März 2012

24. März 2012

 

Bässe dröhnen und holen mich aus dem Schlaf. Um 4.35 Uhr kehrt mein Mitbewohner Percy mit seinen Saufkumpanen aus dem "Park" vor der Tür zurück, dreht seine Anlage voll auf und verkriecht sich mit vielen Litern Bier und seinen Kumpanen auf seinen Balkon. Seine Zimmertür geöffnet, wache ich also mitten in der Nacht auf und überlege gezwungernermaßen, ob ich Regel 10 eines Ratgebers der Süddeutschen Zeitung (Artikel) anwenden, oder es bei stillem Groll belassen soll. Ich belasse es bei stillem  Groll. Ab 6 Uhr höre ich keine Musik und krachende Fensterscheiben (durch den Bass) mehr. Bis 15 Uhr liegt mein Mitbewohner in friedlichem Schlaf. Ein Hoch auf das WG-Leben. Gestern fand die Überraschungsgeburtstagsparty für Birte statt, wegen der ich im Voraus das ein oder andere organisieren musste und abends in den Genuss von Spaghetti und einem "Alfajor-Kuchen" (riesiger Alfajor-Keks, in Südamerika bekannter Keks mit süßer, klebriger Füllung") kam.

Heute stand dann vorwiegend eine Putzaktion auf dem Plan. Es ist unglaublich: Wenige Sekunden nach dem Staubwischen hat sich schon wieder eine neue Staubschicht auf die Möbel gelegt! Comas, Comas, ... .

 

22. März 2012

 

Am Samstag ging ich mit dem "Markttypen" Caciles ins Schwimmbad (diese Aktion wird sich heute Nachmittag vermutlich wiederholen), anschließend mit Phia zu der Eröffnung eines Restaurants gegenüber des Fitnessstudios, da uns der ehemalige Türsteher des Fitnessstudios (neuerdings Türsteher des Restaurants) erzählte, die ersten 50 Besucher würden ein kostenloses Hühnchen-Essen erhalten, und abends gingen wir gemeinsam zu einer "Reunión" (Treffen, in diesem Fall mit viel Alkohol) von Diego. Wie (fast) immer waren wir gegen 2 Uhr die ersten, die sich wieder auf den Heimweg machten. Am Sonntag dagegen fuhren Phia, Lucero, Yazmin und ich an einen Strand in Chorrillos (Lima). Dort trafen wir auch Birte, doch leider hielt die gute Strand-Laune nicht lange an. Gerade hatten wir uns eine ordentliche Sonnencremedröhnung gegeben und die Füße zum ersten Mal ins kühle Nass getaucht, als Yazmin mit Schrecken feststellte, dass ihre Tasche gestohlen worden war. Zwar war Birte mit den Handtüchern und Habseligkeiten zurück geblieben, doch der Dieb blieb unentdeckt. Da Yazmin verständlicherweise verstört war (in der Tasche befanden sich ihr Handy, eine Fotokamera, Geld und ihr Ausweis), fuhren wir nach nur 15 Minuten Stranderlebnis zurück nach Comas.

Der Montag und Dienstag waren relativ ereignislos, wobei zu erwähnen bleibt, dass mich die peruanische Spontanität am Dienstagabend erneut erfreute. Nach dem Tanzen wurde wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Lucero, Phia und ich Jorge, Bety, Mirian, Albert und Juan zum "Torte-Essen" begleiten würden. (Warum ausgerechnet um 22.30 Uhr Torte gegessen werden muss, bzw. warum manch einer davor noch nicht zu Abend gegessen hat, weiß ich nicht. Bzw. frage ich mich, warum sich die werte Gesellschaft dann wundert, dick zu sein/werden.)

Für den 20. Juli stehen übrigens schon drei bis vier Geburtstagsfeiereinladungen aus. Immer wenn das Thema "mein Geburtstag ist später als der 21. Juli (mein Abflugstermin)" aufkommt und ich dann erwiedern muss, leider nicht an der Feier teilnehmen zu können, da ich mich zu dem Zeitpunkt bereits in Deutschland befinden werde, werden sämtliche Feiern auf den 20. Juli vorverlegt. Das freut mich doch sehr! Allerdings sind alle Angeben wie immer ohne Gewähr und es könnte sein, letztlich ohne Geburtstagsfeier am 20. Juli dazu stehen. Así es la vida en el Perú.

Langsam wird mir bewusst, wie wenig Zeit (4 Monate/120 Tage) ich hier nur noch habe und dem sich nähernden Abschied blicke ich bereits nicht mehr nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge entgegen. Aus diesem Grunde habe ich mich nun auch dagegen entschieden, nach Tarapoto zu wechseln. Die letzte Zeit in Comas möchte ich ausnutzen und bestmöglich genießen.

Gestern brachte Albert zum Fußballspiel Chile-Peru gefüllte Kartoffeln mit. Peru verlor das Spiel und ich muss lernen, wie man diese leckeren Kartoffeln zubereitet.

So viel erstmal dazu. Vielleicht werde ich mich vor der Reise mit meiner Mutter nochmal melden, ansonsten könnte es sein, dass wir uns erst Mitte/Ende April wieder schreiben/lesen. Bis bald, beste Grüße! :)

 

19. März 2012

 

Am 08. März kam Albert (eine Stunde verspätet) vorbei, brachte immerhin Tamales und Torte mit, und "lernte" mit Phia und mir Deutsch bzw. Spanisch.

