Dezember 2011

27. Dezember 2011

 

Gestern war ich mit Yazmin im Jockey Plaza und habe ihr von der Fliegenplage erzählt. In ihrer Familie meinten alle, ich würde von Motten sprechen, ich sprach jedoch gewiss nicht von Motten. Zum Glück scheinen fast alle der Tiere inzwischen gestorben zu sein, ihre Flügelchen und Kadaver liegen überall herum und müssen nur noch entsorgt werden.

Gestern fragte mich Diego zudem, ob wir abends noch das neue Jahr feiern wollten, Marshmallows grillend auf meiner Dachterrasse. Das haben wir dann allerdings (auf heute vielleicht?) verschoben. Ansonsten muss ich waschen, packen, Geld abheben, Miete zahlen, Batterien für meine Kamera kaufen, ... . Phia war so nett, mir ihren großen Reiserucksack auszuleihen. Morgen Abend kann es also los gehen - ab nach Chiclayo!

Ihr werdet für ca. 2.5 Wochen (vielleicht auch für längere Zeit, abhängig von meiner Schreiblust) nichts von mir hören. Wundert euch bitte nicht und feiert stattdessen ein schönes Silvester!

 

25. Dezember 2011

 

Es war mit Sicherheit eine gute Entscheidung, Weihnachten mit Luceros Familie verbracht zu haben. Heute wären Phia, Eva und ich zum Essen bei Aldo eingeladen gewesen, doch dieser sagte, nach peruanischer Gepflogenheit, eine Stunde vor vereinbarter Zeit ab. Auf Luceros Familie war dagegen Verlass.

Nach dem Essen (es gab sogar nicht nur Reis, sondern auch Nudelsalat, Kartoffeltortilla,.. als Beilagen zum Fleisch) wurde auf Mitternacht gewartet. Um 24 Uhr entbrannte ein Feuerwerk, überall hörte man es Knallen und Krachen, Funken sprühen.

Raketen wurden in Sand-/Müllhaufen am Straßenrand gesteckt und dann angezündet. In Deutschland wäre es bei weißer Weihnacht ein Schneehaufen gewesen.

Alle umarmten einander, auch Nachbarn der Familie, die mich nicht kannten, umarmten mich und wünschten ein frohes Weihnachten und dass meine Wünsche in Erfüllung gehen würden. Insgesamt war das diesjährige Weihnachten also eher wie Silvester für mich und hat meinen Jahresrhythmus aus der Bahn geworfen.

Nach dem Feuerwerk wurde mit "Champagner" angestoßen und Lucero sowie ihr Bruder packten die Geschenke (Kleidung und für den Bruder zusätzlich etwas Spielzeug) aus. Danach saßen wir beisammen, tranken ein Bercheva-Mango-Cocktail und zum Schluss heiße Schokolade zu Panetón. Gegen 3 Uhr endete die Feier für mich.

Zurück im Bad meiner Wohnung entdeckte ich zum ersten Mal eine sich anbahnende Insektenplage.

Während des Zähneputzens landeten Fliegeviecher auf meinen Beinen, krabbelten um meine Schuhe herum. Als ich heute bei Tageslicht wieder ins Bad kam, entdeckte ich überall abgefallene Flügel, an der Dusche einen Fleck mit vielen Fliegenkadavern, im Waschbecken Fliegen bzw. "Würmer" ohne Flügel, ebenso in den Waschschüsseln (ich wollte nämlich eigentlich waschen), unter dem Toilettenpapier tummelten sich drei Würmer und in meiner Kleidung, die ich zum Trocknen aufgehängt hatte, fand ich ebenfalls welche.

Super ekelig! Insbesondere da ich nicht weiß, was das für Insekten sind und wie sie am besten entfernt werden können. Morgen werden sich die Vermiter mal wieder eine Beschwerde anhören müssen - sie sind nämlich vertraglich zum Putzen des Bades verpflichtet und außerdem kennen sie die Tiere vielleicht.

Gleich werde ich mit Eva und Phia mexikanisch essen gehen (statt Aldos Weihnachtsessenseinladung folgen zu können) und vielleicht werden wir mal wieder eine Vielzahl an Unterschieden, die Weihnachtszeit in den verschiedenen Regionen Deutschlands betreffend, feststellen. Es ist sehr interessant zu erfahren, dass es in Hessen und Bayern das Christkind und nicht den Weihnachtsmann gibt. Dass es in Evas Familie sogar Tradition ist, dass das Christkind angeschossen werden muss (Schuss in den Himmel), damit es die Geschenke bringt. Dass dem hessischen und bayerischen Nikolaus Schnuller geschenkt werden und dass er in Bayern nicht nachts, sondern innerhalb weniger Stunden nach Rausstellen der Schuhe kommt.

Wenn Eva und ich von Peruanern gefragt werden, wie dies oder das in Deutschland ist, endet das Antworten häufig in einer Diskussion, weil die "Kultur" im Süden scheinbar total anders sein kann, als die im Norden. Egal ob es sich um Biersorten, das Schulsystem, Gehälter, das Essen, sprachliche Ausdrücke, die Landschaft, ... handelt, irgendetwas ist immer anders. Lokalpatriotismus... .

