Mai 2012

29. Mai 2012

 

Heute war Peru in der Tagesschau vertreten. Einige Sekunden lang wurde über die aktuellen Demonstrationen gegen eine schweizer Kupfermine in der Nähe von Cusco berichtet.

Gestern habe ich, nachdem ich kurz in der Schule war, Marina in La Molina besucht. Diese bewirbt sich gerade für ein Stipendium, um in der Slovakei studieren zu können und gemeinsam fuhren wir zum Bildungsministerium, um Formulare für die Bewerbung abzuholen. Nach einem typisch peruanischen Mittagessen, grüner Reis mit Hühnchen und Kartoffeln mit Huancaina-Sauce, fuhren wir zu ihrer Universität und hörten uns einen Vortrag vom ehemaligen Präsidenten Alejandro Toledo (2001-2006) an. Eigentlich war das Thema (kurzgefasst) "Peru im Kontext der internationalen Wirtschaft". Allerdings fehlten mir die Inhalte. Der Wirtschaftswissenschaftler nutzte seine Rhetorik und seinen durchaus vorhandenen Humor, die Studenten zu loben und für politisches Engagement zu ermuntern. Zudem legte er einen Schwerpunkt darauf, niemals seine eigenen Wurzeln zu vergessen und stolz auf diese zu sein (er selbst ist einer von 16 Geschwistern, aus einer armen Familie aus den Anden kommend).

Abends führte Marina noch ein Interview zum Thema "Gewalt und Terrorismus in Deutschland" mit mir, dass sie für ein Uni-Projekt braucht. Das Interview fand in englischer Sprache statt, wobei ich feststellen musste, dass sich mein Englisch wesentlich verschlechtert hat. Ständig schlichen sich spanische Begriffe in meine Sprache ein.

Abends wollten Liz, Bety und Antonio, dass ich den Hitlergruß vormache. Pustekuchen, nicht mit mir.

Jorge dagegen informiert sich gerade über den Erhalt von Reisepässen, um anschließend mit meiner Hilfe ein Visum für Deutschland beantragen zu können.

Meine Rückkehr nach Peru wurde von Marina auch schon festgelegt. Spätestens 2014 zur Weltmeisterschaft in Brasilien müsste ich das Land wieder besuchen. Von Lima aus würden wir dann mit dem Auto nach Rio in Brasilien fahren. So weit der Plan. Achtung, nur nicht daran glauben- Latinos denken bekanntlich eher an das Heute, während Deutsch eher an das Morgen denken. Dazu habe ich gerade vorgestern einen sehr interessanten Artikel gelesen. Asiatische Kulturen, zum Beispiel Thailänder würden eher im Gestern leben. Also das sagt jedenfalls der Artikel und wie gesagt, von Verallgemeinerungen nehme ich Abstand.

Einen Tag zuvor habe ich mit Paolo Lomo Saltado gekocht.

Außerdem war ich der letzten Woche mal wieder für einen Tag im Heim "von Phia", habe in einer Suppenküche in den Comas-Hügeln geholfen (eine Suppenküche ohne fließendes Wasser, aber mit schönem Ausblick, bei guter Sicht kann man sogar bis zum Meer sehen), insbesondere Kartoffeln geschrubbt, und habe mit Caciles die "Huaca Pucllana" (Pucllana Pyramide) in Miraflores besucht.

 

21. Mai 2012

 

Hilfe. Nur noch 60 (ganze) Tage in Peru. Warum haben mich gestern sieben Leute unabhängig voneinander auf eine Abschiedsfeier, die ich unbedingt organisieren solle, angesprochen? Ich will nicht gehen... . Noch nicht. Irgendwie schon. Irgendwie habe ich so lange auf den Moment des Abschieds gewartet. Nun ist er fast da. Aber irgendwas hält mich hier. Und eigentlich sollte ich noch nicht über den Abschied nachdenken. Immerhin bleiben mir noch zwei ganze Monate! Zwei Monate nur? ...