Eine Woche später sollte das Treffen wiederholt werden, fiel jedoch aus (der peruanischen Zuverlässigkeit sei Dank) und wurde auf übermorgen verschoben. Am 09. März fuhr ich, wie angekündigt, mit Bety und Jorge sowie drei weiteren Chicos (einer davon anfangs eher anstrengend, weil er die ganze Zeit so tat, als wäre ich Britney Spears und mich auf englisch interviewen wollte - bis Bety meinte, ich wäre eine von ihnen und er solle mich so behandeln- Danke, endlich jemand, der es verstanden hat!!) und drei anderen Chicas zur Costa Verde (Miraflores, unterhalb des LarComar) an den (Stein-)Strand. Bevor es im Taxi eingequetscht los gehen konnte, musste darauf gewartet werden, dass alle letztlich eintrudelten. Zwei Stunden wartete ich bei Bety auf dem Sofa. Zum Glück nicht alleine. Einige Frauen (die meisten um 40 rum) aus dem Fitnessstudio waren schon vor mir da, ebenso Juan (Carlos) und Jorge kam auch nach nur kurzer Zeit in seiner Wohnung (ich weiß jetzt, wo er wohnt: Seine Hausnummer ist 245, falls das irgendjemanden interessieren sollte und die heutige frühmorgendliche Entschuldigung, er wäre auf Grund des starken Verkehres zu spät zum Tanzen gekommen, kaufe ich ihm nicht mehr ab, da er drei Minuten (zu Fuß) vom Fitnessstudio entfernt wohnt und wohl schlichtweg verschlafen/die Zeit vertrödelt hat).

Am Strand war es äußerst lustig.

Jorge verlor seine Flip Flops, das Meer trug sie davon und keiner traute sich, ihnen hinterher zu schwimmen und sie zurück zu holen. Keiner außer mir. Ich wollte die Flip Flops retten, doch man ließ mich nicht. "Die Felsen, die Wellen, welch Gefahr!" Peruaner und das Wasser - sie haben mich noch nicht schwimmen sehen und ich behaupte, dass der Strandabschnitt nicht allzu gefährlich gewesen wäre.

Es wurden Photos gemacht..und noch mehr Photos..und weitere Photos.

Und es wurde gegessen. Zum Frühstück wurden Brötchen mit einem mickrigen Stück "Hühnchensehne" und dafür umso mehr Mayonaise und "Pommes-Chips" belegt. Zum Mittagessen wurden Kartoffeln, salzige Kekse und Thunfisch aus der Dose gereicht. Zwischendurch gab es massenweise Obst und ich probierte zum ersten Mal "Mini-Mangos"- so lecker wie große peruanische Mangos, aber einfacher zu essen.

Am Samstag darauf musste ich (schon wieder) zwei Stunden auf den "Markttypen" Caciles warten, der, bevor wir starten konnten, noch Bankgeschäfte erledigen musste. Um 11 Uhr statt um 9 Uhr fuhren wir mit einem Freund von ihm, der behauptet, den ehemaligen Präsidenten Alan Garcia zu kennen und für ihn gearbeitet zu haben, sich jedoch alles von Caciles bezahlen ließ- so gut kann er also nicht verdient haben, obwohl er mit seinen Reisen etc angab, über die Panamericana in den Süden. An Chilca vorbei ging es nach Azpitia, ein "grüner Fleck" in der Wüste. Wein, Obst, Äpfel, Bananen -fruchtbares Land gibt es in Azpitia. Früher soll dort ein Inkaherrscher gehaust haben, heute hat dort Claudio Pizarro ein "Ferienhaus" fernab vom Ferienhaus. Wenn er seine Freizeit nicht in Deutschland, sondern in seinem Heimatland Peru verbringt, kann er sich zwischen einem Haus in Lima und einem seehr großen Grund in Azpitia entscheiden. Nach dem Mittagessen und einem guten Wein fuhren wir nach Asia. Asia ist für die Ferienhäuser reicher Limenos und starken Rassismus bekannt (die Kindermädchen der Reichen dürfen beispielsweise nicht das Meer betreten) und hat auf mich einen zu kommerzialen Eindruck gemacht. Abgesehen von Strand, gleich aussehenden weißen Häusern und Diskos gibt es dort nur Bars, Kneipen, Restaurants und teure Kleidungs-/Auto-/...Läden.

Abends fuhren Lucero, Phia und ich in die Nähe "meiner" Schule, da dort Juan lebt und seinen Geburtstag feierte. Durch eine Pinata (siehe Reisebericht für Definition) erhielt ich ein Plastikei in einem hässlichen Rosaton. Bety deutete an, ich solle mich damit einreiben. Dies verwirrte mich, Phia und Lucero erklärten jedoch, dass es hier in Peru Glück bringen soll, wenn man sich mit Eiern einreibt. (Vielerorts, zum Beispiel im Regenwald, trifft man auf "Brujo Mercados" ("Hexenmärkte"), wo nicht nur tote Vögel, Ketten aus Zähnen, Totenköpfe, kleine Statuen, Amulette,.. gekauft, sondern auch an Zeremonien teilgenommen werden kann. Bringt es auch Glück, sich mit einem Nackthund (!) oder Gürteltier (!) einzureiben? Vielleicht..wer weiß?)

Am 11. März feierte Birte in ihren Geburtstag rein. Nach einem morgendlichen Einkauf meinerseits buken Phia und ich einen (Eigenlob, aber meiner Meinung nach wahr) leckeren Limetten-Kuchen für sie und machten uns nachmittags zu ihr auf den Weg.

