November 2011

29. November 2011

 

Ich habe wieder Internet - die Frage ist nur für wie lange und wie stabil. Immer wieder kommt es zu Internetproblemen. Aber ist das nicht ein absolutes Luxusproblem? Welcher weltwärts-Freiwillige kann sich sicher sein, während seines Freiwilligenjahres überhaupt dauerhaft Internet nutzen zu können?

 

Dies veranlasst mich über ein weiteres Luxusgut zu schreiben:

Wasser

Es gibt tatsächlich Wohnungen von Freunden und Bekannten, die zwar in "guten" Stadtteilen liegen, jedoch nicht kontinuierlich über fließendes Wasser verfügen und somit die Toilettenspülung zeitweise außer Betrieb ist und Wasser für den Geschirrabwasch oder das Zähneputzen vorsichtshalber in Flaschen oder Schüsseln abgefüllt worden ist. Auch ich kann nicht behaupten, den besten Wasserdruck beim Duschen vorzufinden, auf eine einstellbare Temperatur des Wassers zu hoffen, muss zum Waschen meiner Wäsche Wasser auf dem Herd erhitzen, da lauwarmes Geplätscher den Comas-Schmutz nicht entfernen kann und fühle mich dann und wann wie in einem Gruselkabinett, welches eigentlich das Badezimmer ist, da das Licht streikt und ständig flackert, aber immerhin hatte ich bisher immer das Glück (!), Wasser nach Belieben nutzen zu können.

Wenn Kinder in Chilca (wüstenartige Costa) gefragt werden, welches Umweltproblem sie besonders interessiert, ist es Wasserknappheit. Diese bekommen sie nämlich im Alltag ständig zu spüren und müssen lernen mit knappen Resourcen umzugehen. Ich darf wohl vom Großteil meiner Leser (mich eingeschlossen) behaupten, dass wir diesbezüglich sehr privilegiert sind.

 

Auch was Nahrung betrifft sind wir privilegiert.

Heute wollten mir drei Schülerinnen während der Pause Sticker und selbstbemalte Schächtelchen (Smartiebox-Größe) verkaufen. Es stellte sich heraus, dass sie von dem Erlös ihr Essen bezahlen wollten, da ihre Mütter (ca. 90 % der Schüler meiner Schule haben alleinerziehende Mütter) ihnen kein Geld für das Mittagessen mitgeben konnten. Auch in Bussen und auf der Straße trifft man häufig auf Bettler und bettelnde Kinder/ Frauen mit Babys auf dem Rücken.

Als ich mich heute mit einer Lehrerin unterhalten habe meinte diese: "Die Realität hier ist: Wenn du an einem Tag Essen hast, isst du. Wenn du an einem Tag kein Essen hast, isst du nicht."

 

In Anbetracht dieser Tatsache schäme ich mich fast, den folgenden Blickpunkt zu den Auswirkungen der EU-Krise auf mein Freiwilligenjahr zu beschreiben:

"Weißt du, wie der aktuelle Euro-Sol-Kurs steht?" Dies ist eine der wiederkehrenden Fragen unter deutschen Freiwilligen in Peru. Vor zwei Tagen lag der Wert des Euro bei 3.5 Soles. Heute liegt er bereits wieder bei 3.53 Soles, vor einem Monat lag er bei 3.8 Soles, vor einem Jahr lag er sogar über 4.2 Soles. Diese starken Schwankungen sind unter anderem Resultate der andauernden Euro-Finanzkrise. Immer wenn europäische Politiker neue Millardenhilfen für "besonders stark verschuldete Länder" wie Griechenland verabschieden, schießt der Euro im Vergleich zum Sol in die Höhe, bis gestern war er aber leider gesunken. Insbesondere am Monatsende macht sich dies mit der Überweisung unseres "Gehalts" bemerkbar. Eine Lücke von bis zu 70 Soles kann somit monatlich im Geldbeutel entstehen. Von diesem Geld könnte ich mehr als mein gesamtes Fahrtgeld zur Arbeit bezahlen. 490 Brötchen könnte ich davon bekommen, 245 Bananen, ... . Liebe Politiker, denkt doch bitte auch an das Wohl der armen Freiwilligen in Entwicklungs- und Schwellenländern. :P

 

Auch interessant sind die Blicke, die ich teilweise von Peruanern für meine löchrige Jeans oder schon sehr ramschig aussehenden Schuhe ernte (zur Verteidigung: Phia und ich haben die These aufgestellt, dass der Comas-Staub alles binnen kürzester Zeit auseinander schmirgelt - der Kleidungsverschleiß hier ist unglaublich und sollte in einer wissenschaftlichen Facharbeit näher untersucht werden!). Erst wandert der Blick zu meinen blonden Haaren. Dann zu meiner geflickten Jeans. Dann zu meinen Schuhen. Dann wieder hoch zu meinen Haaren.

Blond=Geld=gute Kleidung. Vielleicht ist dies oftmals richtig, jedoch nicht für weltwärts-Freiwillige zutreffend. Es macht Spaß, Peruaner auf diese Weise zu irrtitieren.

Gestern behauptete übrigens ein Kind in meinem Unterricht, dass es in Europa nur "Gringos" gäbe. Natürlich habe ich ihm erklärt, dass es in Europa Menschen verschiedenen Aussehens gibt, ebenso wie in Peru. Der Schüler entgegnete jedoch beharrlich, in Peru würde es keine Gringos geben, alle die so aussehen, hätten sich die Haare gefärbt.