Versteht das bitte nicht falsch- ich freue mich auf euch, sehr sogar. Aber etwas wird mit Sicherheit fehlen! Und sei es nur die lateinamerikanische Hintergrundmusik im Leben. Sei es das Tanzen bei Jorge, sei es eine strahlende Lucero, die auf mich zu läuft, seien es "meine Sechstklässler", die ich schon fast ins Herz geschlossen habe, sei es die naturelle Vielfalt, die Leichtigkeit, die Unverbindlichkeit (noch immer nicht so ganz peruanisch unverbindlich) mit der ich gelernt habe, zu leben, oder sei es was auch immer. Irgendwas werde ich wohl vermissen.

Vielleicht wird sich in den kommenden 60 Tagen aber noch so viel verändern, dass ich letztlich strahlend (wie damals vor drei Jahren in den USA) das Flugzeug betreten werde. Es bleibt mir nichts anderes übrig- in zwei Monaten werde ich es wissen.

 

Was gibt es Neues aus der Schule zu berichten? Folgendes:

Letzte Woche Donnerstag recherchierte ich zum peruanischen Schriftsteller César Vallejo, fasste die Infos zusammen und Eva übertrug sie auf ein Plakat. Somit organisierten wir den "Día del César Vallejo", den Tag zu Ehren des Schriftstellers. Nach dieser getanen Arbeit fühlte ich mich unglaublich gut. Ich habe endlich mal wieder etwas Sinnvolles geleistet- ein Plakat!

Heute kam es noch besser. Die Lehrerin Ana fehlte, laut Schulleitung "weil sie keine Lust hat", und somit musste ich den kompletten Klassenunterricht "meiner Sechsten" übernehmen. Was macht also eine unvorbereitete Jana, die keine Motivation verspürt, schon wieder die üblichen Englischspielchen anzuwenden? Mathematik. Sofortiger Protest war die Antwort: "Profesora, nos toca comunicación!" ("Kommunikation" wäre laut Stundenplan angesagt gewesen.)

Was macht eine Jana, die selbst noch hier und da Schwierigkeiten in spanischer Kommunikation hat und sich deshalb nicht in der Lage fühlt, den Kindern zu erklären, wie sie Texte zu schreiben haben, während sie selbst über die richtige Grammatik grübelt?

Trotzdem Mathematik. Somit quälte ich die Kleinen mit Bruchrechnung (Brüche und Dezimalzahlen umformen und der Größe nach ordnen). "Me aburre, profesora" ("Mir ist langweilig"), kam mir mindestens fünfmal von einer gewissen neuen Schülerin zu Ohren. Anfangs machte ich mir Sorgen, dass mein Unterricht tatsächlich langweilig wäre, obwohl ich ihn relativ fordernd fand, aber als dann auch die Pause "langweilig", die Mitschüler "langweilig" und ein Mathevergleichstest von der Direktorin in der letzten Stunde, der für Ohrenschlackern und unzählige Spickversuche von Seiten der anderen sorgte, "langweilig" genannt wurden, langweilte mich die Ausdrucksweise des Mädchens nur noch.

Besonders stolz bin ich darüber, dass die Kinder wesentlich ruhiger waren, als in Anas Unterricht und tatsächlich immer das taten, was ihnen aufgetragen wurde. Besonders geärgert habe ich mich über die Schulleiterin und einige Personen des administrativen Personals, da eine meiner Schülerinnen zu Beginn der Pause über starke Magenschmerzen klagte und sich auf Grund von Krämpfen krümmte und nicht mehr auf meine Fragen antworten konnte, jedoch nicht oder nur lahm auf meine Anweisungen, ihr einen Tee zu machen und dafür zu sorgen, dass sie sicher nach Hause kommt, reagiert wurde. Somit dauerte es fast 45 Minuten bis die Arme die Schule verlassen durfte und nach Hause begleitet wurde. Diese Lahmheit in dieser Schule - und das wenn es jemandem so offensichtlich unglaublich schlecht geht... . Für mich unbegreiflich.