Am 12. März traf ich mich mit Yazmin und einen Tag später ließ ich die morgendliche Schule ausfallen (später findet ihr Neuigkeiten, was die Schule betrifft) und begrüßte den neuen Tag tanzend im Fitnessstudio. Von Mirian wurden Lucero und ich gefragt, ob wir Lust hätten, mit ihr und anderen wie Bety und Jorge bei einem Antonio (der sieht immer so aus, als würde er in einer Regenjacke tanzen, sucht sich eine Ecke im Raum und tanzt absichtlich  auf eigene Faust völlig unkoordiniert aus der Reihe) zu frühstücken. Lucero meinte die ganze Zeit histerisch flüsternd zu mir: "Que palta, me da vergüenza" (ihr wäre das so peinlich - warum habe ich nicht ganz verstanden, ich fand es voll cool, gefragt worden zu sein). Ich zog sie jedoch mit und ließ ihr keine andere Wahl, was letztlich auch für sie sicherlich schöner war. Ich jedenfalls habe an dem Vormittags gelernt, dass ich Haferflocken mit Milch esse, die Peruaner jedoch umgekehrt Milch mit Haferflocken trinken. Jorge fragte mich, ob ich Kaffee oder "X?Y?Z!?" trinken wolle. Ich war mit dem "X?Y?Z!?-Teil" überfordert, weil ich ihn einfach nicht verstand. Kurzerhand wurde mir also eine riesige Tasse in die Hand gedrückt: "Trink!" Ich trank. "Und? Kaffe oder "X?Y?Z!?"? Ich entschied mich für "X?Y?Z!?" (sagte "Das da"), was letztlich "Quakers" (Haferflockenmarke), spanische Aussprache, bedeutete. Warum mir nicht einfach "Leche con avena y canela" ("Milch mit Haferflocken und Zimt") erklärt worden war, weiß ich nicht. Immerhin konnte ich mich revanchieren, als trotzdem noch Kaffee gekocht (!) werden sollte. In Antonios Haushalt gibt es neben Plastikbüsten, die eigentlich in ein Setting aus dem alten Rom oder Athen gepasst hätten, nämlich eine Kaffeemaschine. 

Diese löste pure Überforderung von Seiten der Peruaner aus. Gewöhnlich wird hier Kaffeepulver mit heißem und anschließend kaltem Wasser gemixt-fertig ist die Brühe. Nun durfte also ich ran und die Kaffeetrinker vor einer Überdosis Koffein retten (da immer mehr Löffel in die Maschine gekippt wurden, ohne auf das Wasserverhältnis zu achten).

Nach dem abendlichen Tanzen fragte Bety, ob Lucero, Phia und ich mit ihr, Jorge und Mirian bei ihrer Mutter Abendessen wollten. Zwar hatte ich schon gegessen, kam aber wegen der Gesellschaft mit und fand mich in der Nähe, in einer Wohngegend mit Grill auf der Straße wieder. Hier wurden Anticuchos (Rinderherzen-lecker!), Rinderblase (vor dem Probieren wollte mir keiner sagen, was ich essen würde) und frittierte Hühnerflügelchen verkauft. Manchmal kann die peruanische Spontanität erfrischend sein.

Am Donnerstag (16. März) ging ich mit Caciles, dem "Markttypen" ins Kino, weil Braulio, mit dem ich eigentlich verabredet gewesen war, spontan auf Nachfrage absagte. Manchmal kann die peruanische Spontanität sehr nerven.

Freitag traf ich mich mit Paolo (Dianas Bruder) und Diana bei ihnen zu Hause, um einen Film anzusehen. Diesen verschlief ich jedoch und wachte just in dem Moment auf, als Paolo ihn ausschaltete, weil er ihm zu brutal war. Irgendwie musste ich dann noch zurück in meine Wohnung kommen. Ich stand also gefühlt mutterseelenallein in der Dunkelheit am Rande der Tupac Amaru, einer langen Parallelstraße zur Universitaria und der Av. Retablo, wo ich wohne. Geeignete Combis kamen nicht des Weges und somit entschloss ich mich, mit einem ebenfalls wartenden Peruaner zu Fuß zu gehen. Erstaunlicherweise wieder komplett wach unterhielt ich mich mit ihm angeregt über meinen Eindruck, dass Peru ein Land ist, in dem Rassismus sehr präsent ist (er fragte zuvor, ob Europa nicht besonders rassistisch wäre).

Er fragte nebenbei auch noch, was das denn für ein Freund sei, den ich besucht hätte, und der nicht dafür sorgen würde, dass ich sicher nach Hause käme. Ja, was ist Paolo denn für eine Socke? Auf jeden Fall ist er nicht der Machotyp, wie der Großteil der anderen Peruaner. Demnach wollte er mich auch nicht nach Hause bringen. Demnach konnte ich aber auch mit ihm tiefgründige Unterhaltungen darüber führen, dass tiefgründige Unterhaltungen unter den meisten Peruanern nicht möglich sind (sein persönlicher Eindruck und meiner auch zum Teil) und er erzählte mir, dass ihm unterschiedliche Redensarten (im Spanischen natürlich) in Verbindung mit Charaktereigenschaften und Studienwunsch uns deutscher Freiwilliger (Phia, Eva, Birte, ich) aufgefallen sind. Eva, Phia, Birte und ich würden alle unterschiedlich betonen, mit mehr oder weniger Gefühl sprechen,.. sehr interessant diese Persönlichkeitsanalyse von einer außenstehenden Person! Wer näheres zu seiner Einschätzung wissen will, kann mich gerne konsultieren. Andererseits stellte er auch "Fehler" fest, die wir alle gleichsam machten. So verwenden wir häufig "tengo que..." ("ich muss, ... XYZ machen").