 

Erwähnenswert sind auch "peruanische" Namen.

Zwar sind "Ana" und "María", ebenso wie "Diego" und (natürlich) "Jorge" anzutreffen, jedoch finden sich auch immer wieder ungewöhnliche oder "ungewöhnlich einperuanischte" Namen.

Briam (wie Bryan auf englisch, allerdings mit "m" am Ende ausgesprochen), Nancy (nicht englisch ausgesprochen, sondern mit "deutschem a") und sogar Hans gibt es!

 

Morgen oder in den nächsten Tagen werde ich von meinen Erlebnissen der kürzeren Vergangenheit berichten. Es hat sich nämlich äußerst viel getan, jedoch fehlt mir zu diesem Zeitpunkt die Zeit, genauer zu berichten.

Gerne möchte ich euch aber noch auf die Rubrik "Fragen" aufmerksam machen, in der ich meinen bisherigen Eindruck bezüglich der Vorweihnachtszeit geäußert habe.

 

27. November 2011

 

Leider habe ich zur Zeit kein Internet in meiner Wohnung, benutze aktuell das Kabel in Phias Wohnung, und kann aus diesem Grunde erst später wieder ausführlich berichten. Wundert euch also bitte nicht über meine Abwesenheit.

 

23. November 2011

 

Mein Tag begann ganz besonders wundervoll. Ich trat aus dem Tor vor dem Haus, ging wenige Schritte in Richtung Straße und musste an einem Mann vorbei, der "Schrott" (alte kaputte Dinge) verkaufte. Dieser meinte "Buenos Dias, MAMÁ". "Mamá" fand ich nicht besonders schmeichelnd, da so normalerweise vorwiegend Frauen fortgeschrittenen Alters (oder Freiwillige in Kinderheimen) bezeichnet werden. Ich bin normalerweise "Senorita". Also war ich leicht angesäuert und ging weiter, ohne einen guten Tag zu wünschen. (Auch wenn ich nicht "Mamá" genannt worden wäre, hätte ich ihn vermutlich ignoriert, weil ich mir hier dickes Fell, taube Ohren und Scheuklappen auf Grund der ständigen Flirterei angelegt habe. Das mag zwar gerade von einer Weißen arrogant wirken, ist aber ein Schutzmechanismus.)

Das ließ der Mann allerdings nicht auf sich sitzen und rief mir in seinem ganzen Stolz verletzt hinterher "Ich habe guten Tag gesagt MAMÁ!" und ereiferte sich so sehr, dass mich seine Schimpfparaden bis zum Ende der Pasaje verfolgten und ich glaubte beinahe, er würde mir auch physisch hinterher laufen. Auf Grund seiner Masse wäre ich aber bestimmt im Vorteil gewesen. ;)

Mein Tag ging jedenfalls so ähnlich weiter. In der Schule lief alles normal. Es lief nämlich gar nicht. "Gar nicht" ist subjektiv und übertrieben, aber es war wirklich wieder einmal total langweilig und selbst die Anwesenheit von Schülern hinderte mich nicht an einem Trance-artigen Zustand von Selbstmitleid, Einschlafen, Zweifel am Intellekt und der Erziehung mancher Kinder, Langeweile, Selbstmitleid, Einschlafen, ... .

Zwar bin ich gestern definitiv zu spät ins Bett gegangen, aber die Langeweile (wie oft wollt ihr dieses Wort noch lesen? "Langeweile"!) trägt die größte Mitschuld an der Misere!

Eva war seit drei Tagen nicht mehr in der Schule und alleine ist mir sogar die Lust am Lesen vergangen.

Montag werden wir jedoch wieder Besuch von unserer Betreuerin im Projekt bekommen und das sorgt für etwas Abwechslung. Hoffentlich ergibt sich im Gespräch nichts Negatives bezüglich meiner Urlaubspläne! Und hoffentlich ergibt sich im Gespräch eine Wendung hin zu weniger zukünftiger Langeweile.

Gleich werden Phia, Eva und ich Tamales essen, danach geht es für mich zum Tanzen und morgen ist ein neuer Tag!

 

20. November 2011

 

Kakerlaken kreuzen zunehmend meinen Weg, vermutlich da es wieder wärmer wird, und hier der aktuelle Stand des Wochenendes:

Ich kündigte an, dass es vermutlich sehr gefüllt sein würde und doch fing es nach dem Tanzen vorgestern ganz entspannt an. Mit Lucero traf ich mich weder vor zwei Tagen noch heute, aber Dienstag wollen wir unseren Backplan in die Tat umsetzen. Am vorgestrigen Nachmittag fuhr ich jedoch wie geplant nach Surco (Stadtteil Limas), um abends bei dem Treffen mit fünf anderen Freiwilligen und unserer Betreuerin zu sein. Sie lud zum Abendessen in ihre Wohnung ein und ich bin auch jetzt noch begeistern vom Essen. Das war mit Abstand eines der besten Mahlzeiten, die ich in den letzten drei Monaten zu mir genommen habe und auch abgesehen vom Essen war der Abend schön und unterhaltsam.

