den Augen brennt. Somit bin ich insgesamt dreimal mit Tränen-verschleiertem-Blick über den Schulhof gelaufen, um mir die Hände zu waschen und die Tränen zu trocknen. Jedes Mal wurde ich ganz erschrocken angeschaut und gefragt, warum ich denn weinen würde. Das Wort "Cebolla" (Zwiebel) reichte aus, um für mitleidiges und wissendes Lächeln des Gegenüber zu sorgen.

Erfreulicherweise haben Eva und ich die Choreographie besser als gedacht über die Runde bringen können, das restliche Programm inklusive dem Kühren von im Klassenverband gewählten "Reinas" (Königinnen), vergleichbar mit einer Homecoming-Queen in den USA, und deren Tänzen sowie peruanischen und bolivianischen Tänzen war weniger spektaktulär. Etwas interessanter war tatsächlich das Pachamanca-Essen, da ich neben einem Professor der besagten Uni saß und dieser zunächst einen eher aufgeklärten Eindruck auf mich gemacht hat und sich mit mir über Politik, Wirtschaft und das Leben in Deutschland unterhaltenn wollte, sowie Probleme in Deutschland und Peru verglichen hat. Leider kam es irgendwann dann mal wieder zu dem Punkt, dass meine Augen angehimmelt wurden, ich gefragt wurde, ob ich einen festen Freund hätte, mir erzählt wurde, dass ich wie eine Blume wäre und er heute Nacht von mir träumen würde. Das war dann auch schnell das Ende der Konversation und obwohl mich keiner der Lehrer gehen lassen wollte, alle noch länger mit mir feiern wollten, sitze ich inzwischen wieder auf meinem Bett und schreibe diesen Bericht.

Ich frage mich zudem, warum alle mich zum Tanzen mit diesem Professor bewegen wollten, obwohl sie alle munkelten, dass er mich nerven/belästigen ("molestar") würde.

Heute Abend werden Eva und ich uns vielleicht mit Gusatvo, dem Englischlehrer, treffen. Morgen geht es dann mit Phia, Percy und unseren Vermietern in deren Strandhaus nach Santa Rosa und am Sonntag zum "Oktoberfest".

Glaubt aber nicht, dass ich mit unseren Vermietern sehr gut befreundet wäre - sie haben uns zwar in ihr Haus eingeladen, gleichzeitig aber 30 Soles für einen Tag dort (inklusive Essen) verlangt. Von 30 Soles könnte ich sechs Mahlzeiten bekommen - nur um euch den Wert ungefähr näher zu bringen.

Percy ist seit gestern übrigens wieder in der WG eingezogen, nachdem er in Huaraz war. Das merkt man zunächst am Aftershave, das in der Luft liegt, weiterhin an dem Aussehen des Badezimmers (ohne Wertung - sehr geschickt formuliert, was?) und an der unheimlich lauten Musik, die mich sowohl letzte Nacht am Schlafen hinderte, als auch in diesem Moment sogar die Musik vom Kinderland übertönt.

 

13. Oktober 2011

 

Glück im Unglück

Dass heute kein Unterricht statt fand, ist schon nicht mehr erwähnenswert. Das Scheitern der Tanz-Generalprobe aber vielleicht doch. Es war mit Schülern, Lehrerin und der Schulleiterin abgesprochen, dass Eva und ich um 12 Uhr mit den Kindern tanzen würden. Niemand hielt es für notwendig, uns zu erzählen, dass die Kinder um 12 Uhr bereits zu Hause sein würden - außer der Reihe. Somit entfiel die Probe vor dem Auftritt morgen.

Gewundert hat es mich nicht, gefreut auch nicht, allerdings hat es mir mehr Zeit für den Nachmittag verschafft, denn um 16 Uhr war ich bereits mit Chus beim Plaza San Miguel, ca. eine Stunde von meinem Wohnort entfernt, verabredet. Die Fahrten verliefen erstaunlicherweise ohne jegliches Problem und auch das Treffen an sich war ganz schön. Bei Kokos-Maracuya-Eis schlenderten wir durch das große Einkaufszentrum und ich war stolz festzustellen, dass ich ihn nach dem vorherigen Kennenlernen vor zwei Monaten schon wesentlich besser verstanden habe und auch selbst flüssiger mit ihm reden konnte. Fortschritt!