 

Lucero hat gestern von einer Chocolatada von Baile-Jorge erzählt, bei der sie mitgewirkt hat. Mit anderen Helfern und vielen Panetóns, Keksen und Gaseosa (Softdrinks) im  Schlepptau ging es für sie in die Hügel Puente Piedras (Stadtteil von Lima). Dort sollte den armen Kindern der Tag versüßt werden. Schockierend ist, dass die Kinder Kuchen, Kekse und Gaseosa abgelehnt und stattdessen nach "gewöhnlichem" Trinkwasser gefragt haben. So "gewöhnlich" ist es für sie also nicht. Daraufhin hat sich die Idee ergeben, Eva, Phia, Lucero und ich könnten Spenden für Trinkwasser für die Menschen in den Hügeln sammeln. Eine einmalige und nicht nachhaltige Aktion würde jedoch kaum etwas bewirken. Somit hatten wir die Idee, Filter durch Spenden zu erwerben, mit deren Hilfe Leitungswasser auf einfachem Wege zu Trinkwasser verwandelt werden könnte. Leider stellte sich nach einiger Zeit heraus, dass das Hauptproblem ein Leitungswassermangel ist. Manchmal haben die Menschen vor Ort Kanisterwasser, manchmal bleibt es aber weg. Ein Grund dafür ist der hohe Wasserpreis, den sie zahlen müssten. In den Hügeln kostet ausreichend Wasser pro Tag ca. 10 Soles. Im Vergleich dazu kostet Wasser unten in der Stadt ca. 30 Soles im Monat! Und dieses Wasser für 30 Soles im Monat ist unbegrenzt! Der Preis ist also nicht an verbrauchte Liter gekoppelt.

Zum einen stellt das eine deutliche soziale Ungerechtigkeit dar, zum anderen ein immenses Umweltproblem, da eine "Wasserflatrate" Anreiz zur Wasserverschwendung ist und, wie schon oft geschrieben, Lima in einigen Jahren das Wasser komplett ausgehen wird. Nicht ohne Grund steht auf Wassertürmen "Agua es Vida" (Wasser ist Leben) oder "Usa el agua necesario" (Verwende nur das wirklich notwendige Wasser).

Wenn ihr eine Idee habt, wie den Menschen (allen voran den Kindern) in Puente Piedra (und andernorts) geholfen werden kann, abgesehen davon, dass ihr Problem publik gemacht werden muss, würde ich mich über Rückmeldungen freuen.

An zusätzlichen Wasserleitungen scheint der Staat nicht interessiert zu sein - insbesondere da diese in einigen Jahren überall komplett trocken gelegt sein könnten.

Welch schwierige und traurige Situation.

Zwar liest man von solchen Dingen in Zeitungen, sieht Bilder vom Elend, jedoch ist es wesentlich berührender, vor Ort die Ohnmacht und Hilflosigkeit zu erleben.

 

24. Dezember 2011

 

Feliz Navidad para todos!

 

Morgens wurde ich von lauter Salsamusik geweckt. Nach zwei Minuten Stille folgte "Oh Tannenbaum" aus dem Haus meiner Vermieter. Wer findet den Fehler?

Ansonsten ist der Tag eher ganz normal für mich. Wäsche waschen, Wäsche von der Wäscherei abholen ... . Heute Abend geht es dann zu Lucero.

 

23. Dezember 2011

 

"Du kommst aus Spanien, oder?", fragte mich gestern eine Marktfrau. Welch Kompliment! In Spanien wird bekanntlich spanisch gesprochen - es wurde mir also zugetraut, aus einem spanischsprachigen Land zu kommen.

Außerdem gab es gestern Applaus für Evas und meine Ausarbeitung eines Arbeitsplanes für Computación im kommenden Schuljahr.

"Ihr habt in so kurzer Zeit gelernt, wie man richtig mit Erstklässlern arbeitet und wie sie lernen", wurden wir von Kollegen und Schulleiterin gelobt. Trotzdem habe ich mich etwas darüber geärgert, zeugte es doch von vorherigem Interessenmangel unseren Unterricht betreffend. Auch zuvor hatten wir versucht, Unterrichtselemente aufeinander aufzubauen und nicht mit Erst-, Zweit- und Sechstklässlern den gleichen Lehrstoff durchgenommen. Hier scheint es nämlich üblich zu sein, dass in Fächern wie Computación oder Englisch (!!!) Erst- und Zweitklässer das gleiche lernen, Dritt- und Viertklässer die gleichen Aufgaben bekommen und auch nicht zwischen Fünft- und Sechstklässern differenziert wird. Dieses System haben Eva und ich durchbrochen, wobei es zunächst nicht in den Kopf manchen Lehrers wollte.

Die Promoción vor einigen Tagen war interessant und tatsächlich gehörte ich zu letzten Gästen auf der Party, was bedeutete, dass ich tatsächlich erleben durfte, wie der Kuchen angeschnitten und an die mickrige Anzahl verbliebener Gäste verteilt wurde. Der Grund für meinen späten Verbleib war, dass ich mir aus Sicherheitsgründen mit Eva und der Schulleiterin ein Taxi teilen sollte. Bei einem Glas "Brindis" erzählten mein Tutor und der Sportlehrer von einer vor wenigen Monaten geköpften Frau in Comas, in der Gegend der Schule.

Mit Kopf werde ich morgen bei Lucero Weihnachten feiern. Nach einer Weinprobe im Supermarkt haben Phia, Eva und ich gestern ein Geschenk für ihre Familie gekauft. Eine Flasche Wein, Panetón, eine Kugel mit Schokolade für Luceros Bruder und ein gebastelter Kinogutschein für sie - vom Weihnachtsfest wird in Kürze berichtet werden.

Feliz Navidad!