Zum (überdeutlichen) Beispiel: "Quieres ir a la playa este fin de la semana?" (Willst du dieses Wochenende an den Strand gehen?)

"No puedo, tengo que encontrarme con otro amigo" (Ich kann nicht, ich muss mich mit einem anderen Freund treffen.)

Natürlich "müssen" wir uns nicht mit einem Freund treffen, sondern machen dies gerne und freiwillig, für uns Deutsche ist dies aber ein feststehender Termin und somit auch irgendwie doch eine Verpflichtung. In Peru gäbe es solche Verpflichtungen nicht. Scheinbar hat kaum einer in meinem peruanischen Bekanntenkreis einen Kalender (eine "agenda") und somit entfällt auch im kulturellen Sprachgebrauch die Häufigkeit von "tener que". Äußerst interessant. Angeratene Alternative: "Debo encontrarme con otro amigo".

Das peruanische Spanisch ist wirklich "chevere" (cool)- und da bin ich schwupps beim nächsten Thema angelangt. Es ist bekannt, dass die Facebook-Sprache grammatikalisch nicht ganz korrekt ist. Auch nicht im Spanischen. Einige Abkürzungen:

Estamos, estoy, espero,.. -> das "e" muss weg: Stamos, stoy, spero,..

Que -> q oder k   Por -> p oder x ("por" kann auch "multipliziert" heißen, deswegen "x")

Porque, por que -> pq oder xq, p q oder p x

Chevere -> Xevere, Xebere, Chebe, Cheve, Chvr, Xvr, ... (hier wird deutlich, dass v und b oft verwechselt werden, so auch gerne im Wort "Cev/biche" / "Cev/bichería", welches man überall liest (Ceviche ist ein fischiges Nationalgericht))

Außerdem werden viele Ausdrücke umgangssprachlich "verfruchtet" oder allgemein mit Essen in Verbindung gebracht. "Que palta" (Avokado- Wie peinlich) ist euch bereits bekannt. Es gibt dann aber auch noch "Que piña" (Piña heißt Ananas und der Ausdruck so etwas wie "Was für ein Unglück" oder "Wie schade") oder "este chico es churro" (dieser Junge ist "heiß", gut aussehend, ..., wobei "churros" eigentlich in die Kategorie "Gebäck" fallen). Etwas geschockt hat mich, dass eine Lehrerin in "Facebook-Sprache" an die Tafel schreibt. Akzentzeichen scheinen egal, "que" und "por" werden nicht ausgeschrieben und auch sonst tun selbst mir als eigentlich nicht spanisch sprechende Person die Augen auf Grund vieler Rechtschreibfehler weh. Wen wundert da das lausige Schriftspanisch vieler Peruaner? Mich nicht... . Gelesen wird hier schließlich auch weniger bis gar nicht.

In der Schule habe ich begonnen, die ersten Umweltworkshops für die vierten bis sechsten Klassen zu organisieren (im April nach der Reise mit meiner Mutter soll es los gehen) und die Schulleiterin hat mich gebeten, besagte "Tafelschrift-Lehrerin" zu "beobachten" und ihr (der Direktorin) rück zu melden, wie sie ihren Unterricht gestaltet. Angeblich möchte die Schulleiterin besagte Lehrerin feuern, wegen Korruption und "Freunden", die die Lehrerin im Bildungsministerium hat, geht das aber nicht. Nun soll ich also als kleine Spionin arbeiten. Tut mir Leid, aber auch auf Denunziantentum habe ich eigentlich keine Lust. Optimal gestaltet sich meine Arbeit also, um es kurz zu fassen, immer noch nicht. Dennoch finde ich meine passive Anwesenheit in einer Schulklasse zeitweilig ganz interessant. Heute sollte der Unterricht zum Beispiel nach dem montäglichen Morgenappell beginnen (gegen 8.20 Uhr). Eine Stunde später (!) wurde ich zum Kopieren geschickt, wobei die Kinder ohne Arbeitsblätter gar nicht beginnen konnten. Als ich gegen 12 Uhr die Schule verließ, hätte ich nicht sagen können, was die Kinder von 8 Uhr bis 12 Uhr gemacht oder gelernt hätten, abgesehen davon, dass sie anwesend waren und ständig Tohuwabohu herrschte. Unter anderem mischt eine neue Schülerin ordentlich mit. Bisher fand der "Unterricht" (wenn überhaupt) nur zwischen Lehrerin und den Jungen statt. Diese verhielten sich vorlaut und riefen rein. Die Mädchen saßen eher schüchtern am Rande, sagten keinen Mucks und beobachteten das Treiben (evt mit einem kleinen Lächeln). (Rollenbild!!) Das neue Mädchen in der Klasse, scherzt jedoch mit den Jungen, neckt sie und ich habe die Hoffnung, dass sie ihre Mitschülerinnen etwas "anstecken" kann, auch mal aufzubegehren. Und die Jungen sollten eine große Portion ihres Selbstbewusstseins abgeben!

Den Religionsunterricht fand ich vor einigen Tagen auch aufschlussreich. Der Apfel, den Maria aß, wurde zu Marihuana, die Frau wurde mit Kindern an den Herd gestellt, während der Mann arbeiten sollte, gleichzeitig musste die Frau unendliche Schmerzen bei der Geburt ihrer Kinder erleiden, weshalb die Eltern in Ehren gehalten werden sollen, jeder Mensch glaubt an Gott, wenn auch auf etwas unterschiedliche Weise, und überhaupt ist doch alles ganz eindeutig und es gibt nichts zu hinterfragen! (??Ach Nein??)