Anschließend übernachtete ich bei Birte, hielt mich an meinem 100. Tag in Peru früh morgens gekonnt davon ab, von ihrem Nutella-Vorrat zu zehren, und fuhr mit ihr sowie Ariane nach Chilca, südlich von Lima. Dort, gekleidet mit speziellem T-Shirt, Weste ihrer Umwelt-NGO, Gummihandschuhen und Atemschutz halfen wir dem Gesundheitsministerium und einigen Schulkindern, den Strand vom Müll zu befreien (am besten gefielen mir die Pausen, in denen das Ministerium Kekse und "Gaseosa" (Getränkegattung Cola, Fanta, Sprite, Inca Kola, 7Up,...) spendierte).

Zum Strand kamen wir zuvor auf recht außergewöhnliche Weise. Wir nahmen vom "Stadt"zentrum ausgehend kein Taxi, sondern wurden von drei Polizisten in ihrem Polizeiwagen chauffiert. Zwei Polizisten vorne, drei Freiwillige hinter vergitterten Fenstern und zwischen Schaumstoffstangen auf der Rückbank, ein Polizist mit der Hand am Schlagstock hinten auf der Ladefläche, verfolgt von einem Motorrad mit Blaulicht, wurde dieses Bild untermalt von lateinamerikanischer Musik sowie einem sehr schlechten Remix von "My heart will go on". Irgendwie war es ziemlich witzig. Die Polizeiwagen scheinen in Chilca, einem eher ärmlichen Ort, zu den Luxusgütern zu gehören. Die Rückbank war auf jeden Fall ziemlich bequem. Vielleicht sollte ich, um Peru aus einem weiteren Blickwinkel zu sehen, mich mal verhaften lassen. Das wäre sicherlich auch spannend und eindrucksvoll. (Keine Sorge, ich mach nur Spaß! Aber wenn ich damals das Marihuanaangebot von dem Typen in der Barranco-Disco angenommen hätte, wäre ich eventuell schon früher in den Genuss vom Fahren im Polizeiwagen gekommen. Wer weiß?)

Nach der Strandreinigung aßen Birte und ich beim Chifa, bevor wir in den Nachbarort Pucusana weiter fuhren. Dort sollte es ebenfalls einen Strand geben. Es gab auch einen, jedoch war dieser äußerst überschaulich und lud auf Grund von seiner Location an einem kleinen Hafen mit süßen bunten Fischerbötchen nicht zum Schwimmen ein. Nachdem wir eine kleine Lagune fanden (auch hier war der Strand nicht überdurchschnittlich einladend), uns "Chupete de Maracuya" (Maracuja-Wassereis aus richtiger Frucht statt künstlichem Geschmacksstoff) gönnten und einen Hügel zur Aussicht und Suche nach einem besseren Strand erklommen, ließen wir uns zum Schluss auf einer Mauer am Hafen nieder und beobachteten das Treiben in der Bucht. Peruaner reparierten/bemalten ihre Bötchen, Kinder spielten dazwischen und ein Pelikan flog knapp über der Wasseroberfläche, um sich mit großen Flügelschlägen auf den sanften Wellen nieder zu lassen. Die Urlaubsatmosphäre und die bunten Farben sowie weißen Häuser im Hintergrund erinnerten mich sehr an Malta.

Für die Rückfahrt nach Lima wanderten Birte und ich ein kleines Stück am Rande der Panamericana entlang, zu unseren Füßen nichts als lehmiger Sand, in Sicht nichts als einige bunte "Papphüttchen" am Rande der Hügel. Wir versuchten Reisebusse anzuhalten, doch die meisten ignorierten unser Winken. Nur einer der großen Busse hielt an. Unsere Blicke fielen jedoch sofort und gleichzeitig auf ein großes Bild einer halbnackten weißen Frau neben dem Fahrer. Ohne Worte über das "Warum" waren wir uns einig, nicht einzusteigen, sondern weiter Anhalter zu spielen. Irgendwann rief uns ein Combi-Fahrer "Lima?" zu und endlich saßen wir im kleinen wackligen Combi mit kaputtem Fenster und einem schlafenden Peruaner an meiner Schulter auf der Rückreise. Auch im zweiten Bus aus Miraflores (wo mich der Combi absetzte) nach Comas wirkte ich als Kopkissen für ein kleines Mädchen. Somit konnte ich sogar dreimal an diesem Tag eine gute Tat erfüllen. Einmal war ich Strandreinigungskraft, zweimal Matratzenersatz für müde Menschen. Welch Lebenserfüllung!

Zudem beeinflussten die Schlafenden meine Entscheidung, am Samstag nicht mehr den Geburtstag einer Bekannten in einer Disco zu feiern. Auch ich war ziemlich müde.

Kurz muss ich aber noch erwähnen, dass Birte während der Fahrt nach Lima ein kleiner Schock erwartete. Sie fand ihren Geldbeutel nicht und wir stellten die Vermutung an, dass ein ca. 10-jähriger Junge diesen dreist entwendet haben könnte, als er sie um einen Schluck Wasser bat (und als Geschenk ihren Gaseosa-Rest bekam, wofür er von seinen Freunden wie ein Held gefeiert wurde). Zum Glück fand sich ihr Geld aber später wieder.