 

20. Dezember 2011

 

Die Entwicklung einer Lehrerkonferenz zur Selbsthilfegruppe

 

Während der heutigen Konferenz, die um 8.30 Uhr beginnen sollte, um 10 Uhr begann und um 12 Uhr offziell endete, jedoch bis 13 Uhr andauerte, wurde eine Liste bzgl. der Planung einiger Monate des kommenden Schuljahres vorgelesen und besprochen. Im Anschluss wollte einer der Lehrer, mein Tutor, noch "einige Worte" sagen (daraus wurden die 60 Minuten bis 13 Uhr). Seine Wertschätzung der Schule, die für ihn wie eine Familie sei, der Schulleiterin und einiger Lehrer sorgte für Tränen. (Eva flüsterte noch: "Und gleich fangen sie alle an zu weinen.. ." Wenige Minuten später rieben sich die ersten die Augen.) Zudem stellte sich heraus, dass er schwerkrank sei und ihm die Zeit davon laufe. Dies lief darauf hinaus, dass Kollegen von ihren Problemen und deren Bewältigung erzählten und Ratschläge gaben. So sollte sich der betroffene Lehrer gesund ernähren, seinen Urlaub im Amazonasgebiet bei seiner Familie genießen und "Liebe geben", um "Liebe zu erhalten".

Ich habe das Gefühl, mein "Tutor" hat selbst so viele eigene Probleme, dass er sich eher nicht zusätzlich und gezielt mit deutschen Freiwilligen befassen sollte. Da würde ich mir selbst eher die Aufgabe zukommen lassen, Tutorin für mich zu sein. Ich könnte mir wohl besser helfen.

 

In einer Stunde werde ich zur "Promoción" (Abschiedsfeier) einer der sechsten Klasse fahren. Aus irgendeinem Grund scheint doch kein Raum gemietet worden zu sein - jedenfalls beginnt die Feier in der Schule. Die Einladung (mündlich) erhielt ich heute (!) und die Schulleiterin betonte, sie würde jeden einzelnen Lehrer abends sehen wollen. (Wiederspruch nicht geduldet.) Wenn ihr das Erscheinen bestimmter Personen so wichtig ist, sollte sie diese in Zukunft etwas früher über Termine informieren. Jedenfalls wäre das eine Idee... .

 

19. Dezember 2011, ca. 14 Uhr

 

Das Beben letzter Nacht war während der Lehrerkonferenz vormittags in aller Munde, ansonsten war die Reunión sehr langweilig und zum Käsekästchenspiel anregend.

Für den 1. Juni wurden Eva und ich per Los verpflichtet, den Tag des Internationalen Roten Kreuzes zu organisieren. Wahrscheinlich werden wir uns Rollenspiele etc. für die Kinder überlegen. Ursprünglich entschied das Los, wir sollten die "patriotische Woche" vor dem Unabhängigkeitstag auf die Beine stellen. Sehr witzig. Ausgerechnet die Deutschen, sollen sich also um Peru-patriotische Aktionen kümmern. Wie gut, dass wir mit unserem Tutor tauschen konnten, da ich zu Beginn der patriotischen Woche bereits im Flieger nach Deutschland sitzen werde.

Mir ist aufgefallen, dass bei den Konferenzen und Aufgabenzuteilungen nie gefragt wird, ob jemand freiwillig die eine oder andere Aktion übernehmen möchte, oder sich dazu befähigt fühlt. Es wird einfach immer gelost. Eva und ich hätten zum Beispiel sehr gut, den Tag der Sprachen organisieren können, oder für eine Aktion der "Schulbücherei" eingeteilt werden können, da wir diesbezüglich schon mal Interesse bekundet hatten. Aber nach Interessen und Fähigkeiten zu gehen, wäre zu viel verlangt. Stattdessen herrscht "Gleichberechtigung" durch Losglück/pech. Meiner Meinung nach ist dies zwar der einfachste Zuteilungsweg, allerdings nicht motivierend und dadurch nicht unbedingt der beste für den Fortschritt der Schule.

Auf dem Nachhauseweg bin ich fast in einen Hundekadaver getreten, aus dem die Rippen bereits hervor standen. Warum schockt mich so etwas nicht mehr??

 

19. Dezember 2011, ca. 1.30 Uhr

 

Guten Morgen! Eben hat ein Erdbeben die Limenos aus den Betten gelockt. Ich war noch wach, als es plötzlich rumste und krachte. Der Boden bebte und sofort wusste ich: "Jana, du musst raus!" In die Schuhe geschlüpft, Schlüssel geschnappt, mit Eva zur Tür gelaufen - und dann wurde das Beben auch schon weniger. Unverhofft unterhält man sich somit nachts mit Nachbarn, wobei erstaunlich wenig Leute nach draußen kamen - nur das Licht angehen sah man überall. Das Beben hatte jedenfalls eine Stärke von ca. 5 und das Zentrum lag 15 km. von Callao entfernt, sozusagen direkt bei Lima. Das war mal ein Erlebnis. Für die Zukunft muss ich es allerdings schneller ins Freie schaffen. Übung macht den Meister. Hoffen wir, dass es zu dieser Übung gar nicht erst kommt.

 

Nebenbei: In meinem Zimmer herrscht eine Temperatur von 28 °C vor. 28°C und es wird noch heißer.. .

 

18. Dezember 2011

 

Vor kurzer Zeit lobte ich, nicht von Wassermangel betroffen zu sein, gestern Abend die böse Überraschung: Es kam kein Wasser aus den Leitungen. Wie gut, dass ich noch Trinkwasser in Flaschen in meinem Zimmer hatte und noch besser, dass es inzwischen wieder Leitunngswasser gibt.

Heute war ich mit Lucero und Eva im "Parque de las leyendas", ein Zoo im Statdtteil San Miguel. Abends fuhren wir mit Phia zu Lucero nach Hause, um ihre Mutter kennen zu lernen, da wir mit ihrer Familie Weihnachten feiern werden. Diese Entscheidung scheint getroffen. Neben Panetón, wurden wir mit selbstgemachtem Kuchen (und Marmelade zum Bestreichen) sowie "Flan" (mehr oder weniger Vanillepudding) versorgt.