 

Fortsetzung folgt

 

08. März 2012

 

Ich freue mich auf das Wochenende voller Pläne! Inzwischen wurde ich zu einer weiteren Geburtstagsparty (von einem Carlos aus dem Fitnessstudio, Freund von Jorge und Bety/ Bekannter von Lucero) eingeladen. Der Markttyp, der mir "ganz Lima" zeigen möchte, erkundigt sich täglich, ob es bei der Verabredung für Samstag bleibt und beteuert jedes Mal, ich sollte mich bei ihm melden, wenn mir langweilig wäre und er würde sich überlegen, was wir unternehmen könnten. Vielleicht komme ich mal auf dieses Angebot zurück. Auf morgen, den Strand, freue ich mich auch. Vielleicht gibt es dann wieder interessante Gespräche wie zum Beispiel zum Thema "Schwulenrechte in Peru/Deutschland/anderen europäischen Ländern" (war vor dem Tanzen vorgestern Thema).

Zudem müsste ich nochmal ganz unverbindlich beim Schneider eine Straße weiter vorbei gehen, weil er mich für diesen oder den nächsten Sonntag zum Ceviche-Mittagessen eingeladen hat und ich dafür nähere Informationen bräuchte.

Bevor ich dann heute Abend zu Albert gehe/fahre, schreibe ich aber noch ganz schnell und in recht kurzer Version den Beginn des langersehnten Reisebericht von Dezember-Januar!  

 

07. März 2012

 

Dreckschicht oder Sonnenbräune? Und wer ist "der Herr"?

 

Gebräunt sind sie, Arme und Hals. Die Frage ist jedoch, sind Sonnenstrahlen oder Dreck und Staub die Ursache? Ich war in meinem Leben noch nie so dreckig! Nahezu täglich kann ich mir hier eine Drecksschicht von der Haut rubbeln (trotz duschens/waschens etc). Glaubt nicht, ich wäre ein kleines Drecksschweinchen - anderen Freiwilligen und offensichtlich auch Peruanern, den Kindern im Heim zum Beispiel, geht es genauso. Ästhetisch ist jedoch was anderes.. .

 

Heute kam mal wieder ein Missionar in die Schule und schenkte Eva und mir jeweils einen Pfirsich. "Der kommt vom Herrn", meinte er. Eva fragte sich dann für den Bruchteil einer Sekunde, wer denn "der Herr" sei. Solche Augenblicke heitern im Organisations- und Kommunikationschaos auf. Noch immer habe ich keinen Stundenplan, versuche jedoch aktuell einen selbst zusammen zu stellen (Englisch- und Naturwissenschaftsunterricht).

Zudem eine kleine Info am Rande: Ich erwähnte bereits, dass Schule und Religion nicht unbedingt von einander getrennt werden.

Heute habe ich in einem Leitfaden der peruanischen Regierung für Schulen gelesen, dass ein Kind im Alter von zwei Jahren den Namen Jesus mit Liebe in Verbindung setzen und sich darüber freuen muss, wenn ihm erzählt wird, dass Jesus auch mal ein so kleines Kind gewesen sei.

 

Gestern im Fitnessstudio war es abends mal wieder sehr lustig und tatsächlich wurde der Standausflug für Freitag näher geplant! Jetzt geht's aber erstmal mit Braulio ins Kino.

 

06. März 2012

 

Während ich dies schreibe, befinde ich mich in einem wahren Dilemma; Ich grübele, ob ich die Gardinen vor meinem Fester zu ziehen soll, oder nicht.

Auf dem Dach gegenüber arbeiten zwei Männer und eigentlich arbeiten die nicht. Eigentlich beobachten sie mich die ganze Zeit - und das stört!! Aber sie starren ganz ungeniert. (Privatsphäre hat hier allgemein einen anderen Stellenwert. Durch offene Türen wird der Passant geradezu verleitet, neugierig in die Häuser, oftmals direkt ins Wohnzimmer, zu gucken und Leute beim Schlafen auf der Couch etc zu erwischen. Dies scheint die Schlafenden jedoch nicht sonderlich zu stören. Schließlich könnten sie andernfalls ihre Tür schließen.)

In meinem Fall könnte ich also die Gardinen nutzen. Dann liefe ich jedoch Gefahr, auf Grund eines Hitzeschlages (es kann keine Luft mehr ins Zimmer gelangen) ohnmächtig zu werden. Ich entscheide mich wohl für die Blicke und gegen die Ohnmacht. Vielleicht sollte ich mal ganz offensiv zurück starren. Wer das Battle wohl gewinnen würde???

 

Gestern war mal wieder einer der belustigenden Tage in Comas. Als ich meine "Smacks" (so ähnlich wie die von Kelloggs) kaufen wollte, ließ mich der Marktverkäufer dann sogleich Erdnüsse und andere, mir unbekannte Dinge, probieren und quatschte sich fest. Samstag möchte er mir "ganz Lima" zeigen (wofür ein einziger Samstag nicht reichen würde).. . Als ich seinem Vater deswegen heute meine Telefonnummer gab (er selbst war nicht anwesend), schien sich dieser ziemlich zu amüsieren.

(Anmerkung am Rande: Letztens schenkte mir eine Marktfrau nach meinem Tomatenkauf sogar eine Grenadilla.)

