Januar 2012

27. Januar 2012

 

Ein kurzer Bericht vor dem Seminar:

Die Umweltworkshops haben sich gelohnt! Mit Birtes, Arianes und Mercedes' Unterstützung konnten wir den Kindern das Thema "Recycling" näher bringen und beispielsweise Mülltonnen auf dem Schulhof verschönern. Zwei von ihnen sind jetzt "Müll fressende Monsterchen" auf denen: "Ich habe Hunger, ich esse nur Papier (bzw. Plastik)" steht.

Allerdings bezweifel ich, dass auch zukünftig in der Schule recycelt wird- dafür müssten alle an einem Strang ziehen und selbst an den Lehrern wird es wohl scheitern.

Heute sollten die Kinder Bilder von "ihrer perfekten Welt" malen.

Gestern Abend trafen Birte, Mercedes, Phia, Eva und ich mich mit Diana und haben "Schokofondue" gemacht (geschmolzene Tassenschokolade mit Leche Condensada und Bananen/Erdbeeren/Honigmelone). Köstlich!

 

25. Januar 2012

 

Es tut mir Leid, so unregelmäßig zu berichten, aber in letzter Zeit finde ich keine Ruhe dazu. Hinzu kommt, dass sich die Ereignisse ballen und es somit immer schwieriger wird, alles schriftlich aufzuholen. Nun ein Versuch für die letzten Tage:

Am Freitagabend fand, wie geplant, der Pisco Sour Abend bei Diana statt. Samstag fuhren Lucero, Estefany, Phia, Eva und ich zum Strand in Punta Hermosa. Ein Cobrador vermutete mal wieder die typischen ahnungslosen Touristen in uns und verlangte mehr als den doppelten Fahrpreis von uns. Aus diesem Grund wollten wir den Bus wieder verlassen, doch er blieb stur und ließ uns nicht aussteigen, mit dem Ziel vor Augen, uns den überteuerten Preis später abnehmen zu können. Erst beim dritten Versuch ließ er uns tatsächlich aussteigen, somit konnten wir einige Meter kostenlos fahren. Am Strand selbst ist mir aufgefallen, dass Peruaner (Lucero und Estefany jedenfalls) einerseits bleichende Kosmetik (Hautcremes etc) verwenden (selbst in Sonnencreme ist hier Bleichungsmittel vorhanden), andererseits an den Strand fahren, um sich zu bräunen und sogar Hilfsmittel (Schnellbräuner) hierfür benutzen. Äußerst paradox, oder? Ich hege die Vermutung, dass beides seine Wurzeln im "Gringa-Wahn" hat. Gringas sind weiß, also wollen sie weiß sein. Da Gringas aber zum Sonnen an den Strand fahren und im Urlaub braun werden wollen, wollen die Peruaner dies auch. Ich glaube jedoch nicht, dass sich Lucero und Estefany oder andere Peruaner schon einmal Gedanken darüber gemacht haben und meine Vermutung ist natürlich nicht bestätigt!

Gegen Abend trafen Phia, Eva und ich mich, noch immer in Punta Hermosa, mit Diego und einigen seiner Freunde im "Ghoa (Freiluft-)Club". Diego hatte Geburtstag und dies war seine "Feier". Die Musik im Club war relativ gut, das Bühnenprogramm handelte jedoch auf primitivster Weise davon, welches Mädchen am luftigsten bekleidet war, seine Kleidung am schnellsten fallen ließ und dazu die Hüften am besten kreisen konnte. Demnach war ich nicht traurig, nach nur ungefähr zwei Stunden den Club wieder zu verlassen und mich dieses Mal im nahen Punta Negra mit Marina und einigen ihrer Freunde zu treffen. Die Familie des Freundes von Marinas Schwester ist dort in Besitz eines Ferienhauses mit beheiztem Pool, sodass wir ins warme Nass hätten springen können, dies auf Grund der nächtlich fallenden Temperaturen nicht taten.

Irgendwann in der Nacht stellte sich wie gewöhnlich die Frage, auf welche Weise und wann wir zurück nach Comas fahren würden. Eigentlich hatte der Freund von Marinas Schwester versprochen, uns zurück zu fahren, daran hielt er sich allerdings nicht (was heftige Wein-und Wutattacken von Seiten Marinas zur Folge hatte - ich habe noch nie einen so emotionalen Menschen kennen gelernt!) und letztlich, nach langem Warten an der Panamericana (es wurde bereits hell), nahmen wir einen Bus nach La Molina und von dort einen weiteren nach Comas.