Gestern war ich wieder einmal bei Yazmin. Gemeinsam machten wir nach dem Rezept ihres Großvaters "Limón", das Rezept zum Ausprobieren unten.

Während des Zubereitens fing der Mixer plötzlich an der Steckdose Feuer. "Por dios" (Gott zum Dank) fielen uns die Flammen schnell auf, so dass wir Schlimmeres verhindern konnten.

Yazmins Großmutter, die sehr nett, agil und mental fitt ist, hat sich in den Kopf gesetzt, Yazmin sollte einen Deutschen und ich einen Peruaner heiraten. (Na dann viel Erfolg.. .)

Zudem nennt sie mich ständig "Bonita", gestern meinte sie, Yazmin wäre auch "bonita", allerdings nicht "gringa" und das würde einen Unterschied machen.

Heute im Zoo (!) rief übrigens ein Junge: "Guck mal, da sind Gringas".

Ein komisches Gefühl, neben Affen und Papageien die Attraktion darzustellen.

 

Yazmins Limón

 

Zutaten

Butterkekse (wer er besonders süß mag) oder "Tucks"

10 kleine Limetten

Eine Taza (kleiner Becher, große Tasse) Zucker (wir haben "blonden" grobkörnigen genommen)

900ml-1l evaporierte Kondensmilch

 

Zubereitung

Die Limetten werden ausgequetscht und deren Saft mit dem Zucker vermixt. Schrittweise wird anschließend während des Mixens die Milch hinzugegeben. Der Boden einer Auflauf/Backform wird komplett durch eine Schicht Kekse bedeckt. Der "Saft" aus dem Mixer wird gleichmäßig über die Kekse gegossen, so dass alle von Flüssigkeit bedeckt sind. Danach wird eine neue Schicht Kekse auf die Flüssigkeit gelegt, es folgt eine neue Schicht Flüssigkeit, es folgen Kekse..bis keine Flüssigkeit mehr vorhanden ist. Die letzte Schicht stellen fein zerbröselte Kekskrümel dar. Die Auflauf/Backform wird für 60 Minuten in das Gefrierfach gestellt und anschließend kann die Speise im Magen verschwinden.

 

Luceros Keke de Galletas (Kekskuchen)

 

Zutaten

Butterkekse oder "Tucks"

Schokoladen- und/oder Vanillepudding

 

Zubereitung

Die Zubereitung ist der von "Limón" sehr ähnlich und beinhaltet das gleiche Verfahren der "Keks-Flüssigkeit-Schichtung". Schokoladen/Vanillepudding wird unter Hitzeeinfluss gemacht. Der noch flüssige Pudding wird über die erste Schicht Kekse in einer Auflauf/Backform gegeben. Es folgt die nächste Schicht Kekse, dann weiterer flüssiger Pudding, weitere Kekse, ... . Je nach Belieben und Geschmack kann entweder nur Schoko- oder Vanillepudding verwendet werden, oder Schoko- und Vanillepudding wechseln sich als Schichten ab.

Die Schichtung endet, wenn sämtlicher Pudding verbraucht ist und die letzte Schicht stellen ganze (nicht zerbröselte) Kekse dar. Für ca. 20 Minuten (evt. etwas länger) wird der Kekskuchen in den Kühlschrank gestellt. Wenn er vollkommen kalt ist und der flüssige Pudding zu "richtigem Pudding" geworden ist bzw. die Kekse aufgeweicht hat, kann der "Kuchen" verspeist werden.

 

16. Dezember 2011

 

Mein Tag begann in der Nacht: Um 1.56 Uhr weckte mich mein Handy, "Unbekannt" rief an: "Hola Jana, Happy Hour! Hay tragos gratís, ven por acá!" ("Hallo Jana, Happy Hour! Es gibt kostenlose Getränke, komm her!") Meine knappe Antwort: "No, gracias. Estoy durmiendo. Chau." ("Nein danke. Ich schlafe gerade. Ciao.")

Nachts durch Anrufe geweckt zu werden, passiert hier häufiger als in Deutschland.

Leider kann ich mein Handy über Nacht nicht ausstellen, da es mein regulärer Wecker ist und gleichzeitig könnte ein armer Freiwilliger meine Hilfe brauchen.

 

Zur Chocolatada kam die Schulleiterin drei Stunden zu spät und ohne sie wurde in den Klassen Essen / Panetón und Milch an die Schüler verteilt. Einer der Lehrer erbamte sich der zwei Deutschen und lud uns in sein Klassenzimmer ein. Ich konnte zum ersten Mal Panetón probieren (nicht schlecht, aber auch nicht umwerfend) und wurde von einem Schüler zum Tanzen aufgefordert. Anschließend verließen Eva, Gustavo (Englischlehrer), der Sportlehrer und ich für 45 Minuten das Schulgelände, kehrten in einer Tienda ein, tranken Cola und aßen Kekse. Gegen 12 Uhr kamen ein Clown und Weihnachtsmann (hässlichstes Kostüm), um die Kinder zu unterhalten. Das war also die Chocolatada.

 

Was das Wochenende betrifft gab es mal wieder viele Ideen und letztlich hängt alle Planung in der Schwebe. Es gibt von den Peruanern mal wieder keine eindeutigen Aussagen, alles wird in letzter Sekunde geklärt (oder abgesagt) und das ist auf Dauer ziemlich anstrengend.

Für Heiligabend gibt es inzwischen übrigens vier Einladungen, Yazmin hat mich inzwischen auch eingeladen.