Rückschritt: Meine aktuell nicht vorhandene ausgewogene Ernährung.

Mein heutiges Frühstück: "Lomo-Brötchen" (Tienda-Brötchen mit Hühnchenfleisch und Pommes von einem Straßenhändler auf dem Weg zur Arbeit)

Mein heutiges Mittagessen: Zwei Maisbrötchen, zwei "normale" Brötchen

Mein heutiges Abendessen: Fünf Tienda-Brötchen

Snacks: Kokos-Maracuya-Eis, zwei mit Karamell bzw. einer Art "türkischem Honig" gefüllten Mini-Schokoladen aus Arequipa

* Tienda-Brötchen sind wie "normale" Brötchen, auch aus (Nord)Deutschland als "Krosse" bekannt, allerdings in fluffiger Ausführung und weniger sättigend, dafür nur halb so teuer wie Metro-Brötchen.

Morgen muss ich unbedingt wieder irgendwas kochen oder wenigstens ein Menú bestellen und etwas Obst kaufen!

Nun aber zur Überschrift - dem für mich wichtigsten Thema des Tages:

Ich wurde fast Opfer eines Diebstahles: In der Schule stellte ich einen Schnitt in meiner Tasche fest - ein sauberer, langer und tiefer Schnitt, der zwei Lagen Stoff durchtrennte.

Dieser Schnitt kann nur durch Absicht und auf dem Weg zur Arbeit in einem der zwei Busse, vermutlich im Combi während des zweiten Teils der Strecke, entstanden sein. Glücklicherweise schien der Dieb nicht mehr die Zeit gehabt zu haben, Geld o.ä. aus der Tasche zu entwenden. Ich brauche aber nun ein neues Mittel zur Beförderung von kleinen Gegenständen - um nicht "Tasche" wieder zu verwenden. Glück im Unglück.

 

12. Oktober 2011

 

Leider hat Peru das Spiel gegen Chile verloren und leider hat das Zubereiten von Mazamorra Morada auch nicht so gut funktioniert- das süßliche Etwas (aus der Tüte und somit ohne frische Früchte etc) war nicht ausreichend zähflüssig und hat scheinbar auch anders geschmeckt als es der Normalfall gewesen wäre. Dennoch war der gestrige Tag mit Lucero sehr nett und was das süßliche Gebräu betrifft, besteht die Idee, es in das peruanische Getränk Chicha Morada zu verwandeln. Normalerweise schmeckt mir Chicha Morada ganz gut, ich wage aber zu bezweifeln, dass mir dieser Chicha Morada ebenfalls schmecken wird. ;)

Gestern haben Eva und ich Lucero gefragt, ob sie uns während ihrer Semesterferien in den Norden (Chiclayo-Tarapoto) begleiten möchte und sie hat erstmal freudig zugestimmt. Mit Erlaubnis ihrer Eltern könnten wir also im Januar zusammen reisen. :)

 