Abends war Jorge beim Tanzen mal wieder äußerst gut aufgelegt und zählte einmal nicht auf spanisch, sondern auf englisch. Gewitzt fragte er, ob er als nächstes auf deutsch zählen sollte, wobei er auf das "Sii" aus dem "Publikum" nicht reagierte, jedenfalls nicht mit deutschen Zahlen. Später schrieb ich ihn via facebook an und meinte, er solle doch das nächste Mal auf deutsch zählen, ich würde es ihm vorher beibringen. Er schien äußerst motiviert deutsch zu lernen, meinte aber, er würde doch sowieso aus Visagründen nie nach Deutschland reisen. Seitdem ich ihn über die Visaformalitäten aufgeklärt habe, scheint er (kurzfristig vermutlich) ein neues Lebensziel zu haben: "Alemania voyyyyy allaaaa- wiiii" ("Ichhhhh geheeee naaaach Deutschland-wiiiiii"), war sein neuer Facebookstatus. Bis dahin müsse er aber noch viele "Master" (mehrstündiger "Tanzworkshop") veranstalten, um sich die Reise leisten zu können.

Vielleicht klappt das Freitag mit dem Strand? Heute wird mit Lucero gekocht, morgen gehts mit Braulio ins Kino und Donnerstag zum Kochen und Deutsch/Spanisch-Tandem zu Albert (Peruaner, der scheinbar zu viel Geld hat, siehe sein Auto). Sämtliche Angaben sind wie immer ohne Gewähr.

Am Sonntag wird bei Birte in ihren Geburtstag am Montag rein gefeiert- da bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass das auch wirklich statt finden wird!

Abgesehen davon müsste ich mich irgendwann mal dazu aufraffen, Passfotos beim Fotographen machen zu lassen (wen der Preis interessiert: 4 für 6 Soles, eines also für 1.5 Soles, das sind weniger als 50 ct pro Bild!) - beim Friseur war ich immerhin schon. Mit dem Haarschnitt bin ich weder total unglücklich, noch besonders zufrieden, aber etwas anderes habe ich auch nicht erwartet.

 

Zum leidigen Thema Schule:

Seit gestern besuche ich diese Institution wieder und ich gebe zu, das Unglaubliche ist eingetreten: Ich beginne Sympathien für das Personal, was scheinbar nur Brötchen und Milch an die Schüler verteilt sowie schläft, zu hegen! Bisher galt ihnen höchstens Verachtung gepaart mit einer Spur Mitleid, wäre ich Schulleiterin und sollte nachhaltig wirtschaften, würden sie auf der Personalabschussliste ganz oben stehen. Zwar würde ich sie jetzt noch immer vor die Tür setzen, meine Sympathie beruht jedoch auf Zweierlei:

1. Heute wurde ich aktiv gefragt, ob auch ich eines der kostenlosen Brötchen und eine Tüte Milch haben möchte (Brötchen und Milch, finanziert von der peruanischen Regierung, sollen die Grundernährung der Kinder garantieren, da nicht alle Eltern diese sicherstellen können) und

2. ich fühle mich inzwischen genauso unwichtig wie ich ihre Aufgabe sehe. Gleich und gleich gesellt sich gerne- wer kennt das nicht?

Müsste ich Personal entlassen und würde ich für meine Tätigkeit in der Schule ein Gehalt kassieren- ich würde mich selbst feuern!

Und das würde ich sogar gerne tun, denn dann könnte ich mir offiziell eine neue Aufgabe suchen, bestenfalls in Lima ohne umziehen zu müssen.

Die "Arbeit" gestern und heute bestand darin, wartenden Müttern Gesellschaft zu leisten, im Blickfeld aller auf dem Schulhof "Harry Potter" zu lesen, mich mit einem Schüler über "Wii-Spiele" zu unterhalten, von Lehrern zum Kopieren und Einkaufen von Stiften für die Tafel geschickt zu werden und mich über meine zukünftigen Möglichkeiten im Projekt zu informieren.

Aktuell ist das Hauptgebäude der Schule, in dem auch der Computerraum untergebracht ist, eine Baustelle. Ein neues Stockwerk soll gebaut werden und aus diesem Grunde kann keine Computación statt finden (und zwei Klassen wurden für ihren regulären Unterricht auf den Schulhof umgesiedelt, Bänke aufgestellt, eine Tafel davor gestellt- das Image "Entwicklungsland" wird an dieser Stelle dreimal unterstrichen).

Weiterhin hat Eva kund getan, gar nicht mehr für Computación zuständig sein zu wollen und ich habe mich ihr angeschlossen, soll aber, während sie "mit dem Sportlehrer mitgehen und sich um eine Bibliothek kümmern wird", Englisch unterrichten (parallel zum eigentlichen Englischlehrer, die Kinder hätten somit jeweils zwei Englischlehrer, zwei Stunden Englisch, zwei unterschiedliche Englischaussprachen, Ansätze, Methoden...) und im Rahmen des Naturwissenschaftsunterrichtes weitere Umweltworkshops umsetzen.

Zum einen empfinde ich diese Aufgaben nicht mehr als motivierend - ich sorge letztlich dafür, dass den richtigen Lehrern Arbeit, für die sie trotzdem bezahlt werden, abgenommen wird (genau diese Argumentation brachte mir übrigens eine Lehrerin entegegen, als sie mich gestern anbettelte, ich sollte doch Computación weiterführen). Zum anderen umgibt mich inzwischen mit jedem Schritt innerhalb der Schulmauern ein gewisses Gefühl von Sinnlosigkeit, multipliziert mit der Erkenntnis, dass ich so viele gemeinnützige Dinge so viel lieber machen würde. Außerdem kann ich aktuell mit dem neuen (alten) Unterricht nicht starten, weil ich noch keinen Stundenplan habe..und bis ich diesen habe..können Tage bis Wochen vergehen. Prost Mahlzeit auf die Langeweile.