 

15. Dezember 2011

 

Aktuelles: Gestern wurde endlich der Bus nach Chiclayo gebucht.

Seit gestern steht zudem der neue Computación-Stundenplan fest. Bis auf eine kleine Änderung ist es der gleiche wie vorher.

Heute um 11 Uhr sollte es eine "Clausura" (Abschlussfeier) der Schule geben. Gestern wurde Wert auf das Wörtchen "pünktlich" gelegt. Die Direktorin selbst kam mal wieder viel zu spät und erst um kurz vor 12 Uhr ging es los. Kurze Gedichte und Lieder wurden vorgetragen. Einige Zertifikate für besondere Leistungen in Mathematik, Zeichnen, im Unterrichtsfach "Kommunikation" und "Literatur" wurden verliehen und kurz nach 13 Uhr konnte ich mich wieder auf den Heimweg machen.

Morgen werden die Schüler zum letzten Mal vor den Sommerferien (bis März) in die Schule kommen. Grund dafür ist eine "Chocolatada". Peruanische Chocolatadas sind in der Regel Benefizveranstaltungen, bei denen Geld- oder Nahrungsspenden (Milch, Schokolade, Panetón, ...) für hilfsbedürftige Kinder gesammelt werden, um den Kleinen wenigstens für einige Stunden die Sorgen zu nehmen und ihnen (meistens) vor Weihnachten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Gelegentlich werden neben Süßspeisen auch kleine Geschenke verteilt.

Ich bin gespannt, von welcher Seite sich die Chocolatada morgen zeigen wird und etwas erstaunt bin ich, dass bisher niemand in der Schule Spenden von mir haben wollte.

 

13. Dezember 2011

 

Noch 219 Peru-Tage warten auf mich und weiterhin arbeite ich an meinem Zwischenbericht, für den nur noch die spanische Zusammenfassung geschrieben werden muss.

Demnächst werde ich mit dem Verfassen eines zweiten Zeitungsartikels beginnen.

Die Situation in Cajamarca stellt sich unverändert dar und auch für mich in Lima gab es innerhalb der letzten zwei Tage kaum Entwicklung.

Der Sol-Kurs fällt wieder einmal und hat fast einen neuen Tiefstand erreicht.

Gestern ersetzte ein Daniel-Kübelbock-Verschnitt Baile-Jorge, es wird immer kurioser beim Tanzen.

Heute, zwischen Unterricht und Reunión (Lehrerversammlung in diesem Fall), die letztlich ausfiel, da die Schulleiterin schlichtweg nicht erschien, hörte ich Wiener-Walzer-Musik. Äußerst unpassend für Peru. Eine der sechsten Klassen übte eine kleine Vorstellung für ihre "Promoción" (Abschlussball) ein.

Für die Promoción wird eine Räumlichkeit gemietet, Essen bestellt, die Kinder werden mit Ballkleidern und Anzügen eingekleidet und die Eltern zahlen pro Kopf 50 Soles Eintritt. Wenn ihr die Größe mancher Familien bedenkt, inklusive "Padrino" (Pate) für den Schüler, ist das äußerst teuer und selbst Familien, die normalerweise am Hungertuch nagen, versuchen das Geld aufzubringen. Und all das Aufsehen für den Abschluss der Grundschule! (Für unsereins eher unverständlich, wenn man bedenkt, dass viele ihren "Secundaria"-Abschluss nicht erreichen werden, ein Stück weit eher nachvollziehbar.) Der Secundaria (weiterführende Schule bis zur 12. Klasse)-Abschluss ist nicht einmal für ein Studium an einer peruanischen Universität notwendig. In der Regel finden an den Hochschulen Auswahltests statt, insbesondere wenn finanzielle Mittel vorhanden sind, sind Schulzensuren eher unwichtig.

 

11. Dezember 2011

 

Zweimal Popcorn, vier Popcornvarianten oder Cajamarca-Fluch oder Segen?

 

Gestern kam Braulio zu Besuch. Wir sahen einen Film und machten Popcorn (er hatte zuvor Butter-Popcorn in der "light"-Diätsversion und in der normalen Variante gekauft). Heute bin ich bei Yazmin zu Hause gewesen. Mit ihr, ihrem Bruder Jason, Diego und einer Cousine von Yazmin machten auch wir Popcorn (süß und salzig) und kauften eine DVD vom Markt. Der illegale DVD-Konsum boomt hier übrigens. Der Schwarzmarkt ist riesig und Filme, die noch im Kino laufen, können problemlos für weniger als 1 € erstanden werden.

Zudem wurde ich bei Yazmin zu Hause mit einem mir sehr bekannten Geräusch konfrontiert: Jason ist stolzer Inhaber einer Wii und unter anderem den Spielen Wii Sports und Super Mario (ich habe an dich gedacht, liebe Marie).

Insgesamt war Yazmins Familie total gastfreundlich und locker. Sie haben mich zum Essen eingeladen (mir ist bewusst geworden, dass ich zum ersten Mal am peruanischen Familienleben teilnehmen konnte) und waren ganz stolz am Ende "frohe Weihnachten" sagen zu können, erfahren zu haben, dass das Oktoberfest nur zum südlichen Deutschland gehört, obwohl es im Norden auch leckere Würstchen gibt und dass ich nach Chachapoyas reisen werde, den Herkunftsort der Abuelita (Großmutter, die auch anwesend war). Diese bestritt jedoch scherzhaft, dass Chachapoyas zum Regenwald gehört - sie würde scheinbar lieber aus Costa oder Sierra stammen. Letztlich schenkte sie mir eine Avokado (und ihr Ananaskuchen war "riquisimo" (sehr lecker)).