Heute waren Eva und ich im Projekt voller Unmut darüber, dass wir erneut nichts zu tun hatten und keine Klasse zum Unterricht bei uns erschienen ist. Gegen 9.30 Uhr warfen wir spontan einen Blick auf den Schulhof und stellten fest, dass sämtliche Schüler, Lehrer, Schulangestellte auf dem Weg durch die Pforte waren. Kein Wunder also, dass niemand zu uns in den Raum kam...somit schlossen wir uns dem Trupp an und fragten eine der (zu vielen) Angestellten (von denen die Hälfte den Arbeitstag am Rande des Schulhofes mit Schlafen zubringt - da könnte man Personalkosten sparen und für Sinnvolleres einsetzen), was es mit dem Marsch samt bunter Plakate (an eine Demonstration erinnernd) auf sich hätte. Diese erklärte uns (netterweise - sonst wird man wohl nicht über schulische Aktivitäten und Computación-Ausfall aufgeklärt), dass am heutigen Tag eine "Olimpiada" (Olympiade) mit allen Klassen stattfinden sollte. Tatsächlich versammelte man sich auf einem Sportplatz in Nähe der größeren Straße Trapiche und hisste eine Flagge mit den Olympia-Ringen, die Nationalhymne wurde insgesamt zweimal gesungen, ein "olympisches Feuer" wurde von einem Schüler über den Platz getragen und Eva und ich durften uns als Glücksfeen beim Losen sowie Medaillen-Verteilen versuchen. Ansonsten fanden "Wettläufe" statt, es gab ein Fußballspiel zwischen einem "Vigotski-Team" (meine Schule) und einem Team der Bertolt-Brecht-Schule, bei dem unser Team gewann und es gab ein Spiel, bei welchem die Schüler Kegel mit einem Ball umwerfen mussten. Gerne hätte ich im Voraus von der Aktion geuwsst, sodass ich meine Kamera hätte mitnehmen können. Und auch sonst hätte ich eine Absprache mit Eva und mir nett gefunden, wir erfahren alles immer nur um drei Ecken.. .

Morgen soll es eine "Gesundheitskampagne" in der Schule geben, anscheinend nachmittags Tänze (?), Eva und ich müssen ein letztes Mal die Choreographie vor der Feier am Freitag üben und ich bin gespannt, was davon wie funktionieren wird!

 

11. Oktober 2011

 

Heute wird es wieder ein Fußballspiel geben. Um 16 Uhr treffen Eva und ich Lucero beim Metro-Supermarkt, werden für unser zu kochendes Gericht "Arroz con Leche y Mazamorra Morada" einkaufen und anschließend kochen. Anschließend werden wir uns das Spiel Chile-Peru ansehen und den Tag beim Tanzen im Gimnasio abschließen.

Mazamorra Morada sieht so ähnlich aus wie Rote Grütze, ist allerdings zähflüssiger und wird normalerweise aus Mais, Äpfeln, Ananas, Zucker, Wasser, Süßkartoffelmehl (?), Limonen, .. zubereitet. Ich habe es bisher noch nie gegessen und bin deswegen schon sehr gespannt auf das Essen nachher!

Am Sonntag waren Lucero, Eva und ich wie geplant im Kino und haben uns den Film "Amigos con Beneficios" angeschaut. Tatsächlich klingelte wieder ein Handy direkt neben mir, erstaunlicherweise war es aber ansonsten ungewohnt ruhig - kein Babygeschrei während des Films. (In Deutschland - Wer nimmt Babys mit ins Kino?)

Um mal über ein anderes, überlebensessentielles Thema zu berichten: Finanzielles.

Von meiner Organisation werden die Mietkosten komplett gedeckt und zusätzlich erhalte ich 100 € Verpfelgungsgeld sowie 100 € Taschengeld im Monat. Das mag sich zunächst viel anhören, insbesondere wenn man denkt: "Peru ist ein Entwicklungsland, viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze, da sollte das Geld wohl reichen." Das dachte ich jedenfalls zuvor. Jetzt hat sich herausgesetllt, dass Eva und ich mit dem Verpflegungsgeld nicht hinkommen. Umgerechnet 9 Soles haben wir pro Person und Tag zur "Verpflegung". Das würde reichen. Leider ist nicht beachtet worden, dass wir von dem Geld nicht nur Essen, sondern auch Klopapier, Shampoo, Zahnpasta etc bezahlen müssen und tägliche Fahrtkosten zum Projekt von 2 Soles haben. Somit muss jede Münze dreimal umgedreht werden, bzw. einiges vom Taschengeld abgezogen werden. Bisher hat es immer knapp gereicht, aber ich lebe hier auch wirklich sehr sparsam und kaufe immer nur das, was gerade im Angebot ist und keine "Luxusartikel" wie Äpfel etc. Nur so zur Info - wer also weltwärts gehen sollte, sollte sich keine Illusionen bzg. des Geldes machen. Die meisten Freiwilligen brauchen während ihres Jahres ihr komplettes Kindergeld und Taschengeld aus Deutschland auf. Jedenfalls die in Peru. In Kambodscha mag das wegen niedriger Preise wieder ganz anders aussehen!