 

20. Mai 2012

 

Am 12. Mai fuhren Phia und ich von Comas aus ins Zentrum von Lima, von dort nach Chosica, wo wir uns die Fußballpartie Bayern München- Dortmund ansahen, und von dort weiter nach San Pedro, einem kleinen und noch traditionellen Bergdorf, das von einer bäuerischen Mehrheit dominiert wird. Die vorhergesagte nächtliche Kälte im Hinterkopf behaltend, teilten wir uns, ich in Jeans und mit zwei Pullovern, Socken und Schal schlafend, ein "1.5 Personen-Bett"- genau richtig, um sich gegenseitig zu wärmen. Früh morgens machten wir uns mit einem Führer und zwei uns unbekannten Hunden auf den Weg nach Marcahuasi. Vorbei an Kühen, kleinen Wasserfällchen, gelben Blumen und Kakteen bahnten wir uns den Weg über Stock und Stein, stetig aufwärts wandernd. Marcahuasi selbst beeindruckt durch seine Stille (sofern sie nicht von Campern und anderen Touristen gestört wird) und schöne Landschaft, eine Lagune, Steinformationen, denen eine besondere Energie nachgesagt wird, Ruinen und einer herrlichen Aussicht auf die Wolkendecke und Täler unter einem. Noch am selben Tag mussten wir den Rückweg nach Lima antreten- eine insgesamt siebenstündige Fahrt, auf drei Busse verteilt, stand uns bevor.

 

Am Montag bekamen Eva und ich Projektbesuch von unserer Mentorin, die vorschlug, ich solle den kompletten Matheunterricht der "unfähigen Lehrerin", in deren Klasse ich bereits aushelfe, übernehmen.

 

Am Mittwoch fuhr ich mit Caciles nach Supe, ein Vorort von Barranca, drei Stunden nördlich von Lima, und von dort aus mit einem Sammeltaxi zu den Ruinen von Caral, der ältesten bekannten Stadt Amerikas, die in einem Atemzug mit den Kulturen des frühen Ägyptens oder Chinas genannt werden kann.

 

Einen Tag später traf ich mich erneut mit Aglaja, dieses Mal um Cannelloni selbst zu machen und sie anschließend zu ihrer Arbeit zu begleiten. Dort wurde mir angeboten, am kommenden Mittwoch in die Arbeit in den "Comedores" (Suppenküchen) in Comas, allerdings in den Hügeln (ich wohne im "tiefen Teil"), hinein zu schnuppern. Vielleicht gefällt es mir dort, so dass ich häufiger beim Kochen und der Essensausgabe helfen kann, statt sinnlos in der Schule oder sonstwo rum zu sitzen.

 

Der Freitag verlief relativ unspektakulär, ich war im Kino, während mein Samstag voller Unternehmungen war. Alles begann mit einer trist-grauen Wolkendecke, die mich in eine ansatzweise depressive Stimmung hüllte, welche durch die Schließung "meiner Brötchentienda" zunahm. Als ich meine Brötchen kaufen wollte, musste ich einen offiziellen Zettel an der verschlossenen Tür feststellen, der die Schließung verkündete. Vermutlich wurden die Steuern nicht rechtmäßig gezahlt und nun bleibt nur die Hoffnung, auf eine baldige Neueröffnung, da ich in dem Laden gerne Stammkundin war.

Am frühen Nachmittag kamen Aglaja, Max, ein mir bis dato unbekannter Freiwilliger aus der Nähe von Oxapampa, eine deutsche Freundin von ihm und eine peruanische Freundin von Aglaja zu Besuch. Bei Phia guckten wir das Champions-League Finale Bayern München-Chelsea. Erstaunlicherweise war unter uns kein Bayern Fan, so dass wir über den Sieg von Chelsea nicht traurig, sondern eher froh waren und beim Elfmeterschießen miteiferten. Mittags Live-Fußball zu schauen ist jedoch sehr gewöhnungsbedürftig- ich lobe die nachmittäglichen/abendlichen Spiele in Deutschland.

Abends musste ich 6.5 Kg feuchte Wäsche von der Wäscherei zu mir in die Wohnung schleppen und aufhängen, bevor ich gegen 22 Uhr mit Phia Bety aufsuchte. Diese war jedoch noch nicht, wie vereinbart, zu Hause, sondern aß noch in einem kleinen "Restaurant" in der Nachbarschaft zu Abend. Nach 23 Uhr war sie so weit, dass wir Jorge und seinen angeblich besten Freund Walter abholen konnten, wobei wir nochmal eine gefühlte halbe Stunde vor Jorges Haus warten mussten. Gemeinsam nahmen wir ein Taxi zu der Wohnung eines anderen Jorge, ebenfalls Tanzlehrer und Geburtstagskind.

