Eure Fragen an mich

Ich kann zwar unter "News" darüber berichten, was in Peru so passiert, aber vielleicht treffen meine Berichte überhaupt nicht euer Interesse. Deswegen habe ich diese Rubrik geschaffen:

Wenn ihr direkte Fragen an mich habt, die andere ebenfalls interessieren könnten, schreibt mir diese doch (z.B. über das Gästebuch oder das Kontaktformular) und ich werde mein Bestes geben, diese zeitnah zu beantworten und hier zu veröffentlichen.

 

Zunächst möchte ich einen fiktiven Montag aus meinem peruanischen Leben skizzieren:

Um 5.50 Uhr klingelt mein Handywecker. Am Vorabend hatte ich mir fest vorgenommen, noch vor dem Frühstück zu joggen. Schlaftrunken verwerfe ich diesen Plan und gönne mir noch einige Minuten des kostbaren Schlafes. 7 Uhr ("7 Uhr?? Es war doch eben noch 5.50 Uhr!"): Jetzt ist es höchste Eisenbahn aufzustehen, wenn ich nicht ohne Haferbrei oder Cornflakes aus dem Haus gehen möchte. Ich entscheide mich gegen Haferbrei und Cornflakes und kaufe mir stattdessen auf dem Weg zur Schule (Verlassen der Wohnung um 7.25 Uhr) bei einem Straßenhändler ein mit "Kartoffelpuffer" belegtes Brötchen.

Schnell überquere ich eine Straße und laufe zum nächsten Combi, den ich nehmen muss. Im Combi versucht der Cobrador (Geldeinsammler), mich um das Fahrtgeld zu betrügen. Statt der normalen 50 Céntimos soll ich den Touristenpreis von 80 Céntimos zahlen. Nach einer kurzen aber hitzigen Diskussion steige ich wieder aus und warte auf den nächsten Combi. Währenddessen habe ich das Brötchen gegessen und bin nun auf der wissentlich hoffnungslosen Suche nach einem Mülleimer für die Plastiktüte. Der nächste Mülleimer wird erst wieder in der Schule anzutreffen sein. Also stecke ich die Plastiktüte entegen dem peruanischen Ritual, sie mitten auf der Straße zu entsorgen, in meine Jackentasche. Im nächsten Combi zahle ich die 50 Céntimos, und trotz der vielsagenden Blicke und Flirtversuche einiger Peruaner verbessert sich meine Laune unter Einfluss der im Combi gespielten Latinpop- und Salsamusik.

Zur Schule komme ich um 8.05 Uhr wegen des Problemes im ersten Combi. Eigentlich hätte ich um 8 Uhr da sein sollen. Ich klopfe gegen die bereits verschlossene Eingangstür und fünf Minuten später öffnet mir die Angstellte Camila. Mit einem kurzen Nicken begrüße ich die Direktorin, die wahrscheinlich auf Grund meiner Verspätung etwas unzufrieden guckt, aber noch nie ernsthafte Kritik geäußert hat. Auch nach mir treffen Lehrer ein. Ich habe mich also schlichtweg angepasst.

Im Computerraum warte ich darauf, ob Schüler kommen, oder nicht. Entweder ich bespaße sie, oder ich widme mich meiner neuen Lektüre. Dabei versuche ich besonders langsam zu lesen und zwischendurch ein Nickerchen zu machen, da mir die Lektüren langsam aber sicher aus gehen und ich keine neuen alten Bücher vom Markt kaufen möchte.

Nach Schulschluss um 13 Uhr verlasse ich die Schule wieder. Eine Staubwolke schlägt mir entgegen, als ich auf die nicht asphaltierte Straße trete und ich muss mich durch ein Rudel von Hunden schlagen. Auf meinem Rückweg liegt "Pro" und dort gibt es einen recht großen Markt. Für mein Mittagessen, Bananenpfannkuchen, brauche ich noch ein Ei und natürlich Bananen. Beim erstbesten Stand kaufe ich also ein Ei. Die Verkäuferin grinst mich an, blickt bedeutsam in Richtung eines jungen Mannes neben ihr und fragt (wegen meines spziellen Einkaufs von nur einem Ei), ob ich alleine leben würde. Den Rest kann ich mir zusammen reimen, verneine, und verschwinde zu einem der Obststände, nachdem ich der Frau noch einen schönen Tag gewünscht habe. Die Obstverkäuferin kennt mich bereits und greift sofort nach der Bananenstaude.