 

08. Oktober 2011

 

Das WM-Qualifikationsländerspiel Peru-Paraguay ging für die Peruaner glücklich aus. Nach zwei Toren von Guerrero ("Krieger") und vielen schönen Pässen und Vorlagen von Pizarro, der neben Guerrero schon vor dem Spiel am meisten bejubelt worden war (das könnte die Werderaner und HSVler unter euch interessieren), stand das Endergebnis von 2:0 fest.

Die Stimmung in der Kneipe, in der Eva, Phia, ein Bekannter von Phia und ein Freund des Bekannten und ich waren, war ebenfalls sehr stimmungsvoll - ähnlich wie bei deutschen Länderspielen. Abgesehen davon, dass sich "Perú" wesentlich leichter und schneller aussprechen lässt als "Deutschland" und sich der Sprechchor demnach flüssiger anhörte.

Während des Spiels gelangte ich einmal kurzfristig an die Grenze meiner Sprachkenntnisse, da "Juanjo" neben mir mehr über die Hintergründe der aktuellen europäischen Finanzkrise wissen wollte. Selbst auf deutsch kein leichtes Thema - auf spanisch und bei Fußballlärm eine noch härtere Nuss. Während ich also überlegte was "Schulden" heißt, wie ich "Ratingagentur" und "Schuldenschnitt" sowie "Anleihen" und "Aktien" umschreiben könnte und mir "Griechenland" von Phia übersetzen ließ, wurde gejubelt, wurde aufgesprungen, wurde sich wieder gesetzt..aber wer mich kennt weiß, dass ich solche Diskurse äußerst spannend finde und ich fand es toll, an einen Peruaner geraten zu sein, der sich nicht nur über meine Arbeit, Partys, Tanzen, Essen und peruanische Sehenswürdigkeiten unterhalten will, sondern scheinbar etwas Weltgeschehen mitbekommt bzw. sich dafür interessiert. Da war ich natürlich gerne bereit, die Rolle des € und die Folgen seiner Abwertung für die weltweiten Finanzmärkte so weit wie möglich zu erklären sowie die wichtige Rolle Deutschlands innerhalb der EU zu untermauern.

Nach dem Spiel ging es für uns fünf zurück nach Comas in eine Bar/Disco, wo wir auf einen weiteren Freund von Juanjo trafen. Leider kam, was kommen musste, insbesondere Juanjo wollte die ganze Zeit tanzen, Phia, Eva und ich hatten bei der eher mäßig guten Musik wenig Lust dazu und haben uns schon um 1.30 Uhr auf den Heimweg gemacht. Von den Männern der Runde wurde das wieder einmal als persönliche Beleidigung empfunden. Äußerst nervig.

 

07. Oktober 2011

 

Gestern Abend gab es eine nette "Reunion" bei Phia, bei der wir Tequenos gemacht und uns bei Musik gut unterhalten haben. Dabei waren wir ganz kreativ. Da wir nicht ausreichend Käse im Haus hatten, haben wir einige Tequenos stattdessen mit Avokado gefüllt. Es hat geschmeckt, mit Käse sind sie aber besser. ;)