 

18. November 2011

 

Erst vor einer Stunde ist der 17. November vergangen und somit kann ich noch nichts über den heutigen 18. November berichten. Gerne möchte ich aber über gestern schreiben:

In der Schule war der Computerunterricht mit den Sechstklässlern sehr enttäuschend und total genervt haben Eva und ich schließlich die Schule verlassen.

Beim Essen im "Pro-Restaurant" habe ich mich anschließend mal wieder total beobachtet gefühlt und abends hat mir Braulio, ein Bekannter mit dem ich (und Phia, Eva sowie zwei Peruaner deren Namen ich nicht weiß) im Mega Plaza und in einer Karaoke-Bar waren, erzählt, dass er sich in der Anwesenheit von den "Blancas" wie Phia, Eva und mir total beobachtet fühlt. Sogar Peruaner, die mit mir unterwegs sind, fühlen sich auf einmal im Mittelpunkt des Geschehens. Wenigstens trügt  mich meine Wahrnehmung nicht.

Leider habe ich schon wieder das Gefühl, krank zu werden und hoffe, das Wochenende gut zu überstehen. Nach einer kurzen Portion Schlaf steht Tanzen auf dem Programm (Jorge wurde übrigens in einem anderen Fitnessstudio (im Mega Plaza) gesichtet und er hat "zurück gesichtet" (wie hätte es auch anders sein sollen, natürlich fällt man auf..)). Später steht eine Unternehmung mit Lucero an, abends gibt es ein kleines Treffen mit den fünf anderen limenischen Voluntären meiner Organisation und unserer Betreuerin. Die Nacht werde ich bei Birte verbringen, um morgen mit ihr in der Frühe zu einer Strandsäuberung zu fahren und ordentlich zu helfen. An dem Abend wird der Geburtstag einer Bekannten in einer Disco gefeiert und Sonntag könnte wieder Lucero-Tag sein. Vielleicht werde ich ihn aber auch nur zum Ausschlafen nutzen. ;)

 

 

16. November 2011

 

Auch heute kamen wieder erstaunlich viele Schüler freiwillig zum Nachmittagsprogramm. Das motiviert auch die Lehrer. ;)

 

Sonstige Neuigkeiten:

 

Beim Joggen neben einem freistehenden Feld (ehemaliger Militärflugplatz) habe ich eben eine Eule im Flug sehen können. Von unten weiß und elegant schwebte sie ganz lautlos über mir. Es gibt sie also doch - etwas Natur in Comas!

 

Nach der Arbeit habe ich einen kleinen Einkauf bei Metro erledigt und bin anschließend zu einem mir bekannten Markt gegangen, um besagte "Gesundheitskekse" und Obst zu kaufen. Leider bin ich beim Obststand nicht erfolgreich gewesen, weil der Verkäufer glaubte, ich würde mich bezüglich der Preise nicht auskennen (er zeigte mir tatsächlich, was 50 céntimos sind, mit denen ich seit drei Monaten hantiere). Eine Packung Kekse habe ich dagegen mitgenommen. Da es allerdings keine der normalen Sorte gab, überzeugte mich die Marktfrau, "Galletas Integral con Maca" zu nehmen. Von der "Maca Frucht" hatte ich noch nie gehört, probierte die ganz gut schmeckenden Kekse und fand aber kurze Zeit bei meinen Internetrecherchen heraus, dass eine deutsche Gesundheitsbehörde vor dem Verzehr von Maca-Produkten warnt, da die Wirkungen der Knolle weitgehend unerforscht sind, jedoch von einer Veränderung des Hormonhaushaltes ausgegangen wird, was zur Potenzsteigerung führen soll.

Um euch etwas Sorgen zu nehmen, andere Quellen berichten von einer Vielzahl an Vitaminen, Eisen, Nährstoffen,.. die Maca enthält und dass diese Frucht die physische Belastbarkeit stärken soll. Ich bin nun jedenfalls etwas skeptisch geworden, aber da peruanische Andenvölker seit Menschen Gedenken Maca anbauen, kann man ihrer positiven Kraft eventuell Glauben schenken.

 

15. November 2011

 

Heute haben Eva und ich zum ersten Mal Englisch und Computación optional für die Sechstklässler angeboten und tatsächlich kamen erstaunlich viele Schüler - 15 motivierte Kinder habe ich zu einem Zeitpunkt gezählt.

Hoffentlich kommen morgen auch so viele, aber eigentlich wage ich das kaum zu hoffen.

 

Eine viel wichtigere Neuigkeit: Heute habe ich mein Rückflugticket erhalten. Am 21. Juli 2012 starte ich abends in Lima, am 22. Juli 2012 soll ich planmäßig am späten Nachmittag in Deutschland landen. Ich freue mich schon auf alle bekannten Gesichter, die ich von da an wiedersehen werde!

 

14. November 2011

 

Wild klopft es an meine Zimmertür. "Es regnet", ruft meine Mitbewohnerin ganz aufgeregt und schon ist sie verschwunden. Ein Blick aus dem Fenster: Tatsächlich, in der Wüste regnet es! Schnell in die Schuhe geschlüpft und raus gelaufen. In dem "Park" vor dem Haus treffe ich Eva wieder und gemeinsam stehen wir im Regen und freuen uns über das kühle Nass, dass wir seit über drei Monaten nicht mehr auf der Haut spüren durften und ich bereits zu vermissen begann. Endlich regnete es für einige Minuten (und ich spreche nicht von Nieselregen, sondern richtigen Tropfen), obwohl alle Limenos inzwischen vom Sommer sprechen. Nicht nur wir waren also erstaunt, auch unsere Nachbarn schauten teilweise etwas ungläubig in den grauen Himmel.