Die Geburtstagsfeier machte den Anschein, als wäre die komplette schwule Riege, alle mit gleicher Frisur (!), des nördlichen Limas versammelt gewesen. So ein Rumgehüpfe, Gepose vor Kameras und so viele Scherze sowie die Torte, die dem Geburtstagskind ins Gesicht geklatscht wurde, bescherrten mir einen Lachmuskelkrampf, den ich schon seit langer Zeit nicht mehr hatte. Zwar fühlte ich mich die ganze Zeit etwas als Außenseiterin, aber es schien fast allen "Nicht-Schwulen" genauso zu ergehen und es war sehr angenehm, einmal NICHT zum Tanzen aufgefordert zu werden. Das wäre dort ein noch größeres Desaster geworden, als es anderen Ortes ohnehin schon ist, da einfach jeder anwesende Peruaner überdurchschnittlich sehr gut tanzen konnte (und der durchschnittliche Peruaner tanzt schon überaus gut!), da alle aus dem Genre "Tanzlehrer" oder wenigstens "Tanzschüler" im Fitnessstudio stammten. Ich begnügte mich also damit, Salzstangen und später an einem Hühnchenteil knabbernd, die äußerst ästhetischen Tänze, zum Teil Herr mit Herr, zu bewundern, möglichst unauffällig das ein oder andere Foto zu machen und mich gegen Ende sehr gut mit Walter zu unterhalten, der mir gestand, dass diese ganzen Schwulen ihn manchmal sehr verwirren. Verständlich- so wie die von gestern auf heute abgegangen sind!

Gegen 3.30 Uhr machten Jorge, Walter, Phia und ich uns in einem Taxi, Bety und einige andere in einem anderen Taxi, auf den Rückweg.

Beim Bulevard von Comas angekommen ließen Jorge und Walter es sich nicht nehmen, Phia und mich durch den Bulevard zu begleiten, so dass uns die übliche Flirterei weitesgehend erspart blieb. Allerdings meinte Jorge, auf meine Nachfrage antwortend, er würde heute zum Tanzen gehen. Wer geht heute zum Tanzen? Richtig, Jana. Wer nicht? Richtig, Jorge. Ein Gutes hat es: Ich finde Zeit, meinen Blog auf Vordermann zu bringen.

Nachher werde ich mich noch mit Yazmin treffen.

 

Morgen steht eine Verabredung mit Marina in La Molina auf dem Plan, am Dienstag werde ich mal wieder im Kinderheim aushelfen und am Mittwoch, wie erwähnt, in einer Suppenküche arbeiten. Am Donnerstag könnte es sein, dass ich doch nochmal mit Caciles direkt nach Barranca fahren werde...wer weiß?

 

11. Mai 2012

  

 Tatsäch wurde aus "Barranca mit Caciles" ein "Canta mit Caciles". Canta ist ein Dorf ca. drei Stunden östlich von Lima und besticht durch seine Lage in den Andenausläufern. Mit einem Mototaxi sind wir zwei Stunden lang zu zwei Wasserfällen und zwei weiteren Aussichtspunkten gefahren.

 

 Heute Abend gab es einen langen, ca. zweistündigen Stromausfall, was dazu führte, dass Eva und ich uns überlegten, was geschehen würde, wenn die Terroristen des „Sendero Luminoso“ („Leuchtender Pfad“) erneut Lima erreichen (und wie früher unter anderem für Stromausfälle verantwortlich wären) würden. Aktuell treiben sie nämlich vermehrt ihr Unwesen in den Dörfern um Cuzco herum, ermorden um Angst und Schrecken zu verbreiten und sorgen somit für Schulausfälle in einigen Gemeinden. Sollte der Sendero Lima, oder sogar Comas erreichen, würden Eva und ich vermutlich früher ausreisen müssen.

Zudem sorgte der Stromausfall dafür, dass wir in der WG zum ersten Mal seit neun Monaten gemeinsam zusammen saßen und bei Kerzenschein Karten spielten. Ein Jammer, dass es dafür erst zu einem Stromausfall kommen muss.