Heute morgen gab es dann eine kleine Überraschung. Als Eva und ich an der "Universitaria" standen, um den ersten Bus nach "San Felipe", von wo man gut zur "Trapiche" mit der Schule kommt, zu nehmen, begnete uns auf einmal "Baile Jorge". Er war auf dem Weg zum Fitnessstudio, während wir einen Bus nach dem nächsten an uns vorbei rauschen ließen, weil sie uns alle zu voll waren. Er fragte uns, wo wir hin wollten und als wir "Trapiche" sagten, meinte er, wir sollten doch statt eines Busses ein schnelleres Mototaxi nehmen. Eva entgegnete, Motos wären zu "loco" (verrückt->chaotisch, gefährlich). Das konnte Jorge wahrscheinlich nicht ganz nachvollziehen. Insbesondere, da wir auch in keinen Bus einstiegen und er der Überzeugung war, alle würden so voll sein. Letztlich erwischten Eva und ich aber doch noch einen mit Sitzplatz.

Heute Abend werde ich vermutlich zum MegaPlaza fahren, um mit anderen das Fußballspiel Peru-Paraguay zu sehen und das peruanische Team anzufeuern, nachdem Deutschland heute schon gegen die Türkei gewonnen hat. Morgen hätte die Geburtstagsfeier von Chus auf dem Programm gestanden, diese wurde aber abgesagt. Sonntag wird wieder Lucero-Tag sein. :)

 

05. Oktober 2011

 

Da in den letzten Tagen nicht viel passiert ist, nutze ich wieder einmal die Möglichkeit, mich mit Universitäten und Bewerbungsformalien auseinander zu setzen.

Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle einmal explizit auf die Möglichkeit hinweisen, euch die Blogs anderer Freiwilliger, zB. von Eva und Phia, durchzulesen ("Links"). Sie erleben nämlich teilweise Ähnliches und können aus anderer Sichtweise berichten. Vermutlich seid ihr mit meinen recht regelmäßigen Berichten aber schon vollkommen ausgelastet. ;)

Ein Thema über das Phia, Eva und ich bereits intensiv geschrieben haben ist "Baile con Jorge" und auch heute muss ich es wieder erwähnen. Jorge erinnert mich nämlich nicht mehr an einen Piraten. Er hat sich wieder "zurück" verändert und hüpft strahlender denn je auf seinem Podest oder zwischen den "Schülern" (gestern gab er sein Können insgesamt viermal neben oder vor mir zum Besten - vermutlich möchte er nur helfen, allerdings lenken mich sein Gewackel und seine Scherze in meiner Reichweite eher ab) herum (Es wird vermutet, dass er, nachdem ihn sein/e Freund/in verlassen hat, wieder frisch verliebt ist). Eine kleine Erfolgsnachricht ist jedoch, dass ich bereits zweimal "Thumbs up" von ihm bekommen habe..das ist tatsächlich ein großer Erfolg, da mich das Ganzkörper-Shaking noch immer ziemlich überfordert und ich es wohl nie mehr lernen werde - die Peruaner wachsen damit auf, glaube ich..) Gestern ist er jedenfalls vor dem Unterricht mit einer rundlichen Frau an mir vorbei gelaufen, wir haben uns grinsend gegrüßt, er ist weiter gegangen, seine Begleitung ist neben mir stehen geblieben und hat mich total verblüfft angestarrt. "Eres Julia??", fragte sie. Ich verneinte etwas verwirrt, nein, ich wäre nicht Julia. Ich würde wie Julia aussehen, erwiederte sie und zeigte mir ein Foto dieser Julia. Julia wäre vor zwei Jahren beim Tanzen gewesen und hätte in einem "Colegio" für "spezielle Kinder" in der "Trapiche" gearbeitet. Und dann dämmerte es mir: Auch ich arbeite in einem solchen Colegio, diese Schule befindet sich in der Trapiche und tatsächlich meinte ich mich zu erinnern, dass die Directora mal von einer Psychologiestudentin Julia vom ASA-Programm erzählt hat, die dort für einige Zeit war und Studien betrieben hat.

Es ist äußerst lustig, dass sich alle deutschen Freiwilligen/Studenten.., die in Comas landen, auch irgendwann zwangsläufig in dem Gimnasio anzutreffen sind. Und fast alle landen schließlich beim Baile con Jorge.. . Ulkig - aber es macht Sinn, ich freue mich jetzt schon wieder auf die nächste Tanzstunde.