Beim Tanzen nachher wird es dagegen vermutlich umso schwüler und anstrengender.

 

Gesten habe ich mich mit Lucero, Estefany, Phia und Eva in einem "Café" getroffen. In dem Café gab es allerdings keinen Kaffee. Okay, es wurden ca. drei Kaffevarianten in der Karte angeboten und eine davon war zu dem Zeitpunkt nicht vorhanden. Somit bestellten alle bis auf Eva etwas Fruchtiges (ich gönnte mir einen Erdbeer-Melone-Maracuya-Saft). Eva trank "Kaffe mit Milch", was sich als heiße Milch mit etwas Kaffeekonzentrat heraus stellte. Kaffee ist in Peru nur als Exportmittel populär.

 

Heute in der Schule habe ich mit dem Lesen von "Harry Potter und der Feuerkelch" (in spanischer Sprache) begonnen und bin stolz auf mich. Abgesehen von einigen Wörtern verstehe ich die Zusammenhänge und bin tatsächlich in der Lage, dieses Buch ohne Hilfe eines Wörterbuches zu verstehen (ich kenne es zwar aus dem Deutschen, aber trotzdem finde ich diese Leistung gut). Nun habe ich die Hoffnung, durch das Lesen weitere Vokabeln nebenbei zu lernen und meine Grammatik automatisch zu verbessern. Insbesondere mein grammatikalischer Feind, der Subjuntivo, wird häufig verwendet, sodass er vielleicht bald mein Freund werden könnte. Wer weiß?

 

11. November 2011

 

"Du bist doch die Deutsche, oder? Mein Freund kennt dich / Mein Cousin hat von dir erzählt." Immer häufiger werde ich von mir fremden Personen mit solchen Worten begrüßt. So langsam fühle ich mich wie eine regionale Größe. Jedenfalls fast. Bei Metro habe ich noch keine außergewöhnlichen Rabatte erhalten und dort wurde mir auch noch kein Modeljob angeboten. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Dennoch frage ich mich, warum der Cousin einer Cousine oder der Bruder einer Schwester oder die Freundin eines Freundes ausgerechnet von mir erzählen muss. Abgesehen davon, dass ich blond bin und mich darüber freue, heute vier (kleine) Tomaten, zwei (große) Karotten, eine (matschige) Banane und eine (mir fällt kein Adjektiv ein - "normale") Mandarine für weniger als 40 (€)ct erstanden zu haben, bin ich doch ganz normal, oder nicht?

 

Wie üblich hier die Wochendplanung:

Viel steht nicht an. Nach einem morgendlichen Tanzen hat der Tag gut begonnen, mein Obst/Gemüseeinkauf hat sich, wie beschrieben, auch gelohnt und heute Abend treffe ich mich mit weiteren Leuten bei Diana, einer Bekannten, wohnhaft in Comas. Vermutlich werden wir im Laufe des Abends mal wieder in eine Disco fahren. Gibt es für Peruaner überhaupt eine andere Möglichkeit als Discobesuche, den Abend mit Freunden zu verbringen? Fußballspiele stellten eventuell eine Alternative dar.. .

Ob sich Pläne für morgen ergeben, wird sich spontan zeigen und Sonntag ist wieder "El Dia de Lucero". Der Sonntag sollte offiziell nach ih benannt werden.

 

Es tut mir übrigens Leid, wenn ihr euch mit meiner stellenweisen Ironie, Übertreibung oder meinen Metaphern nicht anfreunden könnt, aber auch nach drei Monaten (oder vielleicht "insbesondere nach drei Monaten") Peru kommt mir hier Alltägliches immer mal wieder ironisch/seltsam/lustig/"anders" vor.

 

10. November 2011

 

Kein Wunder, dass Comas so vermüllt ist. Heute im Bus saß ich neben einer Frau, die kurzerhand das Fenster aufschob und ihren Plastikmüll während der Fahrt radikal auf die Straße schüttete. Es gibt in Comas zwar keine öffentlichen Mülleimer, für die schnelle Müllentsorgung unterwegs bieten sich die bereits bestehenden Müllhaufen an Straßenrändern an (Die Hunde und wer weiß was noch alles, werden es dem Menschen danken), jedoch sollte man nach Möglichkeit keine neuen Haufen mitten auf einer Straße eröffnen. Jedenfalls meiner Meinung nach.

Warum Mauern hier häufig nach Urin stinken, muss ich euch auch nicht erklären, oder? Die Ursache ist nur zum Teil mit Blick auf die Hunde zu finden. Es gibt auch gewisse andere Erdbewohner, die ihre Notdurft an Mauern (oder auf Grünflächen umzingelt von etlichen Haupt- und Schnellstraßen, mit etwas Glück verdeckt von einem dünnen verdorrten Strauch oder einem Pälmchen) verrichten und denen Blicke von den vorbei laufenden/fahrenden Massen unwichtig zu sein scheinen.