Etwas verunsichert war ich, als ich gefragt wurde, ob ich auch kathaloisch wäre und dies verneinen musste sowie den Unterschied zwischen dem katholischen und evangelisch-lutherischem Glauben erklären sollte. Das Religionsthema ist immer etwas schwierig in Peru darzustellen. Es beginnt damit, dass "evangelisch" mit "christiano/a" übersetzt werden muss, wobei "christlich" auf deutsch eine ganz andere, übergeordnete Bedeutung hat.

Weiterhin wurde ich mal wieder gefragt, wie groß deutsche Familien durchschnittlich sind. Als ich meinte, dass es durchaus einige Leute gibt, die keine Kinder haben wollen und dass eine Familie mit vier Kindern schon groß ist, wurde wieder fröhlich gelacht. Die Großmutter hat nämlich neun Geschwistern (oder waren es doch zehn? Wenn man wirklich alle mitzählt, sind es sogar dreizehn,..->kennt sie ihre Geschwister nicht??).

Mit Diego und Yazmin habe ich vereinbart, gemeinsam zu reisen, eventuell nach Canta oder/und Paracas.

Das Thema "Reisen" lässt mich über Cajamarca und die aktuelle politische Lage Perus schreiben:

Eva und ich plan(t)en, während unserer zweiwöchigen Tour in den Norden, einen Abstecher nach Cajamarca in der Sierra zu machen. Cajamarca beherbergt die größte Goldmine Lateinamerikas und die zweitgrößte Goldmine der Welt. Aktuell wurde von Präsident Humala der Ausnahmezustand inklusive Reiseverbot über das Gebiet verhängt, da es zu starken Protesten der Bevölkerung gegen neu geplante Minen einer US-amerikanischen Firma gekommen ist. Die Regierung hat die Firma aus finanziellen Gründen unterstützt und der Bauern-Bevölkerung Cajamarcas mehr Wohlstand versprochen, jedoch kommt das Geld, welches der US-Investor bringt, nicht bei den armen Einwohnern an. Seit Jahren verpesten die Mienen vor Ort stattdessen die Natur, insbesondere das überlebenswichtige Trinkwasser und vernichten somit die Existenzgrundlage der Bauern. "Agua sí, oro no" (Wasser ja, Gold nein) ist nun zum Motto in Cajamarca geworden, wo das Militär seit einer Woche wegen des "Ausnahmezustandes" fast willkürlich durchgreifen kann.

Weiterhin ist der bisherige Ministerpräsident Perus überraschend zurück getreten (vermutlich wurde er von Humala wegen des Cajamarca-Konfliktes hierzu gedrängt). Nun ist Humala bemächtigt, alle Ministerposten beliebig neu zu besetzen und sich somit ein Stück weit mehr Macht zu sichern. Auch der neue Ministerpräsident ist ein enger Vertrauter und Militärfreund von ihm. So viel also zu den derzeitig sehr spannenden Entwicklungen innerhalb der peruanischen Regierung und der Situation um mein geplantes Reiseziel Cajamarca. Ob Eva und ich wirklich dort hin fahren können, ist also leider fraglich geworden. Einerseits möchte ich kein Risiko eingehen, andererseits muss ich zugeben, reizt mich gerade diese Atmosphäre (sofern ein Mindestmaß an Sicherheit garantiert ist), um mehr über Land und Leute zu erfahren. So eine Möglichkeit hat man nicht immer - zu gerne würde ich mich mit den protestierenden Bauern unterhalten.

 

8. Dezember 2011

 

Heute ging es mit Freunden zum Strand nach Barranco. In Comas war es bereits vormittags sehr warm und der Standardspruch eines jeden Peruaners war: "Hace bastante calor, verdad?" (Es ist (sehr/so/unglaublich/..) warm, oder?)

Angekommen in Barranco war es plötzlich neblig und wesentlich kühler. Als wir später zum LarComar gingen, um bei KFC und Starbucks vorbeizuschauen, war es sogar richtig kalt - jedenfalls fröstelte es mich in Top und Leinenshorts und die Weihnachtsdekorationen kamen mir gar nicht mehr so unpassend vor. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich das Klima in verschiedenen Teilen Limas ist!

Als ich versuchte, das Gesprächsthema auf den Humboldt-Strom zu lenken und die konstante Kälte des Pazifiks vor Peru mit diesem Naturphänomen zu erklären, wurde die Existenz dieses Stromes eiskalt geleugnet. Nun habe ich den werten Peruanern einen Wikipedia-Artikel zum Humboldt-Strom zukommen lassen. Vielleicht kann die Deutsche ihnen in Sachen peruanische Geographie etwas auf die Sprünge helfen. ;)

 

Ein kleines Spanischfettnäpfchen, in das ich via facebook getreten bin:

Eine Freundin schrieb: "Que paltaaa" (Ich übersetzte es so: Was für eine Avokadooo)

Ich schrieb: "Que palta?" (Was für eine Avokado?)

Sie schrieb: "Si, pase un momento vergonzoso" (Ich übersetzte es so: Ja, sie hat das Haltbarkeitsdatum überschritten)

Ich schrieb: "La comiste?" (Hast du sie gegessen?)

Daraufhin erntete ich Lachen und die Erklärung, dass mit "palta" nicht die Frucht Avokado, sondern ein peruanischer Ausdruck für eine beschämende Situation gemeint war.

Meine Übersetzungen hätten also so sein müssen:

"Was für eine beschämende Situation"

"Was für eine Situation?"

"Ja, es gab einen beschämenden Moment"

-> hinfällig wird: "Hast du sie gegessen?"