 

In der Schule wurde heute der Muttertag gefeiert. Sämtliche Klassen führten Tänze auf und alles zog sich wieder unglaublich in die Länge. Zu Beginn wurden Eva und ich mit der Aufgabe betraut, Guanábanas (die Guanábana ist eine peruanische Frucht ähnlich der ebenfalls peruanischen Chirimoya) zu schälen und zu entkernen, was sich in eine große weiße, glibschige Pampe (eine Ähnlichkeit zu Tintenfischgedärmen könnte bestehen) entwickelte und uns nicht anregte, das Guanábana-Cocktail am Ende der Festlichkeiten zu trinken. Ich trank es trotzdem. Ich muss es nicht wieder trinken.

Während der Festlichkeiten sollten alle Lehrer eine Anstecknadel tragen und für den Anschluss wurden alle Lehrerinnen zum Mittagessen eingeladen. Eva und ich wurden auch als "Nicht-Mütter", wohl aber potentielle Mütter der Zukunft, geehrt. (Etwas befremdlich, aber durchaus lustig.)

Der Lehrer Christian hielt während des Essens eine kurze Rede, in der er darauf hinwies, dass die Frau der wichtigste Bestandteil einer jeden Familie wäre, da sie sich, jedenfalls in Peru (Blick in Richtung Eva und mir), um das Heim und die Kinder kümmert, während der Mann fernab von der Familie arbeitet.

Er erntete zustimmendes Kopfnicken und Lächeln von allen (außer Eva und mir). Wenn das nicht wieder jedwegiges Rollenbild unterstreicht... .

 

Als Außenstehende amüsant fand ich auch, dass Kinder während des Festes über die Schulmauer geflohen sein müssen. Gustavo hatte nämlich sein Auto an der Schulmauer geparkt und als wir einsteigen wollten, fielen uns ein zerdelltes Dach und Abdrücke von Kinderschuhen auf Dach und Motorhaube auf. Gustavo quittierte dies, statt wütend zu werden, mit einem Lachen und drückte das Dach von innen wieder nach oben. Die Mühe, die Schuhabdrücke weg zu wischen, machte er sich nicht.

Das nenne ich Gelassenheit...und noch besser: Ich weiß jetzt, wie ich aus der Schule fliehen kann, wenn die Tür mal wieder verschlossen und der Schlüssel unauffindbar ist...Gustavo müsste nur sein Auto an der Schulmauer geparkt haben. ;)

 

Bitte entschuldigt das Schriftbild. Wegen des Stromausfalles (gleichzeitiger Internetausfall) musste ich meinen Text zunächst in einem Word-Dokument schreiben und dann in meinen Blog kopieren, wobei ich nun die Schrift nicht mehr ändern kann. Vergebt mir bitte, aber ich bin nicht erpicht darauf, alles erneut abzutippen oder weiterhin zu probieren, die Schrift zu verändern. ;)

 

09. Mai 2012

 

Ein Delfin-Pelikan-Massensterben lässt Wissenschaftler ein gefährliches Virus im Meer oder seismische Wellen von Erdölsuchschiffen vermuten. Aglaja meinte während unsere Jogurt-Frühstückes, ich solle aktuell lieber keinen Fisch essen, bis der Ursache für das Tiersterben vor der peruanischen Küste auf den Grund gegangen wurde. Leider habe ich in den letzten Tagen vermehrt Fisch, zum Beispiel Ceviche, gegessen.

 

Jorge beging gestern den psychologischen Fehler, Phia zu fragen, ob sie mit Lucero vorne auf dem Podest tanzen wolle, diese ablehnte, und anschließend mich wie folgt fragte: "Du auch nicht, Jana?" Somit meinte ich natürlich: "Nein." Hätte er mich statt der negierenden Frage direkt aufgefordert, vorne zu tanzen, hätte ich es wahrscheinlich sogar gemacht. Das ist mir allerdings hinterher erst bewusst geworden.

Ganz am Ende des Jahres, in ca. 70 Tagen, könnte ich mir durchaus vorstellen, einmal vorne den Hampelmann gemimt zu haben.

 

08. Mai 2012

 

Durch die Fahrt nach Trujillo sind Phia, Eva und ich unwissentlich einem recht starken Erdbeben in Lima entkommen, letzte Nacht gab es jedoch erneut ein leichtes Beben. Kurz kam mir der Gedanke: "Aufstehen, Schlüssel holen und Eva beruhigen?" Und doch habe ich letztlich tatenlos weitergeschlafen... . Morgens hatte ich das Beben bereits vergessen, bzw. kam es mir eher wie ein Traum vor, doch beim Tanzen sprach Jorge es an, so dass ich es nicht als Einbildung einzustufen habe. Auf Grund der erneuten Erdbeben sind die Themen "Weltuntergang", "Vorhergesagtes Erdbeben der Stärke 8" und "Packe deinen Notfallrucksack!" natürlich wieder aufgewärmt.