 

02. März 2012

 

Ich lebe noch! In den letzten zwei Wochen fehlte mir entweder Zeit oder Motivation, um euch auf dem Laufenden zu halten, wofür ich mich entschuldigen und mich bei allen Lesern, die trotzdem treu bei der Stange bleiben, bedanken möchte.

 

Was ist in letzter Zeit passiert? Einiges!

Mein Praktikum im Kinderheim bezeichne ich als positive Erfahrung. Während ich dort war (Kinder gehütet, getröstet, zurecht gewiesen, unterhalten, geknuddelt, gefüttert, gewaschen, gekämmt, ins Bett gebracht, zum Aufräumen bewegt, auf Toilette begleitet,... habe) fand eine Adoption von Seiten eines italienischen Paares statt, wurden die Kinder  an manchen Tagen in einen Park oder zu einem Spielplatz begleitet, manchmal wurde im Garten gespielt und letztlich sind mir die Kiddies innerhalb so kurzer Zeit ans Herz gewachsen. Insbesondere einen der Kleinen würde ich, wenn es formal möglich wäre, sofort adoptieren und nach Deutschland mitbringen! Er war auch der erste, der sich an meinen Namen erinnern konnte, stets aufgeweckt "Phia no, tú sí?" ("Phia nein, du ja?") gefragt hat (Phia, die dort arbeitende weltwärts-Freiwillige, hatte zwischenzeitlich ihr Zwischenseminar und konnte nicht kommen, so dass ich sie vertreten habe und dem Kleinen antworten konnte: "Phia ist nicht hier, sie kommt in einer Woche wieder, bis dahin bin ich bei euch").

Ein Tagesablauf, wie er hätte sein können:

9 Uhr: Ich komme an und begrüße alle.

Bis ca. 9.30 Uhr fege und wische ich die vier Schlafzimmer mit jeweils zwei (ein Hochbett zähle ich als zwei Betten) bis vier Betten.

Bis ca. 11.45 Uhr "arbeite" (malen, puzzeln, bauen, reden, Domino, lesen,..) ich mit zwei Kindern gleichzeitig in einem getrennten Raum. Gegen 10 Uhr gibt es für die Kleinen ein "Refrigerio" (kleiner Snack und Getränk).

Ab ca. 11.45 Uhr wasche ich den Kindern die Hände.

Ab 12 Uhr gibt es für die Kleinen Mittagessen.

Danach bringe ich sie ins Bett, versuche sie zum Mittagsschlaf bis 14 Uhr oder 14.30 Uhr zu bewegen. Sobald alle Kinder mehr oder weniger ruhig sind, esse ich.

Nach dem Mittagsschlaf werden die Kinder gekämmt, neu frisiert und eventuell umgezogen/die Windeln gewechselt.

Bis ca. 17 Uhr (Abendessen) spiele ich mit den Kindern, gehe mit ihnen raus etc.

Nach dem Abendessen werden die Kinder gebadet, ziehen ihre Schlafanzüge an und bevor sie wieder in ihren Betten verschwinden, verschwinde ich in meine Wohnung. Gegen 17.30 Uhr endet somit der Arbeitstag für mich.

Die Tage im Heim vergingen wahnsinnig schnell und somit ist mir der Februar quasi davon gerannt. Ab sofort muss ich wieder in der Grundschule arbeiten.

 

Unterbrochen wurde mein Praktikum von einem Treffen, organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), mit anderen deutschen und peruanischen Freiwilligen. In einer deutschen evangelischen Kirche mitten im reicheren Lima sollten wir uns über die Zukunft Perus in Bezug auf Umweltprobleme austauschen. Abends stieß der aktuelle deutsche Botschafter dazu und spendierte Grillgut, so dass abends noch eine Fiesta statt fand. Inhaltlich fand ich das Treffen nicht allzu spannend, jedoch war es interessant, andere Freiwillige kennen zu lernen. Unter anderem unterhielt ich mich mit zwei als Krankenschwestern arbeitenden Freiwilligen, die meinten, wir alle würden sicherlich schon die Tuberkulose Viren in uns tragen. Wenn man hier in den Bussen fahren würde, ließe sich das nicht vermeiden, jedoch könnten wir nur davon profitieren, da unser Körper somit die Möglichkeit habe, Antikörperchen zu bilden. Ich trage also den Tuberkulose-Virus in mir, bin dadurch aber nur noch stärker- wisst ihr Bescheid. ;)

Als ich mit dem Metropolitano ("moderner Bus mit Fahrplan und aufladbarem Kärtchen als Fahrkarte") zum Treffen fahren wollte, war ich zunächst wie erschlagen. So viele Menschen in einer Schlange habe ich noch nie gesehen. Oder nur sehr selten. Alle drängten sich, ihre Karte aufzuladen und möglichst schnell in einen der Busse einsteigen zu können, möglichst mit Sitzplatz (eine Frau fiel im Bus sogar hin, als sie sich auf einen Sitz stürzen wollte).

Auch ich wollte meine Karte aufladen. Leider drückte der Mann vor mir in der Schlange am Automaten auf "Nueva Tarjeta" ("Neue Karte") und ging, ohne zu bezahlen. Als ich also meine Karte zum Aufladen in das Lesegerät steckte und meine 5 Soles dazu gab, erhielt ich kein neues Guthaben, sondern eine neue Karte. Jetzt habe ich zwei Metropolitano-Karten, eine davon unbenötigt und muss irgendwie versuchen, sie wieder los zu werden.