Am selben Tag, Sonntag, war ich mit Yazmin für eine Fahrradtour verabredet. Als ich vor ihrer Tür stand, sagte sie jedoch kurzfristig ab (sie hatte mir scheinbar eine SMS schicken wollen, diese sei aber nicht angekommen) und somit hatte ich bis zum Abend keine Pläne und widmete mich meinem Lesestoff. Um 19 Uhr besuchte ich mit Phia und Eva einen Gottesdienst mit Abendmahl, von dem wir eigentlich dachten, dass er katholisch sei, allerdings kam er mir dafür recht locker vor. Eigentlich wäre ich dort im Top erschienen, Eva machte mich aber auf eine etwaige Kleiderordnung in der Kirche aufmerksam und somit tauchte ich in einem die Schultern bedeckendem T-Shirt auf. Der Kleiderwechsel erwies sich als unbegründet, als einige Kirchengänger selbst in luftigen Tops und kurzen Hosen/Röcken erschienen. Zudem wurde viel und fröhlich gesungen (alle kannten den Text, nur wir Deutschen guckten natürlich still aus der Wäsche), dazu wurde geklatscht und es gab einen kleinen Jugendchor bzw. "Livemusik" - einen Gitarrenspieler und einen Trommler.

Ich werde eventuell ein weiteres Mal den Gottesdienst besuchen, denn insgesamt war mein Eindruck positiv. Zu gerne hätte ich vorher in Deutschland an einem katholischen Gottesdienst teilgenommen, um einen Unterschied feststellen zu können. Vielleicht lässt sich dies nachholen?

In der Schule habe ich mich an den neuen Stundenplan und Englischunterricht gewöhnt, obwohl ich gestern nicht arbeiten musste. Alle Schüler machten einen Ausflug in ein Schwimmbad, was mir zufällig durch Schüler, nicht aber durch Lehrer oder die Schulleitung mitgeteilt wurde. Fast wäre ich auch gestern zum Unterrichten erschienen und hätte einmal mehr herausfinden müssen, vorzeitig nach Hause fahren zu können.

Morgen und übermorgen stehen mit der Unterstützung von Birte und Ariane, die für eine Umweltnichtregierungsorganisation arbeiten, Workshops zum Thema Recycling auf dem Programm. Die Fünft- und Sechstklässler haben bereits ganz eifrig ihre Aufgabe, Plastikflaschen, Kekspackungen und Pappkartons zu sammeln, befolgt.

Ab Sonntag werde ich für ein einwöchiges Zwischenseminar im Süden Limas, in Pachacamac sein.

Hoffentlich werde ich es schaffen, kurze Zeit danach sowohl vom Seminar, als auch (endlich) von meiner Reise in den Norden zu berichten!

 

20. Januar 2012

 

Die Plätzchen wurden leider nicht zu den mir bekannten Plätzchen. Es gab keine ungesalzene Butter, einen Ofen, der eher wie ein Grill war und die Kekse nach wenigen Minuten von unten verbrennen und von der Konsistenz her viel zu weich ließ, zu groben Zucker, der zwischen den Zähnen knirschte und zu allem Überfluss veränderte die Großmutter von Yazmin den Teig nach meinem Rezept komplett. "Viel zu viel Butter", meinte sie die ganze Zeit, am Ende war es vielmehr ein Mehlhaufen. Zudem wollte ich den Teig ausrollen (ein Glas diente als Nudelholz) und Figuren mit einem Messer ausschneiden (Ausstechformen gab es nicht), doch die Oma nahm mir das Messer aus der Hand. Sie wollte mir zeigen, wie es "richtig" ginge, und schnitt schlichte, viel zu dicke Quadrate aus dem Teig, die sie viel zu dicht auf das Backblech (es gab auch kein Backpapier, also nahmen wir Mehl stattdessen) legte. Und sie behielt das Messer, bis alle Kekse im Ofen waren. Somit hatte ich dieses Jahr doch keine deutschen Weihnachtsplätzchen.