 

03. Oktober 2011

 

Leider wurde am Wochenende weder etwas aus dem geplanten Baile, noch aus dem Treffen mit Lucero, da zum einen ich, zum anderen Lucero krank war.

Noch habe ich aber 10 Monate, um alles nachzuholen. Inzwischen geht es übrigens nicht mehr nur um die Urlaubsplanung, sondern auch um die Festlegung des Rückfluges nach Deutschland! Von mir ins Auge gefasst ist aktuell der 19. Juli 2012 als Abflugsdatum (Ankunft 20. Juli 2012). Offiziell ist es aber noch nicht!

Heute gab es in der Schule schon wieder überhaupt nichts (!) zu tun, keine Klasse erschien zum regulären Computerunterricht, obwohl es vorher sogar persönlich mit einer Lehrerin abgesprochen war.

Aus dem Tanzen wurde auch nichts, da der Schulhof erneut von einer anderen Tanzgruppe und deren Musik blockiert war. Neuer Plan: Tanzen am Donnerstag und Freitag.

Ein kleiner interessanter Aspekt: Heute waren zwei Missionare in der Schule und schnackten Eva und mich während der Pause an. Sie wollten wissen, ob wir auch zum Missionieren hier wären und ob wir aus den USA kämen. Als wir beides verneinten, drückte er uns beiden jeweils eine kleine Bibel in die Hand und ließ uns "das Wort Christi" lesen (welches wir nur zur Hälfte verstanden).

Obwohl ich bereits zuvor erwähnte, dass Religion nicht von der Institution Schule getrennt wird, fand ich es doch merkwürdig, dass die Missionare auf dem Schulhof von allen toleriert wurden und ohne Einschränkungen mit den Kindern sprechen konnten.

Auch hat es mich etwas "geschockt", dass beim morgendlichen Appell (jeden Montag und Freitag) ein kleiner Junge zweifach am Fahnenmast hochklettern musste, um die peruanische Flagge befestigen zu können. Wäre er runter gefallen, hätte er sich wenigstens eine Gehirnerschütterung zugezogen, wenn er nicht sogar gestorben wäre.

Anschließend wurden wie gewöhnlich die Nationalhymne gesungen, Ansprachen wurden gehalten und es wurde marschiert. Sehr militärisch - in deutschen Schulen zum Glück nicht möglich!

 

01. Oktober 2011

 

Nicht nur mein vergangener Arbeitstag war kurz, auch die Geburtstagsfeier meines peruanischen Mitbewohners Percy hielt verhältnismäßig nicht lange an, bereits um 3.30 Uhr verschwanden die meisten Gäste, nur zwei Freunde Percys, Eva, Phia und ich sowie Percy selbst waren letztlich noch da. Insgesamt war die Party sehr entspannt, ich konnte mich endlich mal erfolgreich vor dem sonst so oft gezwungenen Tanzen drücken und mich stattdessen auf Tequenos, Grillspieße und Brötchen mit Guacamole sowie kleinen "Pommes-Chips" (sehr beliebt als Zutat für Hamburger jeglicher Art) "konzentrieren".

Zudem habe ich heraus gefunden, dass es hier doch tatsächlich Ginger Ale zu kaufen gibt. Bereits vor einigen Wochen wollte ich alkoholfreie Cocktails mit Ginger Ale zubereiten, es scheiterte jedoch am Versuch, Ginger Ale zu finden. Zukünftig muss ich wohl nur besser suchen.

Heute Abend werde ich mich für einen weiteren Monat "Baile" im "Gimnasio" anmelden und für übermorgen steht wieder eine "Lucero-Kino-Session" auf dem Plan.

Sonntags treffen wir uns sehr häufig - Sonntag ist also zum "Lucero-Tag" erklärt.

 

Lima von oben
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