Ich wurde inzwischen von mehreren peruanischen Freunden, die diese Konversation gelesen haben, darauf hin angesprochen und mein kleiner Fehler sorgt aktuell für große Belustigung.

 

 

7. Dezember 2011, ca. 22 Uhr

 

Der Besuch der Universität hat mein Ziel, hier nebenbei zu studieren, bestärkt. Zudem konnte ich durch eine interessante Unterhaltung mit einer Studentin profitieren, die von der eingeschränkten Pressefreiheit in Peru und politischer Korruption berichtet hat. Laut ihr wären sämtliche Medien abhängig von den "Fadenziehern" der Politik und Wirtschaft. Angeblich wüssten nur die wenigsten Peruaner, von der zensierten öffentlichen Berichterstattung.

 

Nun beginne ich mit dem Schreiben meines ersten Zwischenberichtes für die Entsendeorganisation.

 

7. Dezember 2011, ca. 17 Uhr

 

"Wie ich innerhalb eines Tages zur Mamá einer 12-köpfigen Rasselbande wurde" oder

"Die Welt steht Kopf"

 

Während ihr an den Adventstagen Kerzen anzündet, Spekulatius esst und heiße Schokolade trinkt, grille ich mit Freunden unter freiem Himmel auf einer Dachterrasse in Miraflores und genieße Maracuja-Saft. Als Kerze dient ein Feuerzeug. Während ihr Schokolade & Co aus euren Stiefeln zaubert, scheint der Nikolaus peruanische Kinder vergessen zu haben. Ihnen ist nur „Papá Noel“ (Weihnachtsmann) ein Begriff.

Morgen werde ich vielleicht mit Diego und Freunden/Cousins von ihm an den Strand fahren. Zittert ihr schon auf Grund der winterlichen Kälte in Deutschland?

Das Weihnachtsfest werde ich entweder bei meinen Vermietern oder der Familie eines peruanischen Bekannten verbringen, der Phia, Eva und mir das peruanische Weihnachten in Peru näher bringen möchte.

 

Gestern haben Eva und ich unseren Flug Mitte Januar von Tarapoto (Regenwald) zurück nach Lima gebucht. Nach drei Versuchen mit der Kreditkarte von Eva zu zahlen und einem Versuch meinerseits über das peruanische Konto zu buchen, rief uns plötzlich ein Mitarbeiter der Airline an, um uns zu helfen und selbst unsere Daten in seinen Computer einzugeben. Tatsächlich hatten wir kurze Zeit später unser Ticket zum Drucken bereit im Mail-Postfach. Welch Service! Und das in Peru! Leider hat sich aber vor wenigen Tagen heraus gestellt, dass Lucero uns doch nicht in den Norden Perus begleiten wird.

 

Beim Bowlen im LarComar mit Diego, Yazmin, dem Bekannten, dessen Namen ich nicht 100%ig weiß, Phia und Eva räumte ich Strike nach Strike ab und hätte fast gewonnen. So gut bowle ich selten.

 

Gestern wurde ich überschwänglich von Baile-Jorge im Fitnessstudio begrüßt und mir wurde zu „den wunderschönen Fotos“ gratuliert. „Qué fotos?“ (Welche Fotos?), fragte ich. „Na, die facebook-Fotos“ war die Antwort. Während ich am Grübeln war, welche der vielen facebook-Fotos die in Frage kamen, wohl gemeint waren, zückte er sein Blackberry und zeigte mir ein Foto, das beim „Shooting“ im Fitnessstudio vor einem Monat aufgenommen worden war. „Horrible“, waren mein Gedanke und meine Bemerkung. Sucht es bitte nicht in der großen facebook-Welt. Vermutlich bin ich schlichtweg selbstkritisch, aber ich habe mich entschlossen, meine begonnene Modelkarriere sogleich wieder zu beenden. Hiermit ist es offiziell und ich möchte mich bei allen Fans entschuldigen! ;)

 

Vorgestern bin ich fast aus den Socken gekippt, als mich die verhältnismäßig gut gebildete Lucero, deren Englisch sogar verständlich ist (!), fragte, ob ich aus Ost- oder Westdeutschland komme. Sie glaubte tatsächlich, dass es die Mauer noch gibt. Im Unterricht hatte der Geschichtslehrer von der Teilung Deutschlands erzählt. Leider hatte er vergessen zu erwähnen, dass diese Teilung inzwischen Geschichte ist. Auf dieses Unwissenheitsphänomen bin ich zwar bereits in den USA gestoßen und eigentlich wäre es zu viel verlangt, von Peruanern mehr Wissen zu erwarten, aber etwas enttäuscht war ich trotzdem. Zugegeben, ich wüsste auch nicht allzu viel über die Geschichte Kiribatis, allerdings war diese auch nie Thema im Schulunterricht. Warum eigentlich nicht? Weil Kiribati für den wirtschaftsorientierten Westen unwichtig ist?

Ich weiß übrigens nicht ob es besser ist, eine veraltete Weltkarte mit getrenntem Deutschland in dem Klassenzimmer einer Grundschule zu haben (von mir in den USA gesichtet, gefolgt von Aufklärungsprogramm meinerseits für die Schüler, die noch nie von Deutschland gehört hatten), oder überhaupt keine Weltkarten in der Schule aufzuhängen (Beobachtung aus meinem „Colegio“).

 

Gestern habe ich zu einer der unzähligen limenischen Universitäten Kontakt aufgenommen. Ich suche nach einer zusätzlichen Nachmittagsbeschäftigung. Zudem fühle ich mich intelektuell unterfordert und möchte wieder irgendwas lernen. Sei es politisches Fachwissen oder durch eine Teilnahme an Vorlesungen schlichtweg Spanisch. Ich hoffe, bald einen geeigneten Kurs gefunden zu haben, allerdings erweist sich die Suche als äußerst schwierig, da ich unmöglich wochentags vier Stunden für Hin-und Rückfahrt zur Uni aufwenden kann – wie ihr wisst, arbeite ich nebenbei auch noch.