Um weiterhin über Comas zu schreiben:

Die Architektur ist äußerst provisorisch. Es wird Stein auf Stein gesetzt und wenn das Geld fehlt, wird der Bau gestoppt. Wenn die finanzielle Lage flüssiger geworden ist, kann die nächste Etage gebaut werden. Irgendwann folgt dann eine Betontreppe. Einige Jahre später bekommt die Treppe unter Umständen ein Geländer. Zu diesem Zeitpunkt müsste die Treppe an sich aber eigentlich wieder erneuert werden, da sie bereits rissig geworden ist. ...

Comas bietet somit zum Teil sehr interessante Häuser und teilweise gibt es auch das ein oder andere schöne Exemplar zu sichten. Die Häuser in denen ich bisher gewohnt habe, gehören definitiv zu den schönsten Gebäuden (siehe Fotos), jedenfalls was die Fassade betrifft. Und wen interessiert der Rest? Nur auf die Fassade kommt es an! Und in vielen Fällen auch nur auf die Fassade des Erdgeschosses. Beim Joggen oder Umherwandern stoppe ich gelegentlich vor einem zunächst schönen und gut gepflegten Haus, doch sobald man den Blick etwas höher richtet, oder sich die Seitenwände ansieht, fühlt man sich der Ästhetik betrogen. Die Ästhetik des Hässlichen wartet darauf, dich mit bröckelndem Schutt und löchrigem Stein in ihren Bann zu ziehen.

 

09. November 2011

 

Ab kommender Woche wird der Englisch- (Tanz-/Computer-) Unterricht nur noch zweimal wöchentlich und optional angeboten werden. Eva und ich wollten ihn von Anfang an auf freiwilliger Basis für die Schüler einrichten und da bisher ohnehin nie alle teilgenommen haben, konnten wir unsere Strategie durchsetzen. Wie sich das weitere Interesse und die Teilnehmerzahlen verändern werden, wird sich zeigen. Insgesamt geben wir immer unser Bestes, den Unterricht so spielerisch und effektiv (praxisorientiert) wie möglich zu gestalten. Unsere letzte Methode zum Lernen von englischen Ländernamen stellte beispielsweise das Spiel "Hangman" / "Galgenmännchen" dar. Besonders freue ich mich auch über Ideen der Kinder. Kurzerhand spielten wir während der Tanzeinheit "Reise nach Jerusalem" (hier sehr einfallsreich "Juego de Sillas" ("Stuhlspiel") genannt), was von mehreren Mädchen gewünscht wurde.

Aus meiner Freizeit gibt es kaum Neuigkeiten, weiterhin gehe ich voller Elan ins Fitnessstudio, so langsam bin ich auf du und du mit Jorge (Scherz), der bereits zweimal meinte, er würde mich vermissen, nachdem ich kurze Zeit nicht zum Baile ging - so schwer ist es aber wohl auch nicht zu erkennen, wenn die Gringa fehlt), lerne dort und anderswo neue Leute kennen, setze mich mehr unter Druck, endlich vernünftiges Spanisch (Vokabeln und Grammatik) zu lernen, um nicht dauernd nach vereinfachten Sätzen suchen zu müssen ("wie war das mit dem Konjunktiv und wann verwendet man nochmal "Subjuntivo"?? Egal, wenn ich im Präsens spreche/schreibe, versteht mich bestimmt irgendjemand..") und habe mich auch endlich zum Joggen in Comas überwinden können. Im Dunkeln ist das Problem, dass ich Menschen und Autos auszuweichen versuche, da diese Gegend unsicher erscheint, im Hellen fühle ich mich dagegen (wie auch während anderer Fortbewegungsvarianten - aktuellster Spruch von vor einer Stunde: "Kiss me, kiss me, Bonita") angestarrt.

Heute war Birte übrigens mal wieder zu Besuch und zum Hamburgesas Essen in unserem "Barrio" (Stadtteil, Nachbarschaft, "Da Hood" (wenn ihr wisst, was ich meine)).

Sie hat heraus gefunden, dass es auf dem "Pro-Markt" für 2.3 Soles 500gr Cornflakes zu kaufen gibt. Meine neue Anlaufstelle!

 

06. November 2011

 

Gestern, nach dem Treffen bei Phias Bekannten (es war eher eine "Reunión" (kleines Treffen) und keine "Fiesta" (Party)), ist uns Freiwilligen die Idee gekommen, ein T-Shirt mit folgenden Fragen und den entsprechenden Antworten (auf spanisch) zu entwerfen:

* Wie heißt du? - Jana

* Wie alt bist du? - (Geburtsjahr)

* Hast du schon Ceviche / Pisco probiert? - Ja

* Was ist dein peruanisches Lieblingsessen? - Papas Rellenas, Croquetas de Yuca, ...

* Hast du schon Machu Picchu gesehen? - Nein, aber ich habe vor, hin zu reisen

* Weitere Standardfragen

Wenn man Peruaner kennenlernt sind dies unter anderem immer die ersten Fragen. Um diese sofort beantwortet zu haben, wäre das T-Shirt nützlich. Dann könnte man gleich zu anderen Themen übergehen.