Beim morgendlichen Montags-Appell in der Schule wurde jedoch nur eine Drogenbande, aus 14- 17-jährigen Jugendlichen bestehend, erwähnt, die ebenfalls ihre Runden durch die peruanischen Schlagzeilen macht und ich sollte für eine Lehrerin, Ana, eine Zeitung kaufen, damit die Kinder einen Artikel zum Thema lesen könnten und sich von Drogen fern halten würden. Während des Appells wurde außerdem dreifach verkündet, dass der Vater von einer der Angestellten, der "Hauptsekretärin", gestorben war. Für den Vater wurde gebetet und es gab statt einer Schweigeminute für ihn, eine Minute des Applauses, da er sich vorher so rührend um seine Kinder gekümmert habe. Die Sekretärin schien sich über die Aufmerksamkeit gefreut zu haben, ich fand das alles jedoch etwas zu ausschweifend. Für verstorbene Eltern von den Kindern o.Ä. wird doch auch nie in der Schule gebetet?

 

Die Fahrt nach Trujillo war insgesamt ein lohnenswerter Ausflug, wenn doch die Rückfahrt lang(weilig) war.

Phia hatte auf dem Hinweg das Pech, neben einer überaus fetten (!) stinkenden und unfreundlichen Frau sitzen/liegen/schlafen zu müssen. Während der Rückfahrt wurden wir dagegen alle gleichsam von einem qualitativ schlechten Fernseher, qualitativ schlechtem Soundsystem bei gefühlt voller Lautstärke und qualitativ schlechten Filmen gequält.

Am Samstag buchten wir sofort nach der Wahl unseres Hostels (im Reiseführer wurden die Zimmer als Gefängniszellen beschrieben, aber der verhältnismäßig günstige Preis machte auch die überschwemmte Toilette und die Zuschauer während des Zähneputzens wett) eine Tagestour zu der "Huaca del Sol y de la Luna" ("Pyramide/Tempel/indianische Begräbnisstätte der Sonne und des Mondes"), zu der "Huaca Arco Iris" (auch "Huaca del Dragón" oder "Huaca dorada" genannt -> "Pyramide/Tempel/... des Regenbogens", "Pyramide/.../... des Drachen" oder "Goldene(r) Pyramide/.../..."), nach Chan Chan mit dem "Palacio Nik-An" und an den Strand von Huanchaco.

Ich dachte bisher, dass Huaca mit "Pyramide" übersetzt werden kann, unser Touristenführer übersetzte Huaca jedoch mit "Tempel" und das online-Wörtbuch meines Vertrauens übersetzt es mit "indianische Begräbnisstätte". Sucht euch die Übersetzung also selbst aus oder stellt tiefgründigere Recherchen an.

Die Huaca del Sol y de la Luna überzeugte mich vorwiegend auf Grund der noch erhaltenen Verzierungen und Farben, auch die Abbildungen der Huaca Arco Iris gefielen mir und Chan Chan trumpft durch seine Vergangenheit als Hauptstadt der Chimú und heute als größte bekannte pre-kolumbianische Stadt Lateinamerikas auf.

Am Sonntag hatten leider die meisten Häuser im Kolonialstil, die zu besichtigen wären, geschlossen. Somit fanden wir uns mit einer Militärparade rund um die Plaza de Armas ab, philosophierten über die Gründe, dem Militär beizutreten (Caciles meint, neben Patriotismus, sei der Hauptgrund für die Peruaner eine sichere Anstellung nach kurzer Ausbildung mit festem Gehalt) und besichtigten neben der Kathedrale eine weitere Kirche. Anschließend machten wir uns bereits auf den Weg zurück nach Lima.

Fotos von Trujillo sind bereits hochgeladen.

 

Kommendes Wochenende werde ich vermutlich mit Phia über Chosica nach San Pedro/Marcahuasi, östlich von Lima, fahren. Da freue ich mich schon drauf!