Heute Abend werden Eva und ich die Directora für zwei Stunden zu ihrer Uni begleiten, an der sie Dozentin ist. Die besagt Uni bietet allerdings keine Fachrichtung von Interesse meinerseits an.

 

Eine mögliche Zukunftsbeschäftigung und eine eventuelle zweiwöchige Praktikumstätigkeit für Februar habe ich dem Kinderheim, in dem Phia arbeitet, gefunden. Freitag habe ich ihr Projekt besucht und nach wenigen Minuten wollten die ersten Kinder auf den Arm genommen werden. „Mamá“ wurde ich auch sofort genannt. So schnell wird man also Mutter von 12 1-3 jährigen Kindern, die entweder Waisen sind, oder die von ihren richtigen Eltern abgegeben wurden. Der Alltag im Heim scheint für die "Mamás" sehr stressig zu sein. Während man die Windel des einen wechselt, patscht der nächste mit seinen Händchen in der Kloschlüssel, ein anderer ist hingefallen und weint, wieder ein anderes Kind versucht die Tür nach draußen aufzubekommen und auszubüchsen. Insgesamt sind die Kleinen aber wirklich süß! Wenn es nicht darum geht, sie zum Essen zu ermahnen oder ihnen mehr oder weniger erfolglos beizubringen, zum Essen von Suppe einen Löffel und nicht die Finger zu benutzen, sondern wenn ich mit ihnen "Hoppe, hoppe, Reiter" spiele oder sie vorsichtig in die Luft werfe und dafür glückliches Lachen ernte, ist die Zeit sogar zu genießen. Dennoch fehlt es an Betreuern im Heim und der Tag, den ich dort erlebt habe, kam mir vor wie ein trubelnder Kindergeburtstag. Für Phia heißt es also in Peru täglich: Beaufsichtigung vom Kindergeburtstag!

 

Vor über einer Woche bekamen Eva und ich Besuch unserer Betreuerin im Projekt. Auch dieses Treffen war wieder einmal sehr aufschlussreich. Wer an näheren Informationen zu diesem emotional anstrengenden Tag interessiert ist, möge sich bitte persönlich bei mir melden. Wie wir alle wissen, ist das Internet eine öffentliche Plattform und an dieser Stelle wird es zu persönlich.

 

Heute habe ich unwissentlich Kuhmagen gegessen. Na lecker.

 

5. Dezember 2011

 

"Die Degradierung vom Subjekt zum Objekt" 

Bevor ich morgen (oder so) auf meine Aktivitäten der letzten Tage eingehen möchte, muss ich kurz von dem Gefühl berichten, dass ein Menschenleben in Peru weniger wert ist, als ein Menschenleben in Deutschland.

Wenn ein Mann in Lima schwer verletzt in Mitten einer Hauptverkehrsstraße liegt, wird er lange 60 Minuten von seinen Mitmenschen ignoriert und und muss erleben, dass sich niemand seiner Not annimmt.

Wenn ich durch die Straßen gehe und mir wieder mal jemand "Gringa" hinterher ruft, wünsche ich mir diese Person aus meinem Weg, ohne sie als Menschen zu kennen und als solchen zu sehen.

Wenn mich ein aufdringlicher Straßenverkäufer Bonbons unter die Nase hält, ich "Nein danke" sage und er weiter auf mich einredet, reagiere ich schnell genervt und wünsche mir auch diesen Menschen aus meinem Weg.

Er ist einer von vielen. Ein Peruaner in Lima ist einer unter Millionen. Das Subjekt wird als solches kaum wahr genommen.

Ich bin eine Weiße und falle somit aus dem Schema. Doch dadurch, dass ich "anders" aussehe, werde auch ich schnell auf mein Aussehen reduziert und wohl kaum einer, der mir hinterher pfeifft, denkt über meinen Charakter nach.

In meinem Projekt beschleicht mich in letzter Zeit oft das Gefühl, nur oder vorwiegend als Imageobjekt zu dienen. Im Alltag werde ich nicht immer gegrüßt- gibt es Besuch von außenstehenden Institutionen wie einem Ministerium werden Eva und ich dagegen überschwänglich vorgestellt als "die Deutschen". Bei einem anderen Schulbesuch sollen wir als "die Deutschen" mitkommen, ebenso wie ich die Direktorin zur deutschen Botschaft begleiten soll (die Schule möchte Entwicklungshilfegelder (vom deutschen Steuerzahler)) beantragen. Als Übersetzerin wäre ich wohl überflüssig, für die Profilierung der Schule, als eine mit deutschen Freiwilligen, bin ich aber nützlich. Diese Liste ist scheinbar endlos weiter zu führen. Ich werde hier jedenfalls verstärkt als Werkzeug oder schlichtweg Objekt verstanden/genutzt. Eva und ich beginnen zu vermuten, dass wir auch nur aus diesem Grund in dem Projekt gelandet sind. Wenn wir keine Repräsentantenrolle einnehmen, sind wir nämlich absolut unterbeschäftigt.

Die Anonymität, mit der den Limenos begegnet wird, kann durchaus typisch für eine Großstadt sein, jedoch mehrt sich der zunehmende Objektstatus durch die Faktorisierung mit dem peruanischen Lebensgefühl, der Kultur, nicht zuletzt dem Machismo und meinem Fall natürlich dem Ausländerstatus.

Lima von oben
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