Ich trete schließlich aus dem Markt heraus und suche die Straße bereits nach dem nächsten Bus, den ich nehmen muss, ab. "Mist", der Bus steht bereits dort, wo ich ihn abfangen müsste und fährt bereits langsam los. Da es für normales Heranwinken zu spät ist, gestikuliere ich wild mit meinen Armen, winke und laufe los. Der Cobrador hat mich tatsächlich gesehen, der Bus hält für mich an und wartet. Beim Laufen stolpere ich über einen Müllhaufen und werde fast von einem Mototaxi angefahren. Letztlich schaffe ich jedoch den Sprung in den Bus und finde sogar auf Anhieb einen Sitzplatz. Als der Cobrador vorbeikommt, bedanke ich mich für das Warten und plötzlich sehe ich, dass ich schon wieder aussteigen muss. "Grifo baja" ("Tankstelle raus"), rufe ich und es fehlen nur noch wenige Meter zu Fuß bis zu meiner Haustür. Den Nachmittag verbringe ich ganz unspektakulär vor dem Computer, mit Kochen, Abwaschen und Wäsche waschen. Um 20.50 Uhr ist es endlich so weit und ich mache mich auf den Weg zum Fitnessstudio, wo um 21 Uhr Baile con Jorge beginnt. Das Hüftgewackel lässt meinen Tag gut ausklingen und den nächsten Tag möchte ich wieder mit Sport beginnen. Ich stelle mir den Wecker auf 5.50 Uhr, um vor dem Frühstück noch eine Runde joggen zu können.... .

 

Die Vorweihnachtszeit (29. November 2011)

Mehrfach hat mich die Frage erreicht, wie sich das nahende Weihnachtsfest bemerkbar macht.

Der Metro-Supermarkt ist seit Mitte Oktober mit nachts leuchtenden Weihnachtssternen geschmückt, seit einiger Zeit sind dort kitschige Plastikweihnachtsbäume, Christbaumkugeln etc. erhältlich und langsam aber sicher werden auch die ein oder anderen Schaufenster mit Weihnachtsklebebildchen von Schnee- und Weihnachtsmännern (Papa Noel) oder Lametta geschmückt. Vor wenigen Tagen habe ich in Miraflores einen großen Weihnachtsbaum in der Mitte eines Verkehrkreisels gesehen. Dieser war jedoch mehr Kugel als Baum. Den "Stamm" und die "Zweige" sah man kaum, nur die riesigen (!) silbernen und goldenen Kugeln fielen schon von Weitem auf. Über Dekorationen mit Plastikschneemännern etc. schütteln die Peruaner selbst den Kopf - die meisten Limenos haben noch nie Schnee gesehen - dieser fällt nur in der Sierra (Gebirge). Letztens hat mich ein Freund gefragt, ob Schneeballschlachten verletztend sein können, woraufhin ich meinte, dass eisiger Schnee schmerzender sein kann als Pulverschnee, woraufhin er mich ganz verwundert ansah und erwiederte, er habe gar nicht gewusst, dass es unterschiedliche Schneearten gibt.

Eine weitere Eigenart ist es hier, heiße Schokolade an Weihnachten zu trinken. Bei der sommerlichen Hitze wäre ein Fruchtcocktail wesentlich angebrachter.

Weihnachtsmärkte habe ich noch nicht entdeckt, ebenso wenig wie Spekulatius, Lebkuchen, Zimtsterne und Glühwein, ein Treffen mit anderen Freiwilligen zum Backen von Plätzchen ist bereits für Mitte Dezember festgelegt und auch hier gehen viele Familien an Weihnachten in die Kirche und essen gemeinsam Truthahn o.ä. Wie ich mein zweites Weihnachten ohne Familie verbringen werde weiß ich noch nicht genau. Vielleicht wird es eine Zusammenkunft mit Mietern und Vermietern geben.

Lucero meinte bereits mehrfach, dass die Fitnessstudios nach Weihnachten immer besonders gefüllt seien, damit die zusätzlichen Pfunde wieder abtrainiert werden könnten.

Besonders interessiert mich noch, wie meine Schüler feiern, da sie aus eher ärmeren Verhältnissen kommen. Was für Geschenke dürfen sie erwarten? Bekommt jedes Kind überhaupt ein Geschenk? Heute habe ich eine Klasse jedenfalls beim Basteln von Weihnachtsdekoration beobachtet.

Für mich ist die Adventszeit gefühlt noch sehr fern. Zwar esse ich gelegentlich eine Orange oder Mandarine, aber zum ersten Advent gab es statt einer Kerze in der frühen Dunkelheit ein Grillen mit Freunden in Sonnenschein und T-Shirt.

Lima von oben
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