 

Heute fand das Fotoshooting statt. Eva, Phia und ich mussten uns "peruanische" Sportkleidung anziehen (meine Sporthose aus Deutschland ist wohl nicht eng und körperbetonend genug) und viele Positionen und Fotos später, zwei Säfte und ein Gesundheitskeks später und insgesamt nach 5 Stunden war das Shooting beendet. Ich bin sehr auf die visuellen Ergebnisse gespannt.

Für mich hat sich das Shooting bereits gelohnt, da ich vom Fitnessstudio freien Eintritt für zwei Monate erhalten habe.

 

05. November 2011

 

Während in der Zeit vor dem Wochenende kaum Neuigkeiten von zu erwähnendem Charakter zu verbuchen waren, so hatte ich doch bisher ein gefülltes Wochenende und nachdem ich meine vier Einkufstüten (hier in Peru herrscht eine absolute Plastiktüten-Epidemie -> Wie käme man dazu, Milch und Wasser in eine einzige Tüte zu verfrachten? Warum sollten Kekse und Eier in einer gemeinsamen Tüte sein? Und Kosmetikartikel dürfen niemals mit Nahrungsmitteln in Berührung kommen.. -> ich gebe mein Bestes, so wenige Tüten wie möglich nach Hause zu schleppen und trage eine Packung Mehl oder eine Tüte Brötchen inzwischen und die Umwelt im Hinterkopf auch durchaus in der Hand, ohne Tüte, nach Hause) in die Wohnung geschleppt habe, widme ich mich nun einem neuen Bericht:

Gestern besuchten Birte, Eva und ich die Freiwilligen Leoni und Juri in deren weltwärts-Projekt in einem Kinderdorf im limenischen Randstadtteil Cieneguilla.

Hinter den Hügel und bei stets andauerndem Sonnenschein arbeiten sie mit (ehemaligen) Straßenjungen und bieten Nachhilfe sowie verschiedene Workshops (Werkstätten) an, helfen auf dem Feld und mit den Tieren (ich habe noch nie so viele Meerschweinchen auf einem Haufen gesehen und ratet mal, wofür es sie gibt..zum Verspeisen natürlich). Zudem unterstützen sie den Verkauf von im Projekt hergestellten Handarbeiten und sammeln somit Fördergelder. Ich habe von ihrem (Arbeits-)Umfeld einen ziemlich guten Eindruck gehabt und glaube insbesondere, dass sie in ihrem Projekt auch wirklich gebraucht werden.

Besonders bemitleidenswert fand ich einen der Jungen im Kinderdorf, der unter Tuberkulose leidet und von den Freiwilligen (es gibt außer Leoni und Juri weitere Volontäre dort) eine besondere Nahrung erhalten muss.

Nach dem Cieneguilla-Ausflug fand abends eine Einweihungsfeier in Arianes neuer Wohnung im eher alternativen Stadtteil Barranco statt, wo ich auf alte und neue Gesichter traf. Gegen Mitternacht suchten wir eine geeignete Disco und fanden diese nach wenigen Anläufen.

Eine lustige Unterhaltung in der Disco mit einem der Typen, der mich mal wieder ansprach:

Er: "Kann ich dich zu einem Bier einladen?"

Ich "Nein danke."

Er: "Willst du Marihuana?"

Ich: "Nein danke"

Er: "Willst du später mit mir tanzen?"

Ich: "Nein danke."  ... okay, zugegeben, meine letzte Antwort war etwas diplomatischer: "Ja, vielleicht..aber wirklich erst später." (Und dann versuchte ich unterzutauchen.)

Zeitweise habe ich mich übrigens wie in einem Löwenkäfig gefühlt. Zu einem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, von allen Seiten von männlichen Wesen bedrängt zu werden. Zeitgleich fragte Mercedes mich, ob wir zusammen auf eine Art Minibalkon zum Tanzen steigen wollten. Eben noch groovte dort ein anderer Gringo, nun war er verlassen.

Ich hatte also folgende Möglichkeiten: Entweder würde ich mich weiterhin wie im Käfig fühlen, oder ich würde mich durch die Masse boxen und an die frische Luft nach draußen rennen und nach Möglichkeit nicht wieder zurück kommen, oder ich würde Mercedes' Vorschlag folgen. Da mir nicht viel Zeit zum Überlegen blieb, die Meute rückte näher, folgte ich kurzerhand Mercedes auf den Balkon und tanzte dort weiter. Mein Mitbewohner sah mich erstaunt an..und plötzlich merkte ich, dass meine Entscheidung, auf dem Balkon weiter zu tanzen, nicht dafür sorgte, dass mir weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Im Gegenteil. Da mich plötzlich noch mehr Augen anstarrten, schwang ich mich nach wenigen Minuten wieder runter auf die Tanzfläche und versuchte mich so verdeckt wie möglich zu halten, was natürlich nicht gelang, sodass ich immer wieder einen Löwen davon schlagen musste.

Wenn ich in ca. 8.5 Monaten wieder in Deutschland sein werde, werde ich vermutlich zunächst unter einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden.

Gleich gehe ich zur nächsten Fiesta, der eines Bekannten von Phia, an diesem Wochenende. Hoffentlich bleibt die Meute ruhig. Vermutlich werde ich ohnehin überpüntklich verschwinden, da ich morgen in aller Frühe (um 9 Uhr - und das an einem Sonntag ;) ) für das "Fotoshooting" (ich berichtete) im Fitnessstudio sein muss.