Meine weiteren Pläne für diese Woche:

Morgen werde ich wahrscheinlich mit Aglaja frühstücken, am Donnerstag mit Caciles nach Barranca, nördlich von Lima, fahren, weil er mir zeigen möchte, wo er sein "Maní" (Erdnüsse) kauft und wie der Handel mit den Bauern funktioniert (vielleicht landen wir im Endeffekt aber doch wieder an einem ganz anderen Ort?) und am Freitag werden, wenn ich das richtig mitbekommen habe, für den sonntäglichen Muttertag Aktionen in der Schule statt finden.

 

03. Mai 2012

 

Der Supermarkt Metro feiert heute den "Día del trabajador" (Tag des Arbeiters-> Tag der Arbeit). Eigentlich wird der jedoch in Peru, wie auch in Deutschland und etlichen anderen Ländern dieser Erde, am 1. Mai gefeiert. Macht denn hier jetzt jeder, was er will?

Für mich hat das jedenfalls zur Konsequenz, kein Geld vom Bankautomaten im Metro abgehoben zu haben und die Zahlung der Miete auf morgen zu verschieben. Mein morgiger Tag: 1. Tanzen, 2. Miete zahlen und Rucksack packen, 3. Den Grund für das Packen in Angriff nehmen: Über das Wochenende mit Phia und Eva nach Trujillo, eine koloniale Küstenstadt ca. acht Stunden nördlich von Lima und in der Nähe der Chan Chan Pyramiden (die ihr vermutlich nicht kennt- Kulturbanausen), fahren.

Die eher unwichtigen Dinge des Lebens (essen zum Beispiel) erwähne ich nicht. (Bzw. habe dies somit doch getan.)

 

Die letzten Tage zeugten in meinem Fall von ausgesprochener Sportlichkeit. Bis zu zweimal am Tag war ich entweder im Fitnessstudio oder habe mich an dem Pyramiden-Staubhaufen in der Nachbarschaft (siehe Bericht des Monats zuvor) vorbei laufend aktiv betätigt.

Zugleich waren sie dank des verlängerten Wochenendes (es gab auch für Schüler/Lehrer hier einen Brückentag vor dem 1. Mai) entspannt (was nicht heißen soll, das mein derzeitiges Leben sonst nicht in die lockere Lebensart einzustufen wäre).

Am Freitag habe ich mich abends mit Freunden zum Weggehen getroffen. In diesem Sinne habe ich gelernt, was "Wachiturros" und "Piranhias" wirklich sind. Wachiturros, den Begriff kannte ich nur aus einem Lied, sind so etwas wie "Bonzen" und Piranhias sind so etwas wie Herumtreiber, die dann und wann klauen. Der Bulevard von Comas mit seinen Diskos und Clubs soll der Treffpunkt von Wachiturros und Piranhias sein. (Nebenbei sei zu erwähnen, dass ich genau hier wohne.)

Am Samstag traf ich mit Aglaja, einer anderen mir zuvor unbekannten deutschen Freiwilligen in Comas. Gemeinsam kochten wir eine leckere Gemüselasagne und abends fand ich mich zur Jubiläumsfeier des Fitnessstudios an eben jenem Ort ein.

Sonntag und Montag verliefen ereignislos, wenn ich mich richtig erinnere. An einem der Tage kam der Englischlehrer "meiner" Schule vorbei und fragte, ob ich spontan Lust hätte, nach dem Motto "Eigentlich gibts hier kein Geld, aber für Bier ist immer welches da" mit ihm und Freunden ein Bierchen zu trinken. Mit Phia und Eva im Schlepptau ging ich mit.

Am Dienstag fuhr ich dann mit Caciles nach Chancay. Eigentlich wollten wir nach Caral oder Canta, aber aus einem mir nicht begreiflichen Grund wurde es das "Castillo" (die Burg) von Chancay, ein Ausflugsziel limenischer Familien, eine Stunde nördlich von Lima gelegen. Ich konnte dieser "Burg" allerdings recht wenig abgewinnen, da sie mit den mir bekannten europäischen "Bauten" auf Grund ihrer Architektur, kitschigen Inneneinrichtung (speziell für peruanische Touristengeschmäcker) und des Alters von nur 100 Jahren wenig gemein hat.

Immerhin konnte ich den Tag trotzdem sinnvoll nutzen.

Lima von oben
Lima von oben