Die Kekse schmeckten total schlecht, wurden aber von allen gelobt, wobei die Oma meinte, es würde noch mehr Mehl fehlen. Das einizige, was wirklich gelang, war der Zitronenzuckerguss, der für peruanische Begeisterung sorgte und die verbrannten Kekse sowohl verschönerte, als auch deren Geschmack fruchtig-süß überdeckte. Immerhin.

 

19. Januar 2012

 

Von gestern auf heute haben Eva und ich bei Birte übernachtet, gemeinsam gekocht und heute werde ich mit Yazmin "Weihnachtsplätzchen" backen. Das, was im Dezember nicht geschafft wurde, muss nachgeholt werden!

In der Schule konnte tatsächlichlich, obwohl sich Direktorin und Tutor nicht einmal gezeigt haben, Evas und mein Englischunterricht für die Schüler der vierten bis sechsten Klassen organisiert werden. Kommende Woche werden wir beispielsweise von Montag bis Mittwoch, jeweils von 9 Uhr bis 12.30 Uhr Englisch unterrichten, Donnerstag und Freitag wollen wir mit Birte und eventuell Ariane von 10 Uhr bis 13 Uhr Umweltworkshops (Recycling, etc) für die Fünft- und Sechstklässler anbieten. Am Sonntag danach startet das einwöchige Zwischenseminar. Dieses Wochenende werde ich vielleicht mit einigen anderen Deutschen und Peruanern einen Pisco Sour Abend machen und Samstag könnte ich mit Diego & Co zum Strand fahren. Leider scheint das auf eine Party-/Sauftour hinaus zu laufen, wovon Diego mir gegenüber jedoch noch nichts gesagt hat und deswegen bleibt eine Teilnahme meinerseits am "Strandausflug" ungewiss. Auf Strand habe ich Lust, auf Partybus und sinkende Hemmschwellen irgendwelcher Peruaner nicht.

 

 

16. Januar 2012

 

In der vergangenen Nacht bin ich von meiner Reise in den Norden des Landes zurück gekehrt und befinde mich seitdem wieder wohlauf in Lima. In den kommenden Tagen werdet ihr hier einen Reisebericht finden. Aktuell bin ich jedoch noch damit beschäftigt, Ordnung in mein E-Mailchaos zu bringen, Verabredungen zu koordinieren und Kontakte aufzufrischen, mich auf das Mittelseminar meiner Entsendeorganisation in zwei Wochen vorzubereiten (Referate über die Zeit des peruanischen Terrors müssen beispielsweise gehalten werden), Nahrungsmittel für den Kühlschrank (und meinen Magen) zu beschaffen, bei Zeiten neue Schuhe zu kaufen (mein "besseres" Paar Schuhe wurde während der Reise sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, ich habe noch nie so ramponierte Treter gesehen und ich wette, ihr auch nicht), mich auf meinen nächsten Urlaub zu freuen und gleichzeitig wieder in Comas einzuleben.

Mein erster Arbeitstag in der Sommerschule liegt bereits hinter mir und von "Arbeit" kann eigentlich keine Rede sein. Ich ging zwar davon aus, dass das Programm um 9 Uhr beginnen würde, da Eva aber eine SMS mit der Frage, ob es um 8 Uhr los gehen würde, an die Schulleiterin schickte und keine Antwort bekam, machten wir uns, um sicher zu gehen, um 7.25 Uhr auf den Weg. Um 8 Uhr waren wir die einzigen in der Schule. Um 9 Uhr befanden sich zwar einige Schüler und unbekannte Studenten auf dem Hof, aber abgesehen von einem uns bekannten Lehrer (und uns selbst) war niemand anzutreffen. Angeblich hätte unser Englischunterricht von einem für die Organisation der Sommerschule zuständigen Lehrer koordiniert sein müssen, dieser war jedoch, wie alle anderen Ansprechpartner, nicht anzutreffen. Somit fuhren wir um 9.30 Uhr ohne Aufgabe und Koordinationsmöglichkeit zurück und hoffen nun, dass wir morgen einen Stundenplan für uns erstellen können, oder im besten Fall (was äußerst unwahrscheinlich ist) doch tatsächlich einen bereits erstellten Plan und eine Schülergruppe zum Unterrichten erhalten.

Welcome back in Comas - así es mi vida acá.

Lima von oben
Lima von oben