 

Ein weiteres Mal wurde das Praktikum von einem Treffen meiner Entsendeorganisation unterbrochen. Bereits an einem Sonntag fand ein Treffen mit einigen Deutschen dieser Organisation (Namen der Organisation bitte bei Interesse persönlich erfragen) in einem 5-Sterne-Hotel statt. Als ich mit Capri-Jeans und T-Shirt dort auftauchte fühlte ich mich ziemlich fehl am Platz. Scheinbar fließt da sehr viel Geld... .

Ansonsten war es meine Aufgabe (und die dreier anderer Freiwilligen), über unsere Aufgaben/Erfahrungen zu berichten. Zuvor sprach ich noch mit meiner Mentorin über mögliche Projektwechsel etc. Ganz geklärt ist allerdings noch nichts in der Richtung.

Es könnte jedoch sein, dass ich für die letzten Monate nach Tarapoto umziehen und dort in einem Kinderdorf arbeiten könnte.

Das zweite Treffen fand im neuen Büro der Entsendeorganisation statt und neben zwei anderen Weltwärtslern und mir, unserer Mentorin und stellvertretenden Leiter des Landesbüros, nahm eines der Vorstandsmitglieder der Organisation, gleichzeitig SPD-Politiker und Bundesverdienstkreuzträger (wie ich später heraus fand), sowie ein Mitarbeiter für die Qualitätssicherung des weltwärts-Programmes teil. Somit hatte ich die Möglichkeit, konstruktive Kritik zu äußern, was ich auch ordentlich nutzte, und gespannt den Erzählungen bezüglich der Entstehung des weltwärts-Programmes, des Einflusses der deutschen Innenpolitik auf weltwärts und die Zukunft des Programmes von Seiten des Vorsitzenden zu lauschen.

 

Freizeit:

Über Phia habe ich eine ehemalige Lima-Freiwillige, die vor ihrem Auslandssemester in Chile zu Besuch nach Peru gekommen ist, kennen gelernt. Als ich sie (bei ihrer Freundin) besuchen wollte, irrte ich einige Zeit in der Nachbarschaft umher, bis ich das Haus fand. Als ich bei ihr übernachtete teilte ich mir das Bett mit einer venezolanischen Cousine der Freundin der Ex-Freiwilligen. Nachts wachte ich einige Male auf, das Gefühl nicht los werdend, es würde ein ganz leichtes Erdbeben geben. Bis mir auffiel, dass sich die Person neben mir bewegte. So präsent sind mir bereits Erdbeben!

Einmal traf ich mich mit Lukas, einem der Freiwilligen, die ich beim KAS-Treffen kennenlernte, beim Starbucks in Miraflores (verhältnismäßig teures Vergnügen), einmal war ich bei Yazmin zum Filme Schauen. Sie und ihre Mutter ließen es sich nicht nehmen, mich auf dem Nachhauseweg spätabends bis zum Markt in ihrer Nähe zu begleiten (schließlich wäre es um diese Uhrzeit gefährlich draußen). Das restliche Stück des Weges ging ich alleine - das meiner Meinung nach deutlich gefährlichere Stück auf Grund von Diskos/Betrunkenen/.. . Die Logik, mich bis zum Markt und nicht weiter zu begleiten, verstehe ich nicht ganz. Sie hätten lieber ganz zu Hause bleiben sollen- dann aber vermutlich mit schlechtem Gewissen.

Als ich eines Abends bei Braulio Filme sah, begrüßte mich irgendwann seine Tante. Einer ihrer Kommentare war: "Du bist hier immer willkommen. Wenn du mal einen Platz zum Schlafen brauchst, kannst du gerne hierher kommen. Da finden wir schon was." Pause und die Erkentniss, in Braulios Zimmer zu sein. Schnell: "Also nicht hier im Zimmer, in einem anderen Zimmer könntest du schlafen." Ulkig.

Zudem ist erwähnenswert, dass ich ein recht leckeres Eis in der Nähe vom Metro gegessen habe. Phia und ich wussten mit einem der Tage nichts anzufangen und somit gönnten wir uns einen leckeren Eis-Obst-Becher. Nicht ganz so gut wie im italienischen Eiscafé in Deutschland, aber immerhin!

Im Fitnessstudio war es in letzter Zeit wieder sehr lustig. Bety, eine Freundin von Jorge, fragte mich heute, ob ich nicht mit Jorge und ihr an den Strand fahren wolle. Natürlich wollte ich das. Nur leider nicht so spontan - sie wollten nahezu sofort los. Next time!!

Als Birte und ihr Freund, der sie zur Zeit in Peru besucht, in Comas waren, schleppten Phia und ich ihren Freund mit zum Baile. Ohne es zu wissen, schrieben Eva und Birte Jorge vorher über facebook an und baten ihn, unseren "Gringo-Freund" mit einem Küsschen zu begrüßen. Jorge war total verwirrt ("aber Chicas, das ist doch ein Mann, dem kann ich kein Küsschen geben" - zur Erklärung: Hier begrüßt man sich oft mit einem Bussi, Männer unter Männern allerdings nicht) und warf dem "Gringo-Freund" während des Tanzens immer wieder bedeutende Blicke zu. Hinterher, ich saß wieder auf meinem Bett, schrieb er mich über facebook an, noch immer komplett verwirrt und erkundigte sich nach einer Erklärung. Nach einem "no te preocupes" (sehr häufig verwendeter Spruch und so übersetzt: "Mach dir keine Sorgen"-> Abwandlungen wie "Chill mal"/"Nimms locker"/"Lass mich in Ruhe" sind je nach Kontext möglich) meinerseits klärte ich ihn über diesen Scherz auf.

 

Lima von oben
Lima von oben