Vielleicht werde ich den/die Fotographen direkt nach Passfotos fragen. Ich brauche welche.. .

 

01. November 2011

 

Die erwähnten Mückenstichen aus Lunahuaná haben ihren wahren Juckreitz erst nach 24 Stunden entfaltet und haben zu zwei angeschwollenen Knöcheln geführt. Zudem jucken sie nicht nur, sie schmerzen auch. Meine Medizin: Nasse Wickel um die Mückenstich-Knöchel-Partie.

 

Gestern Abend ging es zunächst mit Percy, Eva und Birte zum Plaza de Armas im Zentrum Limas, wo wir leider nur noch den Schluss eines Freiluftkonzertes chriollischer Musik mitbekamen. Anschließend trafen wir uns mit weiteren Bekannten in einer Bar in Miraflores und nach einigem Hin und Her fuhren wir gegen 4 Uhr zu Freddy nach Hause (in La Molina), der uns spontan über Nacht zu sich einlud. Ursprünglich ging ich davon aus, dass wir alle in die Betten in seinem Haus (mit zwei freistehenden Zimmern inklusive Betten) fallen würden, doch vorher wurde weiter getrunken, die Männer der Runde wurden immer anhänglicher und unangenehmer und nach einem kurzen Exkurs in das Gebiet der Bachata-Musik (aus Zentralamerika) ging es dann doch noch für knappe 4 Stunden ins Bett.

Ich gewöhne mich mehr und mehr daran, ganz "basico" irgendwo zu übernachten. Wer braucht Schlaf- oder Wechselklamotten? Wer braucht eine (Zahn)Bürste? Das ist zum Feiern viel zu viel Gepäck und letztlich kann man sehr gut in Jeans schlafen und einen Morgen auch ohne jegliche Kosmetik verbringen.

Um 10 Uhr am heutigen Tag fuhren Eva und ich (eigentlich wollten drei bis vier weitere Personen uns begleiten, jedoch waren diese "verschollen" oder nicht aus den Federn zu kriegen) zur Puente Benavides, wo wir Birte, Ariane und Bruce aufgabelten und mit ihnen nach Villa María de Triunfo fuhren. Villa María de Triunfo ist ein eher armer Stadtteil am südlichen Rande Limas, der einen der größten Friedhöfe der Welt ("Nueva Esperanza" - Neue Hoffnung) beherbergt und den wir Freiwillige bereits von der "alternativen Stadtrundfahrt" unseres Vorbereitungsseminares kannten. Da wir das geschäftige Treiben zum "Dia de los Muertos" (Allerheiligen) beobachten wollten, ließen wir uns von den Massen Richtung Friedhof treiben und fanden unseren Weg durch Stände voller Essen sowie angebotene Blumen und Kerzen für Gräber zu einem der Friedhofhügel. Auf einer Stufe neben einem Grab ließen wir uns nieder und ließen unsere Blicke über das geschäftige, bunte und wuselige Treiben der unzähligen Peruaner, welche die Toten ihrer Familie besuchten und an den Gräbern arbeiteten, aßen und Bier sowie "Gaseosa" (Cola etc) tranken schweifen. Zeitweise wollten Händler uns Eis, Popcorn, Mandeln, Rosinen oder Getränke verkaufen und die neugierigen Blicke, die wir auf Grund unseres Aussehens auf uns zogen, nahm ich seltener wahr, als es noch zu Beginn meines Peru-Aufenthaltes der Fall gewesen war.

Auch kam mir dieser Stadtteil gar nicht mehr so arm vor - an die kleinen bunten Hütten auf den Hügeln in und um Lima, die "Pueblos Jovenes" ("Jungen Dörfer"-Armensiedlungen), bin ich inzwischen gewöhnt.

Ein kleiner Schock am Rande: Ich wurde von einem Mototaxi angefahren, dass ich beim Überqueren eines Weges nicht wahrgenommen habe - aber vermutlich werde ich nicht einmal einen blauen Fleck vom Zusammenstoß davon tragen, da das Mototaxi recht langsam unterwegs war.

Die Busfahrt zurück nach Comas wurde meiner Ansicht nach von einem Mann gekennzeichnet, der "Süßigkeiten" (Mandeln etc) im Bus verkaufen wollte und mir kurzer Hand getrocknete Früchte (Feigen? Datteln? Pflaumen?) schenkte. Ich wollte sie zunächst nicht annehmen, da ich wegen meines Aussehens nicht so bevorzugt werden möchte, aber er ließ sich das Schenken nicht nehmen. Zudem ähnelte die Fahrt der einer Achterbahn. Als der Bus plötzlich über einen Huckel fuhr, wurde ich aus meinem Sitz am Ende des Busses in die Luft geschleudert und konnte mich in letzter Sekunde an einer Stange in einiger Entfernung vor mir abstützen.

Busfahrten bleiben spannend. Insbesondere für ältere Menschen müssen sie jedoch sehr anstrengend sein. Es muss an dieser Stelle aber fest gehalten werden, dass alten Menschen oder solchen mit Kleinkindern auf dem Arm, fast immer Sitzplätze angeboten werden - das ist hier selbstverständlicher als in Deutschland.

 

Gleich geht es zum Einkaufen, und anschließend wird in der WG und für einige Bekannte gekocht.

Lima von oben
Lima von oben